Worley Weltmeisterin, Fenninger Dritte

14. Februar 2013, 15:19
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Worley siegt mit zweimal Laufbestzeit - Maze holte mit Silber bereits ihre dritte Medaille, Fenninger die vierte für Österreich

Schladming - Ihre vierte und letzte Chance auf eine Medaille bei der Heim-WM hat Anna Fenninger eindrucksvoll genützt. Insofern war die Freude, die der Gewinn der Bronzemedaille in das Gesicht der 23-Jährigen aus Adnet zauberte, nur allzu verständlich. "Die Genugtuung ist sehr groß", sagte Fenninger. "Es war eine extrem schwierige Weltmeisterschaft für mich. Ich habe nicht mehr an die Medaille geglaubt."

Schwierig war für sie nicht die harte Piste auf der Planai, nicht der eisige Schlusshang, der bisher den Männern vorbehalten war, sondern "das Rundherum". Als Medaillenkandidatin war sie im Super-G und in der Abfahrt gestartet, in der Super-Kombi zudem als Titelverteidigerin.

Der Druck war hinderlich, nach zwei Ausfällen und Platz elf in der Abfahrt entfloh Fenninger zwei Tage dem Trubel. In familiärer Umgebung drückte sie den "Reset-Knopf", das Zurücksetzen in einen entspannteren Zustand funktionierte. "Ich habe Spaß gehabt am Skifahren, das war die Lösung. Ich habe mir vorgestellt, es ist ein Weltcuprennen. Da hat es auch immer geklappt."

Fenninger hatte den Showdown als Dritte, 0,85 Sekunden hinter der führenden Französin Tessa Worley, in Angriff genommen. Die Bestzeit der slowenischen Saisondominatorin Tina Maze, die nach dem ersten Durchgang nur Vierte gewesen war, verpasste sie aber um 0,06 Sekunden. Erst als Teamkollegin Kathrin Zettel, die Zweite nach dem ersten Durchgang, hinter Maze und Fenninger blieb, war die dritte WM-Medaille für die Salzburgerin nach Gold in der Super-Kombi und Silber im Teambewerb von Garmisch-Partenkirchen 2011 fixiert.

Zettel sorgte für den vierten vierten Platz des ÖSV-Teams im Verlauf dieser WM. Zuvor hatten schon Klaus Kröll (Abfahrt), Hannes Reichelt (Super-G) und Michaela Kirchgasser (Super-Kombi) eine Medaille jeweils knapp verpasst. Die 26-jährige Niederösterreicherin nahm's relativ gelassen hin. "Weinen hilft nix. Ich habe keinen guten zweiten Lauf erwischt. Ich habe im Slalom ja noch eine Chance."

Die Halbzeitführende Tessa Worley aus Frankreich setzte im Finale noch zu und hängte mit erneuter Laufbestzeit Titelverteidigerin Maze um insgesamt 1,12 Sekunden ab. Das ist insofern beeindruckend, als Maze in dieser Saison von sieben Weltcup-Riesentorläufen vier gewonnen hat. Mazes schlechteste Platzierung war ein dritter Platz im Dezember in Aare gewesen.

Worley gewann in diesem Winter zwar noch kein Rennen, stand aber dreimal als Dritte auf dem Podest. Dritte war sie auch bei der WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen gewesen. "Ein tolles Gefühl", sagte die 23-jährige Tochter einer Französin und eines Australiers, die im Wintersportort Le Grand-Bornand in den Westalpen aufgewachsen ist.

Grandiose Nation

"Ich habe gewusst, dass mir diese schwierige Piste liegt", sagte Worley, die bei sieben Weltcupsiegen im Riesentorlauf hält. " Wir haben eine großartige Stimmung im Team. Bisher habe ich mit den anderen noch nicht mitfeiern können. Aber jetzt bin ich Teil dieser großen Party." Zu feiern hatte die französische Mannschaft genug im Ennstal. Worley holte die zweite Goldmedaille nach Marion Rolland in der Abfahrt, mit vier Medaillen führt die Grande Nation den Medaillenspiegel an.

Slowenien hält als Dritter der Wertung bei drei Medaillen, für diese zeichnet Maze verantwortlich. Nach dem ersten Durchgang war die 29-Jährige noch schwer enttäuscht. "Das war mein schlechtester Lauf in dieser Saison. Meine Muskeln arbeiteten nicht so, wie ich es wollte", sagte Maze, die zuvor Gold im Super-G und Silber in der Super-Kombi gewonnen hatte. "Ich habe dann alles probiert und gekämpft. Diese Medaille zählt für mich mehr als alles andere."

Im abschließenden Slalom am Samstag hat Maze die Chance auf ihre vierte Medaille. Über das Comeback von Titelverteidigerin Marlies Schild freut sie sich. "Es ist großartig, dass sie kommt. Es ist immer gut, wenn die Besten bei der WM fahren." ÖSV-Damencheftrainer Herbert Mandl traut der Salzburgerin, die selbst ohne Erwartungen ins Rennen geht, einiges zu. " Soweit wir von ihren Trainingszeiten wissen, ist eine Medaille durchaus möglich." (David Krutzler, DER STANDARD, 15.2.2013)

  • Eine erlöste Anna Fenninger.
    foto: apa/epa/fohringer

    Eine erlöste Anna Fenninger.

  • "Ich habe gewusst, dass mir dieser schwierige Hang liegt", sagte Tessa Worley über die Piste, die bisher den Herren vorbehalten war. Dieses Wissen nützte die Französin zu ihrem zweiten WM-Titel. Der erste war 2011 mit dem Team passiert.
    foto: ap/ trovati

    "Ich habe gewusst, dass mir dieser schwierige Hang liegt", sagte Tessa Worley über die Piste, die bisher den Herren vorbehalten war. Dieses Wissen nützte die Französin zu ihrem zweiten WM-Titel. Der erste war 2011 mit dem Team passiert.

  • Die drei Besten: Fenninger, Worley, Maze.
    foto: reuters/foeger

    Die drei Besten: Fenninger, Worley, Maze.

  • "Worley, c'est géant", freut sich die französische Sportzeitung "L'équipe".
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