Ströck: Bäcker arbeiten hart an der Verlustgrenze

Chat15. Februar 2013, 15:33
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Gerhard und Gabriele Ströck über den richtigen Kollektivvertrag, das beste Brot der Welt und harten Wettbewerb

Das beste Brot der Welt machte für Gerhard Ströck seine Großmutter im Burgenland. Heute führt Ströck mit seine Frau Gabriele einen Betrieb mit vielen Filialen und Mitarbeitern. Heftig gestritten wurde jüngst über die Frage, welchen Kollektivvertrag die Mitarbeiter in so seinem Betrieb bekommen sollen. "Sie sind ein wachsendes und erfolgreiches Unternehmen. Warum lassen Sie ihre Mitarbeiter durch die Anwendung des Industrie-KV nicht am unternehmerischen Erfolg teilhaben?" will ein Leser wissen. 30 Prozent der österreichischen Bäckereien seien hart an der Gewinn-Verlustgrenze hält das Ehepaar Ströck dem entgegen. Ein heimischer Bäcker müsse froh sein, wenn Gewinn erwirtschaftet wird.

Ein guter Durchschnittsbetrieb verdiene heute zwischen zwei und drei Prozent Brutto vom Umsatz: „Und da darf dann nicht mehr viel schief gehen.“ Einen Betriebsrat gibt es im Unternehmen nicht, aber man werde entsprechenden Bemühungen keinesfalls entgegen stehen, versichert Gerhard Ströck. Wovon mögliche Brotpreissteigerungen abhängen und warum Teiglinge für einen Betrieb wie seinem wichtig sind und was der Preiskampf mit Diskontern bedeutet, erklärte das Ehepaar im derStandard.at-Chat.

ModeratorIn: Einen schönen guten Tag, liebe User und Userinnen. Wir begrüßen heute Gabriele und Gerhard Ströck und freuen uns in der kommenden Stunde auf viele spannende Fragen. Gleichzeitig starten wir mit diesem Chat eine Serie zum Thema Brot, Brotpreise und a

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir freuen uns, dass wir hier sind, und freuen uns, Stellung zu den Fragen nehmen zu können.

UserInnenfrage per Mail: Wer macht für Sie das beste Brot der Welt?

Gerhard und Gabriele Ströck : Meine Großmutter hat das einmal im Burgenland gemacht. Das ist eine subjektive Geschmacksfrage. Wie alles im Leben.

UserInnenfrage per Mail: Wie sieht es mit dem Bäcker-Nachwuchs aus – ist das ein beliebter Job für junge Leute?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir finden jedes Jahr Lehrlinge und bemühen uns, diese jungen Menschen bestens zum Lehrberuf zu führen. Wir freuen uns bereits auf die Anmeldungen fürs neue Schuljahr.

UserInnenfrage per Mail: Was unterscheidet Sie Ihrer Ansicht nach von einer Großbäckerei?

Gerhard und Gabriele Ströck : Für uns gibt es den guten und den nicht so guten Bäcker. Es kann aus jeder Backstube gutes Brot herauskommen, wenn man mit den Rohstoffen richtig umzugehen weiß.

UserInnenfrage per Mail: Wieviele Brotsorten gibt’s bei Ihnen eigentlich?

Gerhard und Gabriele Ströck : 72.

UserInnenfrage per Mail: Können Sie sich Brotpreismäßig noch an den Beginn Ihrer Karriere erinnern? Wieviel hat Brot im Vergleich zu heute damals gekostet?

Gerhard und Gabriele Ströck : Ich habe 1973 begonnen zu lernen, und ich glaube, das Kilo Mischbrot hat 7,50 Schilling gekostet.

UserInnenfrage per Mail: Werden die Preise für Brot heuer wieder steigen? Wenn ja, in welchem Ausmaß etwa?

Gerhard und Gabriele Ströck : Die Preise werden im Oktober/November 2013 wahrscheinlich wieder steigen. Es wird auf die noch zu vereinbarenden neuen Lohnabschlüsse und die Rohstoffpreise einzugehen sein.

