Gescheitertes Café Rosa hat bereits eine halbe Million Euro verschlungen

Rosa Winkler-Hermaden
14. Februar 2013, 13:39
  • Das Café Rosa ist seit Monaten geschlossen.
    foto: derstandard.at/stefanie rachbauer

    Das Café Rosa ist seit Monaten geschlossen.

  • Im Mai 2011 wurde das Lokal in der Währinger Straße in Wien-Alsergrund eröffnet. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.
    foto: standard/urban

    Im Mai 2011 wurde das Lokal in der Währinger Straße in Wien-Alsergrund eröffnet. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

  • Im März 2012 veröffentlichte die ÖH die bisherigen Ausgaben für das Café Rosa. Seither kommen monatlich weitere 4.000 Euro dazu.
    vergrößern 814x756
    foto: screenshot

    Im März 2012 veröffentlichte die ÖH die bisherigen Ausgaben für das Café Rosa. Seither kommen monatlich weitere 4.000 Euro dazu.

  • Blick ins verlassene Innere des Lokals.
    foto: derstandard.at/stefanie rachbauer

    Blick ins verlassene Innere des Lokals.

  • Café Rosa: Basisdemokratisch, feministisch, antisexistisch, progressiv, antidiskriminierend, antirassistisch, emanzipatorisch, ökologisch-nachhaltig, antifaschistisch, antinationalistisch, antiklerikal, antipatriarchal, antiheteronormativ, antikapitalistisch und solidarisch.
    foto: derstandard.at/stefanie rachbauer

    Café Rosa: Basisdemokratisch, feministisch, antisexistisch, progressiv, antidiskriminierend, antirassistisch, emanzipatorisch, ökologisch-nachhaltig, antifaschistisch, antinationalistisch, antiklerikal, antipatriarchal, antiheteronormativ, antikapitalistisch und solidarisch.

Seit fast einem Jahr steht das Lokal leer - Die Kosten liegen monatlich bei rund 4.000 Euro und werden aus ÖH-Geldern beglichen

Für das Café Rosa wurde noch immer kein Nachmieter gefunden. Im März 2012 wurde der Vollbetrieb des Studentenbeisls eingestellt, die letzte Veranstaltung fand laut Homepage im Juni statt. Seither steht das Lokal in der Währinger Straße im neunten Wiener Bezirk leer. Eröffnet worden war das Café im Mai 2011. Nicht einmal ein Jahr später war der Versuch der Hochschülerschaft der Universität Wien, ein antikapitalistisches Beisl für Studierende zu errichten, gescheitert. Über einen Verein hatten die Studierendenvertreter ein Café ohne Konsumzwang errichten wollen.

Übrig bleiben Kosten im sechsstelligen Bereich. 165.000 Euro musste die ÖH als Ablöse für das Lokal nahe dem Hauptgebäude der Uni Wien zahlen, dazu kamen 80.000 Euro für einen behindertengerechten Umbau. Weitere Gebühren und laufende Kosten etwa für Miete, Strom und Gas dazugerechnet sind bis März 2012 laut Angaben der ÖH Uni Wien mehr als 443.000 Euro in das Café Rosa geflossen (siehe Auflistung links).

4.000 Euro kommen monatlich dazu

Seit fast einem Jahr gelingt es der ÖH-Exekutive der Universität Wien - zusammengesetzt aus Vertretern von GRAS, VSStÖ und KSV-LiLi - nicht, einen Nachmieter zu finden. Die Betreiber können bis März 2016 nicht aus dem Vertrag aussteigen. Rund 4.000 Euro an laufenden Kosten werden trotz Leerstands laut ÖH weiterhin monatlich aus Studierendengeldern bezahlt. Rechnet man alle Kosten zusammen, hat das Café Rosa also bereits annähernd 500.000 Euro verschlungen.

Makler wird eingeschaltet

"Wir sind auf der Suche nach PächterInnen, die in den laufenden Mietvertrag einsteigen können", sagt Kübra Atasoy (VSStÖ) vom Vorsitzteam der ÖH Uni Wien. "Unser Ziel ist es, in Sachen Café Rosa aufzuräumen und eine gute Lösung zu finden." Man wolle "nichts überstürzen", sagt Atasoy: "Wir möchten die Fehler unserer Vorgänger nicht wiederholen und wieder die nächste Koalition belasten. Für eine gute Lösung müssen wir in Kauf nehmen, dass das Lokal leer steht, bevor wieder ein unausgereifter Plan realisiert wird."

Die Exekutive der ÖH Uni Wien will nun einen Makler beauftragen. "Bei uns melden sich laufend Interessenten, deren Konzepte und Bonität wir sorgfältig überprüfen. Wir schalten im Februar dennoch Inserate."

