Der Zeit ihre Schönheit: Trends vom Genfer Uhrensalon

Ansichtssache17. Februar 2013, 16:44
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Dünner, flacher, kleiner sind die Zeitmesser der kommenden Saison - Der Genfer Uhrensalon zeigt eine neue technische und ästhetische Bescheidenheit - Ausnahmen bestätigen die Regel

foto: a. lange & söhne

Große Erleuchtung

Die Große Lange 1 von A. Lange & Söhne bekommt 2013 den Namenszusatz "Lumen" verpasst: Ein halbtransparentes, dezentral aufgebautes Zifferblatt aus Saphirglas gibt den Blick frei auf den komplexen Scheibenmechanismus der nachtleuchtenden Großdatumsanzeige. Dadurch ist die von Hand perlierte Datumsplatine, die eigentlich nur der Uhrmacher bei der Montage sieht, für den Träger sichtbar. Auch Uhrzeit und Gangreserve strahlen nun dank Leuchtbeschichtung in dunklen Stunden. Auf der anderen Seite des Platingehäuses (Durchmesser 40,9 Millimeter) gibt der Saphirglasboden Einblick in das Manufakturkaliber L095.2. www.alange-soehne.com

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foto: montblanc

Wirbelwind bei 12

Die Uhrmacher von Montblanc haben das Tourbillon, französisch für Wirbelwind, das normalerweise in einen Käfig gesperrt ist, freigelassen, sodass es ohne Einengung schwingen und sich um die eigene Achse drehen kann. Konsequenterweise führt der Zeitmesser aus der Collection Villeret 1858 diese Eigenschaft auch in seinem Namen: ExoTourbillon Chronographe. Damit das Tourbillon auch ordentlich zur Geltung kommt, wurde es an prominenter Stelle bei 12 Uhr positioniert. Von der Uhr mit dem 47-Millimeter- Gehäuse (Kaliber 16.60) wird es je acht Stück in 18 Karat Weißgold und in 18 Karat Rotgold geben. www.montblanc.com

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foto: jaeger-lecoultre

Verflachen mit Stil

Die im Epizentrum der Uhrmacherkunst, im Schweizer Vallée de Joux, ansässige Uhrenmanufaktur Jaeger-LeCoultre feiert heuer ihren 180. Geburtstag. Eine Kollektion aus drei Uhren ist dem Gründervater Antoine LeCoultre gewidmet. Darunter die auf 880 Stück limitierte Master Ultra Thin Jubilee, die sich zugutehalten kann, mit 4,05 Millimetern Höhe die momentan flachste mechanische Uhr mit Handaufzug der Welt zu sein. Inspiriert wurde ihr minimalistisches Design von einer Taschenuhr aus dem Jahr 1907. Das Platingehäuse hat 39 Millimeter im Durchmesser, in dessen Inneren sich das mechanische Kaliber 849 verbirgt. www.jaeger-lecoultre.com

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foto: panerai

Wie damals, nur besser

In Stahl und Rotgold wird sie erhältlich sein, die Radiomir 1940 3 Days von Officine Panerai, mit mechanischem Handaufzugsuhrwerk und einer Gangreserve von drei Tagen. Dieses wurde in der hauseigenen Manufaktur in Neuchâtel entwickelt und gefertigt. Die Kissenform des Gehäuses (Durchmesser 47 Millimeter) ist klassisch und klar, das Zifferblatt mit kleiner Sekundenanzeige und Datumsfenster ist, wie seit den 1930ern, in Sandwichbauweise ausgeführt: Das fluoreszierende Material leuchtet zwischen zwei übereinanderliegenden Scheiben durch die ausgesparten Stundenmarkierungen in der oberen Scheibe. www.panerai.com

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foto: audemars piguet

Klingende Minuten

Mit drei Komplikationen wartet die Tradition Répétition Minute Tourbillon von Audemars Piguet auf, die in zwei verschiedenen, jeweils auf zehn Exemplare limitierten Serien aus Rosé- und Weißgold oder Titan und Weißgold (Foto) erhältlich ist. Neben den Sichtbaren - Tourbillon und Dreißigminutenzähler - gibt's eine versteckte Minutenrepetition, mit der man auf Knopfdruck hören kann, welche Stunde es einem gerade schlägt. Das Gehäuse aus Titan mit einem Durchmesser von 47 Millimetern soll dabei für ein besonders gutes Klangvolumen sorgen. Teile des Uhrwerks wurden zudem manuell veredelt. www.audemarspiguet.com