UserInnenfrage per Mail: Lieber Herr Ströck – überall sonst ist man stolz, modern und maschinell zu produzieren. Bei den Bäckern scheint das anders zu sein. Wieso?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir produzieren natürlich mit den modernsten Maschinen dort, wo die menschliche Kraft nicht mehr ausreicht, zum Beispiel beim Teigmischen. Jedoch hat jede Maschine in der Bäckerei ihre Grenze, und ab diesem Zeitpunkt kommen die Bäckerhände zum Einsatz.

UserInnenfrage per Mail: Wie kann es überhaupt sein, dass der Bäcker, der mehr händisch arbeiten muss, weniger bezahlt bekommt, als der Maschinenarbeiter? Das ist doch eine Abwertung des traditionellen Handwerkers. Wenn wir so weiter machen werden wir auch noch den Beruf de

Gerhard und Gabriele Ströck : Der gelernte Bäcker bekommt nicht weniger bezahlt als ein Maschinenarbeiter. Ein Maschinenarbeiter ist bei uns eine angelernte Hilfskraft.

Michael P.: Gibt es bei Ihnen im Unternehmen Leistungsprämien? Falls ja, hat eine Erkrankung der MitarbeiterInnen Auswirkungen auf die Prämie (evtl. auch indirekt)?

Gerhard und Gabriele Ströck : Es gibt ein Prämienmodell. Eine Erkrankung eines Mitarbeiters hat keine Auswirkung darauf.

UserInnenfrage per Mail: Jemand hat einmal sinngemäß gesagt: Früher haben wir Brot gebacken um den Hunger der Menschen zu stillen, jetzt müssen wir den Hunger der Menschen auf Brot erst wecken. Sehen Sie das auch so?

Gerhard und Gabriele Ströck : Ja, es ist so. Der Brotkonsum sinkt seit den 70er Jahren regelmäßig nach unten. Wir bemühen uns mit neuen Ideen und Produkten, hier entgegenzuwirken.

lalle laller: Ich habe eine junge Angestellte (mit Lehrabschluss) gefragt wieviel sie für eine volle Anstellung verdient. Die (für mich) schockierende Antwort: knapp 1000,- Euro netto. Nun zu meiner Frage: Kann das stimmen? Falls nein: Wieviel ist dann der Mindes

Gerhard und Gabriele Ströck : Das mit den 1.000 Euro netto stimmt. Es ist sicher schwierig, mit 1.000 Euro im Monat auszukommen. Das kann man aber nicht auf die Bäckereien alleine beziehen, sondern ist eine Folge der Rahmenbedingungen.

UserInnenfrage per Mail: Mich würde interessieren, wieviel Fluktuation es in Ihrer Firma gibt?

Gerhard und Gabriele Ströck : Durchschnittlich 27 %.

Flottii: Wie hoch ist der Prozentsatz der Lehrlinge, die nach der Lehrzeit übernommen werden? Wieviele beenden noch vor Lehrabschluss die Lehre?

Gerhard und Gabriele Ströck : Es werden alle Lehrlinge übernommen, wenn sie bleiben wollen.

Dornenboy: Hat sich Ihrer Meinung nach das Bewusstsein für Qualität beim Brot in Wien gewandelt? Meinem Eindruck nach stark, wenn auch mit einer gewissen Verspätung. In München etwa gibt es mit Pfister-Brot schon lange ziemlich flächendeckend Top-Qualität. In

Gerhard und Gabriele Ströck : Ja, und es ist gut so, wenn junge und tüchtige Bäcker den Markt beleben.

k_otin: Wenn man in Ihrer Firma krank wird, fällt man dann auch um Teile seines Gehalts um wie bei einem Ihrer Mitbewerber? Ihr Kommentar zu solchen Usancen?

Gerhard und Gabriele Ströck : Nein, es ist keine Beeinflussung im Krankheitsfall zu erwarten.

patriotin: Gibt es in Ihrem Betrieb einen gesetzlich vorgeschriebenen Einkommensbericht?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir bezahlen geschlechterneutral bei selber Leistung, selber Gehalt.

Yvonne70: Was heißt das – Automatisierung bei einem Bäcker und Handwerk bei einem Bäcker?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir würden jeden Interessenten einladen, dieses komplexe Thema in unserer Brotbackstube im Frühjahr 2013 (nach Terminvereinbarung) zu erklären. Bei Interesse wenden Sie sich an unsere Marketingabteilung - siehe www.stroeck.at.

