Atlasprofilax-Methode: Wellnessanwendung bei Schieflage

  • Atlas trägt das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern.
    foto: reuters/gerry picus/courtesy griffith observatory

    Atlas trägt das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern.

Einmaliges Zurechtrücken des obersten Halswirbels soll von körperlichen und seelischen Leiden befreien - Erfahrungen mit der "Altasprofilax"-Methode

Er ist benannt nach dem mythologischen Riesen, der den Himmel auf seinen Schultern stützt und hat als Träger des Kopfes eine wichtige Funktion im menschlichen Bewegungsapparat: der Atlas. "Bei 70 Prozent der Menschen ist der oberste Halswirbel fehlrotiert, meist schon von Geburt an", sagt der Wiener Masseur und Wirbelsäulentherapeut Gerhard Mayrhofer, einer von weltweit 300 so genannten "Atlasprofis". Aber auch durch einen Sturz kann der Wirbel verrutschen. So oder so, ein schiefer Atlas führe zu zahlreichen körperlichen wie seelischen Beschwerden.

Mit der 1993 vom Schweizer René-Claudius Schümperli entwickelten "Atlasprofilax-Methode" - laut Homepage eine nicht medizinische "Wellnessanwendung" - kann diese Wirbel-Fehlstellung mit einer einmaligen speziellen Massage angeblich dauerhaft korrigiert werden. Durch Lockerung der kurzen Nackenmuskulatur soll sich dabei der erste Halswirbel von selbst richtig positionieren und neben der Linderung von Rückenleiden auch den Selbstheilungsprozess von inneren Organen aktivieren. Beschwerden mit Muskeln, Augen, Ohren sowie Kieferschmerzen und Gleichgewichtsprobleme verschwinden im besten Fall nach der Anwendung.

Atlas in Schieflage

Außerdem, so wird es propagiert, beeinflusst ein gerader Wirbel das psychische Wohlbefinden. "Vor allem Burnout-gefährdete Personen profitieren von der Wirbelkorrektur", sagt Mayrhofer. Auch wenn (noch) keine Beschwerden vorliegen, Erkrankungen könne man mit dem Geraderichten des Atlas auch vorbeugen. Denn der schief ausgerichtete Atlas führe früher oder später zu Durchblutungsstörungen und zu einem reduzierten Informationsfluss zwischen Kopf und Körper.

Ronald Dorotka, Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, glaubt nicht an die hohe Zahl an angeborenen Fehlstellungen der Halswirbelsäule. "Dazu sind mir keine Studien bekannt, allerdings gibt es viele Fehlfunktionen, die aber durch schlechte Haltung erworben sind". Eine medizinische Diagnose des Atlas in Schieflage ist schwer feststellbar. "Die Fehlstellung des Wirbels von oft nur einem Millimeter-Bruchteil ist in Verfahren wie der Magnetresonanztomographie gar nicht erkennbar". Dass ein erfahrener und gut ausgebildeter Therapeut mit seinen Händen den verdrehten Wirbel ertasten kann, hält Dorotka aber für sehr wahrscheinlich.

Zahlen bei Korrektur

Ein Praxistest beim Altasprofi - so dürfen sich nur von Schümperli ausgebildete Massagetherapeuten nennen - brachte dem durch Schreibtischarbeit geplagten Rücken von Finanzberaterin Melanie tatsächlich Erleichterung. Ihre chronische Rippenknorpelentzündung besserte  sich über einen Zeitraum von drei Monaten. "Allerdings achte ich seither auch mehr auf meine Haltung und auf ausreichende Bewegung". Der selbst als Sportmasseur tätige Alexander  leidet schon seit Jahren unter Nacken- und Schulterverspannungen. Nach einem Besuch beim Atlas-Therapeuten war er enttäuscht, denn sein oberster Halswirbel war in perfekter Lage. Dafür erhielt er  die Diagnose auch kostenlos. Zu zahlen bei allen Atlasprofis ist immer erst die Korrektur der Fehlstellung.

Auch meine verspannten Schultern unterzogen sich den fühlenden Händen eines Atlasprofis. Mit wenigen gezielten Handgriffen tastete der freundliche Therapeut meinen Nacken ab und fand einen schiefen Atlas vor. Mit dem Massagegerät, dem sogenannten Wellnessvib, in der Hand, warnte er mich noch vor dem dumpfen Schmerz, der durch das Lockern der verspannten Muskulatur entstehen kann. Tatsächlich fühlt sich mein Nacken wie mit einer geräuschlosen Bohrmaschine bearbeitet an. Nach einigen Minuten war der Spuk vorbei. 180 Euro (Preis inklusive einer Nachkontrolle) und gefühlte 10 Kilo Schulterbalast leichter, traten tatsächlich Erleichterung und Entspannung ein.  Einer Rückenmassage um 30 Euro hätte es aber aller Wahrscheinlichkeit nach auch getan. (Elisa Weingartner, derStandard.at, 15.2.2013)

Share if you care