Grüne: Die Zwischenzeit-Weltmeister wollen ins Ziel

15. Februar 2013, 05:30
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Der Korruptionssumpf ist der ideale Nährboden für einen grünen Wahlerfolg - doch die Partei leidet an chronischen Schwächen

In Umfragen haben die Grünen schon oft triumphiert. Doch diesmal stehen die Chancen, dass die Zwischenzeitweltmeister auch einmal einen satten Erfolg ins Ziel bringen, gut: Abgesehen von der Niederösterreich-Wahl, sagt Meinungsforscher Christoph Hofinger vom Sora-Institut, "wäre es schon eine Überraschung, würden sich keine Zuwächse einstellen".

Blöd haben sich die Grünen nicht angestellt. Den gröbsten Schnitzer - die öffentlich zelebrierte Demontage von Europasprecher Johannes Voggenhuber - leisteten sie sich gleich zu Beginn der Legislaturperiode, seither dominiert untypische Geschlossenheit. In Linz und Wien gelang der Beweis, dass eine grüne Regierungsbeteiligung entgegen dem Klischee nicht in Chaos münden muss; Aufreger wie das Parkpickerl provozieren am wenigsten die eigene Klientel. Vor allem aber ist der Korruptionssumpf, in dem die Konkurrenz watet, fruchtbarer Nährboden für das grüne Pflänzchen.

Selbstläufer Korruption

"Nur zu sagen, ,Wir sind die Guten', reicht aber nicht", befindet Hofinger. Statt sich mit der Rolle des moralisch sauberen Strebers zu begnügen, müsse die Zehn-Prozent-Partei auch mit schlüssigen Konzepten erklären, zu welchem "Schwert" sie greifen möchte, "um der Hydra die Köpfe abzuschlagen".

Trügerisch wäre überdies, allein auf den Selbstläufer Korruption zu hoffen. Rot und Schwarz werden sich nicht gefügig abwatschen lassen, sondern den Wahlkampf in eine andere Richtung - heißer Tipp: eine Debatte über Verteilung und Budgetdisziplin - lenken. Doch bei den großen Wirtschaftsthemen gehen die Grünen regelmäßig unter. Hofinger empfiehlt als Gegenmittel einen angriffigen Wahlkampf bis hin zu Negativcampagning - um etwa die SPÖ punkto Vermögenssteuer markiger Worte, aber fehlender Taten zu bezichtigen.

Eine zweite große Schwäche: Bei Wählergruppen ohne Matura fassen die Grünen kaum Fuß, das spiegelt auch die Präsenz im Internet wider. In der Bildungsschichtdomäne Twitter sind sie dick da - auf der Massenplattform Facebook räumt aber H.-C. Strache ab. (jo, DER STANDARD, 15.2.2013)

Wissen: Grüne Schläfer

Johannes Voggenhuber Der vor vier Jahren aus dem grünen Reservat vertriebene Silberrücken hat ein Elefantengedächtnis - und mit der Demokratieinitiative MeinOE wieder eine Plattform, seine Wortgewalt zu entfalten. Wer bei ihm im Wahlkampf nachfragt, hat gute Chancen auf erlesene Bosheiten über die einstige Herzenspartei. Alexander Van der Bellen Der frühere Langzeitchef gibt eher das Rauchen auf, als wie ein Balkon-Muppet reinzukeppeln. Dennoch wirft VdB einen langen Schatten: Nachfolgerin Glawischnig muss sich an der Strahlkraft des Professors messen lassen, die weit über die grüne Kernklientel hinausreichte. Die Parteilinke Die in Wien häufige Spezies ist derzeit friedfertig. Doch Gelüste auf einen koalitionären Dreier mit SPÖ und ÖVP könnten die regierungsskeptischen Schläfer wecken - und wie beim Schwarz-Grün-Versuch vor zehn Jahren gröbere Aufstände provozieren.

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