Jophiel: Kaufen Sie eigentlich auch wie viele andere Bäcker Brot und Backwaren aus dem Ausland zu?

Gerhard und Gabriele Ströck : Nein.

Michael P.: Ihre Aussage "Unsere Mannschaft sagt: Wir haben Chefs, wozu brauchen wir Betriebsräte?" lässt erahnen, wass sie von Mitbestimmungsrechten der Belegschaft halten. Andere Firmen in Ihrer Größenordnung schätzen die Instituion Betriebsrat. Daher meine

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir werden Bestrebungen zur Gründung eines Betriebsrates in unserem Betrieb auf keinen Fall behindern.

Michael P.: Sie sagen also, es kommt auf die Rahmenbedingungen an (in Bezug auf die 1000 Euro netto). Sie hätten es in der Hand, die Rahmenbedingungen zu verbessern, indem sie ihre MitarbeiterInnen nach dem (teureren) Großbäcker-Kollektivvertrag bezahlen. War

Gerhard und Gabriele Ströck : Weil wir im Wettbewerb stehen. Es gibt unseres Wissens zur Zeit keinen Bäckereifilialisten, welcher seine Mitarbeiter nach dem Großbäcker-Kollektivvertrag bezahlt. Die österreichischen Bäckereien müssen heute froh sein, wenn Gewinn erwirtschaftet wird. Und Gewinne sind extrem wichtig.

Rod Zumtobel: Wieviel Mitarbeiter sind bei Ihnen in der Lohnkategorie "Sonstige Arbeitnehmer"?

Gerhard und Gabriele Ströck : Keine Ahnung, da wir darauf nicht vorbereitet sind.

patriotin: 110 Öfen betreiben Sie laut Presseaussendung! 1700 Beschäftigte sind in Ihrem Unternehmen beschäfigt! Warum sind Sie dann ein Bäckergewerbe?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir laden gerne ein, wie schon weiter oben gesagt, zu Demonstrationszwecken.

UserInnenfrage per Mail: Wenn ich eine Ihrer Filialen betrete, sehe ich Verkaufspersonal das tiefgefrorene Produkte aufbäckt. So habe ich das bei einem „kleinen“ Bäcker noch nie gesehen. Erklären sie mir bitte, inwiefern ihre Produktion nicht industriell vonstattengeht?

Gerhard und Gabriele Ströck : 1987 war Ströck einer der Pioniere im Bereich Teiglings-backen, diese Anforderung kam von unserer Kundenseite, täglich noch frischeres Gebäck über den Ladentisch reichen zu können. Wir sehen darin absolut kein Problem, außer dass der Betrieb dadurch eine höhere Kostenstruktur hat. Jedoch der Wettbewerb gibt das vor.

UserInnenfrage per Mail: Was wäre der Unterschied für betroffene Mitarbeiter, hätten sie statt dem Gewerbe-KV den Industrie-KV und was würde das Ihrem Betrieb kosten?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir wissen momentan nicht, was der Kostenfaktor ist.

UserInnenfrage per Mail: Sie sind ein wachsendes und erfolgreiches Unternehmen. Laut eigener Aussage zahlen Sie bereits über dem Gewerbe-KV. Warum lassen Sie ihre MitarbeiterInnen durch die Anwendung des Industrie-KVs nicht am unternehmerischen Erfolg teilhaben?

Gerhard und Gabriele Ströck : 30 % der österreichischen Bäckereien sind jährlich hart an der Gewinn-Verlust-Grenze. Ein guter Durchschnittsbetrieb verdient heute zwischen 2 und 3 % brutto vom Umsatz. Und da darf dann nicht mehr viel schiefgehen.

Tasha: Was sagen sie zu den Anschuldigungen von der Gewerkschaft?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir sind eine der bekanntesten Bäckereien in Österreich durch unsere Filialen in Wien, jedoch leider nur an 8. bis 9. Stelle hinsichtlich des Backwarenausstoßes. Wir sind der Meinung, Gleichheit für alle Unternehmen in Österreich; wenn dem so ist, gibt es für uns kein Thema. Fragen zum Betriebsrat haben wir oben schon beantwortet.

