Mehr als Make-up für Metropolen

27. Februar 2013, 17:00
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Stadterneuerung hat die Verbesserung und Weiterentwicklung urbaner Teilgebiete zum Ziel. Speziell in Großstädten werden Gebäudesanierungs- und Grünraumprojekte zur Revitalisierung ganzer Stadtviertel umgesetzt

Im Rahmen städtebaulicher Sanierung findet Stadterneuerung vor allem in Altstädten und historischen Stadtkernen, Gründerzeitvierteln und Großwohnsiedlungen statt, um eine Aufwertung und Verbesserung des Lebensumfeldes in den betroffenen Gebieten zu ermöglichen. Thermisch-energetische Sanierungsmaßnahmen an bestehenden Gebäuden erhalten die bauliche Struktur und verbessern gleichzeitig deren Funktion sowie die generelle Nutzung des gesamten Erneuerungsgebietes. Speziell in europäischen Großstädten liegt hierbei ein Fokus auf dem verantwortungsvollen Umgang mit erhaltenswerter beziehungsweise historischer Bausubstanz.

Mehr Energieeffizienz für Altbauten

Für energetische Einsparungen ist gerade bei Altbauten eine entsprechende Wärmedämmung einer der zentralen Schlüssel. Die nachträgliche Dämmung dieser aufgrund ihres Alters häufig sensiblen Gebäude stellt Planer und Architekten jedoch vor große Herausforderungen. Aus diesem Grund fiel vor kurzem der Startschuss für ein neues Projekt im Fraunhofer-Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege Benediktbeuern (Bayern).

In den kommenden Jahren werden Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP verschiedene Innendämmungen auf ihre Anwendbarkeit im Altbau testen. "Damit gehen wir einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung bzw. Etablierung moderner Methoden in der energetischen Altbausanierung", so Projektleiter Ralf Kilian. Durch Gebäudesanierung, die Nutzung erneuerbarer Energiequellen und innovative Bautechnologien kann das Potenzial in der urbanen Nachverdichtung optimal ausgeschöpft und gleichzeitig der städtische Energieverbrauch gesenkt werden.

In Österreichs Bundeshauptstadt geht man den Weg der "sanften" Stadterneuerung: Über die Investitionen und Förderungen der Stadt im Rahmen der groß angelegten Wohnhaussanierung etwa werden nicht nur einzelne Gebäude durch die Steigerung der Energieeffizienz verbessert, sondern ganze "Grätzel" aufgewertet.

Mehr Grün für Großstädte

Wien zählt zu den dichtest bebauten Großstädten Europas, trotzdem ist rund die Hälfte der Stadtfläche begrünt und stellt ein bedeutendes Naherholungs- und Landwirtschaftsgebiet dar. Etwa ein Drittel der in Wien verbrauchten Gemüsemenge wird innerhalb der Stadtgrenzen angebaut, als einzige Großstadt der Welt verfügt Wien zudem über einen ökonomisch bedeutsamen Weinbau.

Landwirtschaft in der Stadt zu betreiben ist jedoch keine Wiener Erfindung oder gar neue Idee. In den Siebzigerjahren entstanden in New York die ersten "Community Gardens", kleine grüne Oasen zur Selbstversorgung. Und auf Kuba leisten Obst und Gemüse des städtischen Ackerlandes einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung. Weltweit entwickelten sich in den letzten Jahrzehnten neue Formen der städtischen Natur- und Gartenkultur, Urban Farming liegt im Trend.

Selbsterneuerung mit Urban Farming

Mit dem vorausblickenden Modell der städtischen Naturerfahrung will man in Detroit, einst das pulsierende Herz der US-Autoindustrie, die teilweise heruntergekommene und verwahrloste Innenstadt als nachhaltigen Grünraum gestalten und nutzen: Urban Farming soll der Stadt auf deren Weg zur Selbsterneuerung verhelfen. Brach liegende städtische Flächen werden seit 2004 zu Gemüsegärten und Grünanlagen umfunktioniert, allein das "Garden Resource Program" umfasst mittlerweile über 1.400 betreute Gärten.

Engagement für die "Wiederentdeckung des Erntens im urbanen Alltag" zeigen auch die Initiatoren des Münchener Projekts "Agropolis". Ein Team aus Architekten, Stadtplanern und Landschaftsarchitekten arbeitet daran, die regionale Produktion von Nahrungsmitteln als neue Dimension in der Stadtentwicklung des 21. Jahrhunderts zu verankern. Für das Stadterweiterungsgebiet Freiham im Westen Münchens hat die Gruppe ihr Konzept konkretisiert und damit 2009 den von der Stadt ausgelobten Ideenwettbewerb "Open Scale" gewonnen. Der neue Stadtteil, der künftig 20.000 Einwohnern eine Heimat bieten soll, wird mindestens 30 Jahre lang eine Baustelle sein - für eine konsequente Zwischennutzung der Bauflächen soll eine temporäre Farm sorgen. "Diese Zwischennutzung ist ein Baustein, um Landwirtschaft und Ernährung gezielt in die Entwicklung der Metropole München zu integrieren", so der Architekt und Stadtplaner Jörg Schröder. (Gudrun Just, derStandard.at, 27.2.2013)

  • Gärtnern in der City? Städtische Landwirtschaft im Farnsworth Community Garden in Detroit.
    foto: dave jordano

    Gärtnern in der City? Städtische Landwirtschaft im Farnsworth Community Garden in Detroit.

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