Mysteriöse Agentenaffäre gibt weiter Rätsel auf

14. Februar 2013, 13:39
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Anwalt traf angeblichen Mossad-Agenten vor seinem Tod

Tel Aviv/Sydney - Es klingt wie Stoff aus einem Agententhriller: Der rätselhafte Tod eines angeblichen Mossad-Agenten in einem israelischen Hochsicherheitsgefängnis vor gut zwei Jahren sorgt in Israel für Aufregung. Der aus Australien stammende mutmaßliche Agent des israelischen Auslandsgeheimdiensts habe 2010 in Isolierhaft Selbstmord begangen, berichteten israelische Medien am Mittwoch nach Aufhebung einer strengen Nachrichtensperre.

Völlige Isolation

Laut einem Bericht des australischen Senders ABC handelt es sich bei dem Mann um Ben Zygier, der vor zwölf Jahren nach Israel ausgewandert sei. Er soll seinen Namen in Ben Alon geändert und für den Mossad gearbeitet haben. In Israel wird nun spekuliert, er könnte als Doppelagent tätig gewesen sein.

Der sogenannte "Gefangene X" wurde im Gefängnis Ayalon in völliger Isolation gehalten, selbst die Wachen kannten seine Identität nicht, berichtete ABC. Es sei nie Anklage gegen ihn erhoben worden. Ende 2010 wurde der damals 34-Jährige erhängt in seiner Zelle gefunden, die offizielle Todesursache lautete auf Ersticken. Nicht bekannt ist, was ihm damals vorgeworfen wurde.

Anwalt: Keinerlei Anzeichen für Suizidgefahr

Ein bekannter israelischer Rechtsanwalt hatte den angeblichen Mossad-Agenten einen Tag vor dessen Tod in dem Hochsicherheitsgefängnis getroffen. Avigdor Feldman sagte der israelischen Nachrichtenseite "Ynet" in der Nacht auf Donnerstag: "Als ich ihn gesehen habe, gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass er Selbstmord begehen könnte."

Zygier habe sich bei dem Treffen im Dezember 2010 rational verhalten und Möglichkeiten seiner Verteidigung erwogen, berichtete Feldman. Am Tag darauf habe man ihn darüber informiert, dass Zygier sich das Leben genommen habe.

Israel gab Existenz zu

Israel hatte am Mittwochabend erstmals offiziell die Existenz und den Tod des mysteriösen "Gefangenen X" bestätigt, nachdem ABC den Fall aufgedeckt hatte. Entgegen ersten Berichten wurde Zygier von mehreren israelischen Rechtsanwälten vertreten. Es ist weiter unklar, was genau dem mit einer Israelin verheirateten Australier vorgeworfen wurde.

Die britische Zeitung "Guardian" berichtete, der Mossad habe mithilfe von drei Australiern mit doppelter Staatsbürgerschaft eine Scheinfirma in Europa gegründet. Einer von ihnen sei Zygier gewesen, schrieb das Blatt unter Berufung auf den australischen Journalisten Jason Katsoukis, der in dem Fall recherchierte. Dieses Unternehmen habe elektronische Betriebsmittel unter anderem in den Iran verkauft. (APA, 14.2.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Grab Ben Zygiers in Melbourne.

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