Michael P.: Sie sagen, sie würden eine Betriebsratsgründung nicht verhindern. Dh sie würden die Einberufung einer Betriebsversammlung durch die Gewerkschaft zur Gründung eines Betriebsrates nicht behindern?

Gerhard und Gabriele Ströck : Das wurde schon 2002 gemacht. Damals ohne Erfolg. Wir können und wollen nichts behindern.

*Tamara*: Herr Ströck, wie kann man sich Ihren Tagesablauf vorstellen? Stehen Sie selbst noch in der Backstube?

Gerhard und Gabriele Ströck : Mein Wecker läutet zwischen 2.30 und 3 Uhr in der Früh. Ab 3.30 gehe ich täglich in Bäckergewand "verkleidet" durch meine Backstube.

Jophiel: Wie bestehen Sie im Preiskampf mit Diskontern und Tankstellen die ihre Produkte aus dem (günstigeren) Ausland beziehen?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir können einen Preiskampf mit Bäckerdiskontlieferanten überhaupt nicht führen, da unsere betriebliche Backstubenstruktur dafür überhaupt nicht geeignet ist - (viel zu hohe Personalkosten auf die Produkte).

THP: Wenn Sie Ihre eigene Zeit als Lehrling mit der Lehre in Ihrem Unternehmen vergleichen: Ging es Ihnen damals besser oder schlechter als den jungen Leuten, die Sie selbst beschäftigen?

Gerhard und Gabriele Ströck : Da ich 1973 mit der Lehre begonnen habe und heute noch bestens weiß, an was ich gelitten habe, versuche ich mit meinen Bäckermeistern hierzu beste Arbeit zu leisten. Neben der Berufsschule haben wir seit 3 Jahren eine eigene Lehrlingsakademie eingerichtet, in welcher Externe unsere jungen Menschen zu Facharbeitern heranführen und auch Persönlichkeitsbildung fördern.

Rod Zumtobel: Können Sie uns etwas verraten über Ihre Unternehmensstruktur. Wieviele Betriebe besitzen Sie als Familie Ströck?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir haben eine Firma Ströck Logistik mit 5 Töchtern. Diese beschäftigen sich ausschließlich mit Bäckereierzeugnissen und deren Verkauf.

lalle laller: Mann bezahlt im Verkauf 15 Prozent über dem Kollektivvertrag (laut eigener Aussage in ORF online), Ölz und Anker haben den teureren KV. Bezahlen daher alle anderen besser?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir können dies nicht beurteilen. Wir kennen die konkreten Zahlen nicht.

UserInnenfrage per Mail: Bei welchen Tätigkeiten bzw. für einen wie hohen Anteil an Personal würde ein Industrie-KV überhaupt in Frage kommen in einem Betrieb wie dem Ihren?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir können das nicht beantworten. Es gibt keine exakte klare Definition, was ein Industrie- und was ein Gewerbebäcker ist. Wir würden es begrüßen, wenn das endlich mal auf höchster Ebene in Europa geklärt würde.

Zukunft xy: Mein absolutes Lieblingsbrot in Österreich ist das von Ihnen produzierte 'Dachsteinbrot' - wird das tatsächlich handwerklich hergestellt?

Gerhard und Gabriele Ströck : Teig wird gemischt, Teigkessel wird in eine Portioniermaschine gekippt, dann nehmen 2 Personen diese Portion, legen sie in das Sonnenblumenkern-"Bad" hinein, dann kippt die nächste Person dieses Brot in die Brotbackform. Dann kommt das Brot in einen Gärraum, nach ca. 60 Minuten kommt ein Bäcker und holt das Brot ab zum Einschieben in den Backofen.

UserInnenfrage per Mail: Wenn Sie sehen, wie die Leute vor einem Konkurrenten wie Joseph-Brot, der Brot so teuer wie ein Luxusgut verkauft, Schlange stehen, packt Sie da der Neid?