"Nicht an Idee gescheitert"

Nach wie vor glauben die ÖH-Vertreter an die Idee eines antikapitalistischen Lokals. "Das Projekt ist am wirtschaftlichen Konzept gescheitert, nicht jedoch an der Idee. Der Anlauf an Studierenden war immer groß, und wir erhalten heute noch positives Feedback", sagt Atasoy.

AG: Gelder nur für studienbezogene Themen

Die Aktionsgemeinschaft (AG) sieht die rot-grüne Exekutive in ihrem Anspruch gescheitert, ein Lokal ohne Konsumationszwang zu ermöglichen. Thomas Fussenegger, der für die AG im Finanzausschuss der ÖH der Universität Wien sitzt, sagt zu derStandard.at: "Der Kampf gegen den Kapitalismus darf nicht mit ÖH-Geldern geführt werden." Die AG werde dafür sorgen, dass Studierendengelder nur noch für studienbezogene Themen verwendet werden.

Auch die Kontrollgremien will die ÖVP-nahe AG stärken, damit es zu keiner Zweckentfremdung der ÖH-Gelder mehr kommt. Im Fall des Cafés hatte die Kontrollkommission des Wissenschaftsministeriums von Anfang an Bedenken geäußert, dennoch wurde das Projekt umgesetzt.

Kontrollgremium: Rechtswidrig

Erst im April 2012, fast ein Jahr nach der Eröffnung, stellte das Ministerium per Bescheid fest, dass das Betreiben des Café Rosa rechtswidrig erfolgte. Der Bescheid wurde nicht vor dem Verwaltungsgerichtshof angefochten, er ist somit rechtskräftig und wurde auch der Staatsanwaltschaft Wien übermittelt. 

Kritisiert wird im Bescheid von der Kontrollkommission, dass für die Eröffnung des Lokals keine Genehmigung des Wissenschaftsministers eingeholt wurde. Das Betreiben von Wirtschaftsbetrieben ohne Genehmigung durch den Minister sei rechtswidrig, die von der Hochschülerschaft gewählte Konstruktion über einen Verein ein "unzulässiges Umgehungsgeschäft".

Zum Zeitpunkt der Vereinsgründung war Janine Wulz (GRAS) im Wirtschaftsreferat der ÖH Uni Wien tätig. Sie ist heute Teil des Vorsitzteams der ÖH-Bundesvertretung und hat trotz zahlreicher Aufforderungen bisher einen Rücktritt ausgeschlossen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigt gegenüber derStandard.at, dass es ein Ermittlungsverfahren gegen Wulz und eine weitere beschuldigte Person gibt. Derzeit werden Erhebungen durchgeführt, es liege noch kein Ergebnis vor. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 14.2.2013)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 1278

Im Streitgespräch mit Alexander Schierhuber hat Julia Freidl das Projekt Cafe Rosa als Fehler bezeichnet:
Alexander Schierhuber: Ihr habt ein Projekt gemacht, das in die Hose gegangen ist. Das ist der größte Skandal in der Geschichte der österreichischen Hochschülerschaft.(...)
Julia Freidl: Es ist uns klar, dass wir einen Fehler gemacht haben. Jetzt geht es aber um die ÖH-Bundesvertretung. Ich schenke den Verantwortlichen auf der ÖH Uni Wien mein Vertrauen, dass sie alles tun um Schadensbegrenzung zu machen.

(Quelle: http://mokant.at/politik/1... eil1.html)

warum haben die wu studenten den betrieb des cafes nicht übernommen?

die sollten wissen wie man ein unternehmen führt.als wu absolvent denkt man zumindest daran mal oder? die hätten vielleicht kein profit orientiertes cafe sondern wenigstens ein kostendeckendes betreiben können.

Vll weil man sich, bevor man etwas "übernimmt", anschaut wie die ganzen Faktoren (GuV, Bilanzen, usw usw) um die Sache stehen.

Sein Sie mir nicht böse, aber bei soner Aktion wie dem Cafe Rosa hätte ich, wenn man mich gefragt hätte, einen riesigen Bogen herum gemacht.

typisch linke

großes weltverbesserungsblabla, und letzten endes erleichtern sie uns so um eine halbe million. "aber das konzept ist gut" - ja klar, es funktioniert bei den wählern immer wieder.

Soll die ÖH nicht das Interesse der Studenten vertreten?

Entweder hab ich oder GRAS da was ganz falsch verstanden: Ich hab keine Interesse an einem Lokal (schon gar nicht an einem leerstehenden). Und auch nicht an gratis Zugtickets für Demostranten.

Makler wird eingeschaltet.....Inserate schalten.....Wozu? Vorläufig haben die ohnehin keinerlei Interesse daran das Lokal zu vermieten. Nicht mal an Studenten die das Lokal für einen Tag mieten wollen.

Aber sollte nicht gerade ÖH für alle Studenten da sein?

naj a

http://www.facebook.com/SPOE.ESreicht war was anderes zu erwarten ?

