Mit der Pizza rechnen lernen

14. Februar 2013, 17:05
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Frage: Wird hier etwa unter Ausschluss der Öffentlichkeit Geld verbrannt? Oder macht man "Kinderfernsehen", weil es eh egal ist?

Ritter Klapperkopf und Pizza Poltergeist als Bewohner der Rätselburg sind Teil des von Thomas Brezina weitgehend im Alleingang bestrittenen ORF-Kinderfernsehens. Der Darth Vader für Vor- und Volksschulkinder sendet vom Todesstern Okidoki aus seine Klonkrieger Tom Turbo, den ABC-Bär, den von den Rebellen zur dunklen Seite übergelaufenen Kasperl oder den überall im bekannten Universum gefürchteten singenden Freddy und die wilden Käfer aus.

Diese bunte Bedrohung soll heimischen Kindern über den Sendetag verteilt unterhaltsam vermitteln, dass von der BBC einst für diese Zielgruppe entwickelte Formate wie die Teletubbies und ihre überzogene  Intellektualität dankenswerterweise längst Geschichte sind.

Auch auf der Rätselburg kann man etwas lernen. Zum Beispiel dass es Glöckchen gibt, die nicht klingeln. Sie heißen Maiglöckchen. Dazu lernt man vom Fernsehen, wie man richtig  addiert und subtrahiert. Dafür fliegen Dampfcomputergeister in eine Dampfcomputer-Kuckucksuhr. Manche bleiben drin, andere kommen raus. Das Ergebnis wird den Kindern zügig verraten, damit es nicht zu einem in der Galaxis gefürchteten tödlichen Umschaltimpuls kommt.

Wer jetzt genau umschalten soll, bleibt fraglich. Die ORF-Rätselburg wird wochentags um 7.55 Uhr in der Früh gesendet. Da sitzen die älteren Kinder der Zielgruppe zwischen drei und sieben Jahren in der Schule. Der zweite Sendetermin ist um 13.45 Uhr: Hausaufgabenzeit. Und die Kleineren machen da ge wöhnlich einen Mittagsschlaf. Frage: Wird hier etwa unter Ausschluss der Öffentlichkeit Geld verbrannt? Oder macht man "Kinderfernsehen", weil es eh egal ist? (Christian Schachinger, DER STANDARD, 15.2.2013)

  • Tom Turbo (rechts) mit Thomas Brezina.
    foto: orf/günther pichlkostner

    Tom Turbo (rechts) mit Thomas Brezina.

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