Gerhard und Gabriele Ströck : Nein, überhaupt nicht. Es ist toll, wenn man für Brot so hohe Preise erzielen kann.

kapitel3: Werden in Ihrem Betrieb Roboter eingesetzt, bzw. planen Sie in Zukunft Roboter einzusetzen?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir haben im Bereich Tiefkühlhaus beim Stapeln von schweren Kartons aus humanen Gründen vor einem Jahr einen Stapelroboter gekauft.

socalmaxster: Wie hoch ist ihr Anteil an Österreichischen Rohstoffen im Vergleich zum Mitbewerb? Beziehen Sie auch fertige Produkte aus dem Ausland wie zB Starbucks (Kuchen)? und wenn ja, welche?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir können nur für unseren Betrieb sprechen. Wir setzen sowohl im Bio- sowie im konventionellen Bereich alle Rohstoffe ein, welche es in Österreich in ausreichender und bester Qualität gibt. Die Mehle werden zu 100 % alle in Österreich eingekauft. Wir beziehen keine fertigen Produkte aus dem Ausland. Alles, was Ströck verkauft, ist hausgemacht.

hans hansson: In der Schweiz kostet Brot absolut nur unwesentlich mehr. Wie erklären Sie sich diesen Unterschied, an den Gehältern kanns ja nicht liegen.

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir haben zum Schweizer Brotmarkt keine Informationen.

Edmund Fuchs: Wollen Sie nicht, dass Ihre Mitarbeiter auch über genügend Kaufkraft verfügen? Weil, wenn alle Arbeitgeber so wenig bezahlen würden wie Sie, wer würde dann noch Geld für gutes Brot ausgeben können?

Gerhard und Gabriele Ströck : Ihre Anschuldigungen sind so nicht richtig. Wir bezahlen zumindest den mit der Gewerkschaft im Oktober 2012 verhandelten Gehalt. Wir würden uns wünschen, wenn wir das Doppelte zahlen könnten, denn dann könnten wir auch das Doppelte fürs Brot verlangen.

Rod Zumtobel: Zahlen Sie auch eine Dienstalterszulage für langjährige Mitarbeiter im Betrieb aus, so wie es der Großbäcker Kollektivvertrag vorsieht?

Gerhard und Gabriele Ströck : Freiwillig, ohne Vorschrift - für uns selbstverständlich.

Le Spectateur: Dürfen ihre Mitarbeiter übriggebliebene Backwaren mit nach Hause nehmen?

Gerhard und Gabriele Ströck : Täglich 5 Semmeln oder ein halbes Kilo Brot (Deputat) - in der Backstube. Im Verkauf gibt es einen prozentuellen Abschlag beim Einkauf.

High Standard: Wieso schmeckt ein französisches Baguette in Frankreich immer anders (und besser) als hier. Ist es wirklich so schwierig ein Baguette zu backen? (ehrlich gemeinte Frage)

Gerhard und Gabriele Ströck : Auch wir meinen es ehrlich. Für uns bleibt es immer auch ein Rätsel. Wir haben schon sehr oft versucht, es herauszufinden, sind nun der Meinung, dass unsere Baguettes zu 90 % diese Qualität bereits erreicht haben.

Rod Zumtobel: Für ausgezeichnetes Brot wird Natursauerteig verwendet. Setzen Sie diesen Sauerteig am Vortrag an?

Gerhard und Gabriele Ströck : Unsere Brote sind alle mit Vor- und Sauerteigen gebacken. Die Reifezeit ist je nach Produkt zwischen 20 und 36 Stunden.

Pia Maria: wie kann es zu Qualitätsunterschieden der Produkte innerhalb der Filialen kommen? Hat das mit der Leitung der einzelnen Filialen zu tun_

Gerhard und Gabriele Ströck : Durch das Aufbacken der Teiglinge vor Ort kommt sehr oft der menschliche Faktor dazu, und leider kommt es dann zu unterschiedlichen Produkten.

THP: Stimmt es, dass dieser "herrliche" Duft nach frischem Gebäck, den jede Filiale von Ströck, Mann, Anker etc. verströmt, künstlich herbeigeführt bzw verstärkt wird?

Gerhard und Gabriele Ströck : Bei Ströck sicher nicht.

