Die fünf Eröffnungsfilme von Crossing Europe

7. März 2013, 06:23
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Zehnjähriges Jubiläum des Linzer Filmfestivals mit bekannten Namen sowie einem Tribute an Przemysław Wojcieszek

Von 23. bis 28. April präsentiert das Crossing-Europe-Filmfestival in Linz zum mittlerweile zehnten Mal eine Bandbreite eines europäischen Filmschaffens mit dem Schwerpunkt auf persönliche Handschriften und länderspezifische Milieus. Knappe Jubiläumsbilanz: Die überregionale Bedeutung und Beliebtheit bei internationalen Gästen liegt in der hohen Qualitätsdichte - und dem im Grunde beklagenswerten Umstand, dass selbst die Top-Filme des Festivals zumeist danach keinen regulären Kinoeinsatz erleben. Am Mittwoch wurden die fünf Eröffnungsfilme der Jubiläumsausgabe bekannt gegeben.

Ein Beispiel für die Vermittlungsarbeit von Crossing Europe ist der diesjährige Tribute-Gast Przemysław Wojcieszek. 2001 schon hatte der 1974 geborene  polnische Regisseur es mit seiner schwarzen Komödie "Glosniej od bomb" / "Louder Than Bombs" zu US-Vorführungen gebracht, hier blieb er wohl ein Unbekannter. Zur Eröffnung läuft als Österreich-Premiere sein Berlinale-2012-Forum-Beitrag "Sekret" / "Secret": Zeitgeschichte wird darin - rund um einen Performancekünstler - in einem ungewöhnlichen Tonfall aufbereitet.

 

Die Berlinerin Pia Marais hatte 2007 in Linz den Hauptpreis für "Die Unerzogenen" erhalten; 2010 gewann sie mit "Im Alter von Ellen", der in einer "Play It Again" genannten Programmschiene mit Publikumslieblingen der Festivalgeschichte erneut gezeigt wird. 2013 kehrt sie als Jurymitglied zurück - und mit ihrem bei der diesjährigen Berlinale uraufgeführten "Layla Fourie". In Südafrika hatte Pia Marais Kindheitsjahre verbracht, nun verpackt sie die Stimmung einer Post-Apartheid-Paranoia in einen Thriller-Plot um eine Alleinerzieherin.

Ebenso Linz-erfahren: Die Franko-Schweizerin Ursula Meier war 2009 Tribute-Gast. Ihr neuester Film "L'enfant d'en haut" / "Der Winterdieb" (2012) wurde in Berlin mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet und von der Schweiz Oscar-nominiert - eine alpine Geschichte über eine Buben, der in einem Wintersportort mit gestohlenen Ski-Accessoires handelt, zum Missvergnügen seiner älteren, in einer Fabrik arbeitenden Schwester. Ein markantes Gesicht im Trailer ergibt sich durch das Cameo von US-TV-Star Gillian Anderson:

 

Auch die populäre "Nachtsicht"-Schiene, aus der heraus sich das "Slash"-Filmfestival entwickelte, beteiligt sich am Eröffnungsabend, mit einem 26-Episoden-Film von ebensovielen Regieführenden, "The ABCs of Death", über jene Szenen, in denen ein Genre-Regisseur bekanntlich Eindruck machen oder aber komplett abstinken kann:

 

Schließlich kommt es in Linz zu einer Weltpremiere durch zwei Local Artists; Für "Innere Blutungen" haben Anatol Bogendorfer und Florian Sedmak Schmalfilme, Fotos und Zeitungs-Chronik-Berichte aus dem Salzkammergut der 1960er und 1970er versammelt - und daraus eine vielschichtige Annäherung an den einstigen lokalen Alltag montiert. Nostalgie? Kaum.

Das Gesamtprogramm des Crossing-Europe-Festivals 2013 wird am 11. April bekannt gegeben; vorab in Aussicht gestellt sind etwa griechische Wettbewerbsbeiträge sowie neue Werke von Matteo Garrone und Thomas Heise. Ein Vorbote ist der von der in Taiwan lebenden oberösterreichische Videokünstlerin und Filmemacherin Ella Raidel gestaltete Festival-Trailer mit einer kleinen Szene rund um ein Geschäft für Haushaltswaren:

 

(red, derStandard.at, 6.3.2013)

  • Großstadtfreiheiten und schwelende Vergangenheitsfragen: "Sekret" von Przemysław Wojcieszek, einem profilierten Vertreter einer jungen polnischen Filmemacher-Generation.
    foto: crossing europe

    Großstadtfreiheiten und schwelende Vergangenheitsfragen: "Sekret" von Przemysław Wojcieszek, einem profilierten Vertreter einer jungen polnischen Filmemacher-Generation.

  • Lief im Februar im offiziellen Wettbewerb der Berlinale und feiert im April in Linz seine Internationale Premiere: "Layla Fourie" von Pia Marais.
    foto: crossing europe

    Lief im Februar im offiziellen Wettbewerb der Berlinale und feiert im April in Linz seine Internationale Premiere: "Layla Fourie" von Pia Marais.

  • Damen-Pullis und Laissez-Faire auch bei Frisuren - alles sehr 1970er Jahre: Die unkonventionelle Doku "Innere Blutungen" von Anatol Bogendorfer und Florian Sedmak rollt mit assoziativen Montagen lokale Alltagsgeschichte auf. 
    foto: crossing europe

    Damen-Pullis und Laissez-Faire auch bei Frisuren - alles sehr 1970er Jahre: Die unkonventionelle Doku "Innere Blutungen" von Anatol Bogendorfer und Florian Sedmak rollt mit assoziativen Montagen lokale Alltagsgeschichte auf. 

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