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foto: roger dubuis

Die Zeit rasen hören

Kein Ticken. Was man bei der Excalibur Quatuor von Roger Dubuis hört, klingt eher wie das Surren eines Motors. Dieses wird von den vier paarweise funktionierenden Unruhspiralen verursacht, die durch ihre spezielle Anordnung umgehend alle durch Positionsveränderungen hervorgerufenen Gangabweichungen ausgleichen. Letztendlich eine extreme Weiterentwicklung des Tourbillons, das 1795 von Abraham Louis Breguet erfunden wurde, um den Einfluss der Schwerkraft auf die Ganggenauigkeit von Taschenuhren auszugleichen. Ob das wirklich sinnvoll ist, ist eine andere Frage. www.rogerdubuis.com

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foto: richard mille

Fuß vom Gas

Der Ex-Formel-1-Teamchef und Exrennfahrer Jean Todt hat die Entwicklung dieser Hightech-Uhr von Richard Mille - bekannt für diverse Sportpromi- Kooperationen - angeregt. Die RM 036 Tourbillon G-Sensor Jean Todt Limited Edition mit Titangehäuse wartet neben einem Tourbillon und anderen Komplikationen mit einem Sensor, mit dem man die Fliehkraft messen kann, die auf den Träger der Uhr momentan einwirkt. Wenn der Zeiger also in den roten Bereich kommt, sollte man den Fuß vom Gas nehmen. Vermutlich hatte dies Jean Todt im Sinn, als er Richard Mille diese Funktion vorgeschlagen hat. www.richardmille.com

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foto: baume & mercier

Urbaner Neuzugang

Die 1950er standen Pate bei dieser Uhr aus der neuen Clifton-Kollektion von Baume & Mercier. Sie soll vor allem eine urbane männliche Kundschaft ansprechen und verfügt in dieser Version über ein Gehäuse aus poliertem und satiniertem Edelstahl mit einem Durchmesser von 43 Millimeter. Auf ihrem Zifferblatt kann man mehr als nur die Uhrzeit ablesen: das Datum, den Wochentag, den Monat und die Mondphasen, die alle in einer großen Öffnung bei 6 Uhr zu sehen sind. Der Saphirglasboden gibt den Blick auf ein mechanisches Kaliber mit Automatikaufzug (Dubois Dépraz 9000) frei. www.baume-et-mercier.com

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foto: cartier

Tanz die Hypnose

Man kann auf der Rotonde de Cartier "Geheimnisvolles Doppeltourbillon" aus der Manufaktur Cartier selbstverständlich auch die Zeit ablesen, aber es ist weitaus faszinierender, sich vom Tanz des Doppeltourbillons im neuen Uhrwerk 9454 MC hypnotisieren zu lassen. Tatsächlich scheint das fliegende Tourbillon, das innerhalb von sechzig Sekunden eine vollständige Drehung um sich selbst vollführt, vollkommen schwerelos und ohne jegliche sichtbare Verbindung zum Räderwerk in der Luft zu schweben. Zudem vollführt der Tourbillonkäfig selbst eine zweite Rotation, bei der jede Umdrehung wiederum fünf Minuten dauert. www.cartier.com

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foto: hersteller

Königsblaue Tiefenwirkung

Greubel Forsey, bekannt für ausgefeilte und komplexe Zeitmesser, präsentierte die auf 33 Stück limitierte Tourbillon 24 Secondes Contemporain. Das Kaliber wurde von Grund auf neu entwickelt, um durch ein kreisförmiges Fenster den Blick auf das Tourbillon zu ermöglichen. Königsblaues Platin und gleichfarbig integrierte Brücken erzeugen eine zusätzliche Tiefenwirkung. Dessen hohe Rotationsgeschwindigkeit - eine Umdrehung in 24 Sekunden - und sein Neigungswinkel von 25 Grad soll den negativen Auswirkungen der Erdanziehungskraft auf den Oszillator speziell in Ruhepositionen entgegenwirken. www.greubelforsey.com

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foto: piaget

Verdünnisieren

Was flache Uhren betrifft, macht der Manufaktur Piaget kaum ein anderer Hersteller etwas vor, bringen sie doch schon seit Jahrzehnten immer wieder dünnste Zeitmesser auf den Markt. Okay, Jaeger-LeCoultre hat jetzt die dünnste Automatikuhr im Rennen, aber diese muss ohne Datumsanzeige auskommen. Piaget hingegen zeigte auf der SIHH 2013 mit der puristischen Altiplano Date die weltweit flachste Uhr ihrer Kategorie mit dem weltweit flachsten Datumsautomatikwerk: das Kaliber 1205P ist nur drei Millimeter hoch, das Gehäuse (Durchmesser 29,9 Millimeter) selbst ganze 6,36 Millimeter. www.piaget.com (Markus Böhm, Rondo, DER STANDARD, 15.2.2013)

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