Kernseife: Wieso gibt es die neuen patisserie-kreationen ihres star-zuckerbäckers pierre reboul nur in ihren transdanubischen filialen? wann darf man auch in innenstadt-nähe damit rechnen?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir freuen uns speziell über diese Frage. Hier wird höchste Handwerkskunst eben in unserem Haus installiert. Es ist ein extrem aufwendiger Prozess, diese hochwertigen, einzigartigen Patisserie-Kreationen herzustellen. Es werden eben unsere Facharbeiter in diesem Bereich Schritt für Schritt eingeschult. Es gibt sie aber auch mittlerweile in der Rotenturmstraße und der Filiale am Stadtpark und im 19. Bezirk in der Obkirchergasse.

Brgismo: Die Qualität ihrer Produkte ist zu 100% unumstritten, ich frage mich ob in ihrem Betrieb auch tatsächlich die Arbeitszeiten laut Arbeitszeitgesetz eingehalten werden, denn wenn man bei ihren Betrieben an einem Sonntag vorbeifährt, sieht man dass ans

Gerhard und Gabriele Ströck : Unser Betrieb hält sich streng an die Arbeitszeitgesetze, dies wird zu 100 % auf einem installierten Software-System dokumentiert. Es ist so wie in einem Krankenhaus (beliefern wir übrigens mit Bio-Backwaren in Wien), dass 7 Tage die Menschen versorgt werden.

auriumius: Wie lange werden nicht verwendete, noch tiefgefrorene Produkte in den Filialen gelagert?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wenn es um Teiglinge geht, 14 Tage maximal.

Rod Zumtobel: Kann es auch sein, dass Sie eine Immobilienfirma besitzen?

Gerhard und Gabriele Ströck : Eine Immobilienfirma besitzen meine Söhne im privaten Bereich.

theoria: Wir im Winter mehr oder weniger Brot verkauft? Ist da Industrie davon merklich betroffen?

Gerhard und Gabriele Ströck : Brot wird über das Jahr verteilt gleichmäßig verkauft, Tendenz sinkend.

Rod Zumtobel: Man hört immer wieder, dass Sie die Parteien mit kostenlosen Produkten sponsern. Wie wichtig ist der Zugang für Sie zu den Parteien?

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir sponsern nicht speziell Parteien, sondern bevorzugt karitative NGOs, Sportvereine, Schulen und Pensionistenvereine.

UserInnenfrage per Mail: Haben Sie ein gaaaaaaaaanz einfaches Rezept, wie ich mein Brot leicht selbst backen kann?

Gerhard und Gabriele Ströck : Ja, habe ich. Ist zwar ein Dinkelbrot (da braucht man nicht unmittelbar einen Sauerteig dafür - würde zu lange dauern). 500 g Dinkelvollkornmehl, 100 g Sauermilch, 350 g lauwarmes Wasser, 20 g Hefe, 12 g Salz. Evtl. bei Wunsch eines Gewürzes in kleiner Dosis zusetzen. Diese Zutaten in der Küchenmaschine mit Knethaken langsam rund 8-10 Minuten kneten. Wenn der Teig glatt ist, ein feuchtes Tuch über diesen Teig legen - 45 Minuten rasten lassen, dann zu 2 gleichmäßigen Stücken formen. Auf ein Backblech legen, nochmals 30 Minuten garen lassen, bei Wunsch mit Sesam, Leinsamen, Sonnenblumen... bestreuen. Bei vorgeheiztem Backrohr bei 240 Grad einschieben. 1/16l Wasser in den Backraum schütten und Türe zu und bei fallender Temperatur 180 Grad 50 Minuten backen. Ein kleiner Tipp noch: Unser letztes Buch hieß "Alles Brot".

farbenblinder: Wie ist ihr tipp zum Ausgang des Riesentorlaufs? Ist Ted heute zu schlagen?

Gerhard und Gabriele Ströck : Na sicher!

ModeratorIn: Wir bedanken uns bei Frau und Herrn Ströck und unseren Usern und Userinn für die lebhafte Diskussion und wünschen noch einen schönen Tag.

Gerhard und Gabriele Ströck : Wir danken für das große Interesse und werden weiterhin versuchen, bestes Brot zu backen.

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