Der Satz:
" "Das Projekt ist am wirtschaftlichen Konzept gescheitert, nicht jedoch an der Idee."
klingt wie eine Bewerbung bei einer sozialistischen Partei.

peinliche Sache!

Rücktritt der ÖH Führung ist das Mindeste!

Wann ist der letzte Österreichische Politiker, egal in welcher noch so nachrangigen politischen Institution, zurückgetreten, um die politische Verantwortung für sein peinliches Versagen zu übernehmen?

Fällt Ihnen da auch nur ein einziger ein, der das in der Geschichte der zweiten Republik getan hätte?

naja,

da könnten die studentenvertreter ja mit elan vormachen, wie's geht, sich anständig zu verhalten.

Uwe Scheuch?

Nach wie vor glauben die ÖH-Vertreter an die Idee eines antikapitalistischen Lokals. "Das Projekt ist am wirtschaftlichen Konzept gescheitert, nicht jedoch an der Idee.

Ich finde, das ist eine gesunde Lebenserfahrung ... die Ausrede ist leider blöd ... das Projekt ist natürlich auch an der Idee gescheitert, weil Sie es nicht geschafft haben daraus genug Geld zu machen um es weiterführen zu können .. Das ist Wirtschaft!

Blöde Frage....

Wenn das Lokal jetzt nun mal schon da ist und man es im Moment nicht los wird und man ohnehin 4.000 EUR im Monat dafür bezahlen muss, kann man es dann nicht wenigstens vorübergehend irgendwie sinnvoll nutzen?
Als Lernraum? Für Veranstaltungen?

Ach ja vor langer Zeit an einer anderen Uni war das so: die Studienrichtungsvertreter haben irgendwo vom Institut ein kleines Kammerl zu Verfügung gestellt bekommen, eine alte Couch und eine alte Kaffeemaschine reingestellt, ihre Beratungsstunden dort gemacht, man konnte Skripten tauschen und Kontakte knüpfen. Alle waren so zufrieden - reicht heute wohl nicht mehr.

Ja, die Sache ist einfach urpeinlich, so ein scheiß Konzept, bzw. kein vor allem wirtschaftliches Konzept. Peinlich, peinlich!

wieso

laufen die betreiberInnen noch frei herum?

wäre khg der betreiber, liefen da schon vorerhebungen...

"man will nichts überstürzen"

1 Jahr 4000 € im Monat hinausgeschmissen.
Antikapitalistisch halt.
Und wo bleiben die antiheteronormativen Inhalte?

"Das Projekt ist am wirtschaftlichen Konzept gescheitert, nicht jedoch an der Idee."

Mit anderen Worten: Operation gelungen - Patient tot.

Das habe ich bisher immer für einen Witz gehalten. Aber diese Anti-Koalition ist offenbar auch ein Witz. Ein sehr teurer leider. :-(

Früh übt sich wer ein Politiker werden möchte.

Was hat bitte das Fehlen des Konsumzwanges mit einem "Kampf gegen den Kapitalismus" zu tun? Kann mir das bitte wer erklären? Ich als Marxist kann da keinen Zusammenhang erkennen.

Mir wäre die Vergemeinschaftung der Produktionsmittel auch lieber, aber der Kampf gegen Konsumzwang und für emanzipatorische Freiräume richtet sich ja gegen die kapitalistische Verwertungslogik an sich.

Als Marxist muss man auch die Produktionsverhältnisse betrachten: Die öster. "Arbeiterklasse" - Stichwort: Sozialpartnerschaft/rassistische Primitive/Angestellte.. - ist schon lange kein revolutionäres Subjekt mehr. Es liegt am Prekariat der Dritten Welt, Studis, Illegalisierten, Intelligentsia usw. usf. die soziale Revolution zu erkämpfen.

Und da stehen Sexismus/Rassismus/Faschismus/Imperialismus/Homophobie - für die alte "Linke" nur ein Nebenwiderspruch - der Kampf gegen Repressionsstrukturen Familie/Nation naturgemäß im Vordergrund...

Des war jetzt ein Scherz, oder?

Na, dann sollen Sie mal aufpassen, dass sie ihren pubertären Konflikt mit den Eltern nicht für die Revolution halten.
Jedenfalls ist das Bestreben, ein Beisl ohne Konsumzwang und vielen -ismen zu gestalten, nichts Antikapitalistisches, sondern das völlig übliche Bestreben einer Vereinigung, seine Mitglieder mit spezifischen Lleistungen bei Laune zu halten. Ähnlich einem Cafe im Golfklub, oder der Cafeteria im Parlament: da möcht ich auch nicht nachrechnen.

Hoffentlich waren unter den ahnungslosen Beisl-Betreibern keine Wirtschaftsstudenten ;-)

Nur die Wirtschaftsreferentin der ÖH ;)

Posting 1 bis 25 von 1278

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.