Mieten oder kaufen? Entscheidend sind die Lebensumstände

27. Februar 2013, 17:00
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Eine eindeutige Antwort fällt schwer, denn es ist nicht nur eine ökonomische Frage, sondern eine der persönlichen Lebensumstände jedes Einzelnen

Oskar hat vor, demnächst seinen Job zu wechseln, ist Single und lebt für den Moment. Wer weiß, was die Zukunft für ihn bereithält. Stella hingegen weiß genau, was sie will. Sie ist seit einem halben Jahr verheiratet, plant mindestens zwei Kinder zu bekommen und kann sich nicht vorstellen, ihrer Lieblingsstadt Graz je den Rücken zu kehren. Oskar mietet, Stella kauft - so logisch, so nachvollziehbar. Und doch ist es bei weitem nicht einfach, bei der Wahl der eigenen vier Wände die "richtige" Entscheidung zu treffen.

Mieten liegt im Trend

Österreichweit geht der Trend derzeit eher in Richtung Miete. Einerseits sind die Kaufpreise für Wohnungen und Häuser deutlich stärker gestiegen als die Mieten, und andererseits ist es auch die gesamtgesellschaftliche Entwicklung, die das Ihre dazu beiträgt: Die Scheidungsrate ist hoch, es gibt immer mehr Singles und das Berufsleben ist mehr und mehr von Flexibilität geprägt, was im Vergleich zu früher weniger gefühlte Sicherheit bietet.

Oskar bewahrt sich durch die Wohnungsmiete seine Flexibilität, kann den Vertrag lösen, wie es ihm passt und fährt im Vergleich zu einer Eigentumswohnung - zumindest in den ersten Jahren - günstiger als bei einem Wohnungskauf. Entscheidend sind dennoch allemal die persönlichen Lebensumstände. Sind diese noch im Fluss, in Bezug auf Job oder Partnerschaft, dann ist eine Mietwohnung absolut vernünftig.

Mieten ist auch dann die bessere Entscheidung, wenn die finanziellen Verhältnisse schwanken und/oder nicht überschaubar geregelt sind. Einen guten Überblick bieten sogenannte Mietberechner, die ausrechnen, wie viel man in Summe an den Vermieter bezahlt. Bei einer Miete von 800,- Euro und einer angenommenen Mietsteigerung von 2,5 Prozent pro Jahr sind das nach zehn Jahren 107.552, nach 20 Jahren immerhin 245.228 und nach 30 Jahren Miete 421.466 Euro. Damit lässt sich ein erster Vergleich mit einer Kreditrate anstellen.

Nicht vergessen darf man auf die Nebenkosten für Makler, Vertragserrichtung und Kaution beim Mieten und Grunderwerbsteuer, Maklerprovision, Anwaltskosten etc. beim Kauf. Als Faustregel gilt: Die Nebenkosten beim Erwerb eines Eigentums - rund 12 bis 13 Prozent des Kaufpreises - entsprechen ungefähr dem Betrag, der rund zwei Jahre lang für die Miete des Objektes zu bezahlen ist.

Eigentum ist langfristig günstiger

Für Stella hingegen ist der Kauf einer Wohnung am Grazer Stadtrand die einzig denkbare Variante und auch die ökonomisch günstigste. Zu bedenken gilt hier, dass Banken bei der Finanzierung einer Eigentumswohnung erwarten, dass die Käufer wenigstens 20, besser aber 30 Prozent der Kaufsumme an Eigenmitteln einbringen.

Ein zur Finanzierung der Immobilie aufgenommenes Darlehen schlägt sich zwar anfangs etwas stärker zu Buche als eine Mietwohnung. Ist das Darlehen aber einmal zurückgezahlt, dann dreht sich das Verhältnis deutlich um. Derzeit lassen sich 100.000 Euro mit 400 Euro monatlich finanzieren, je mehr Eigenkapital, desto besser die Bankkonditionen. Je länger die Eigentumswohnung bewohnt wird, desto größer ist der finanzielle Vorteil des Kaufs gegenüber der Miete. Laut dem Institut für Immobilienwirtschaft erspart sich ein Eigentümer einer durchschnittlichen Wiener Eigentumswohnung nach 50 Jahren über 100.000 Euro im Vergleich zu einem Mieter.

Ein anderes Rechenbeispiel zeigt: Wer jeden Monat 1.000 Euro an seinen Vermieter bezahlt, könnte für das gleiche Geld einen Kredit von 200.000 Euro abbezahlen, oft ist auch noch mehr drinnen. Wer es genau wissen will, muss genau rechnen und Angebote vergleichen, die Unterschiede sind erheblich. Österreichische Bankinstitute und Bausparkassen bieten via Internet zahlreiche Anhaltspunkte, Modellrechnungen und Vergleichsrechner (etwa die Raiffeisenbank, die Volksbank und die Erste Bank) - was einem aber dennoch nicht den Weg zum Bankberater seines Vertrauens erspart. (Sandra Holzinger, derStandard.at, 27.2.2013)


Vergleich Mieten/Kaufen – Die Fakten

Mieten: unkompliziert, flexibel, kurz- und mittelfristig billiger, kaum Pflichten; aber: kein bleibender Wert, langfristig teurer als ein Kauf, langfristig hohe Fixkosten

Kaufen: Wertanlage, bleibender Wert auch für Kinder und Enkelkinder, gute Pensionsvorsorge, niedrige Fixkosten im Alter; aber: Eigenmittel notwendig, abhängig von Kreditgeber, fixes planbares Einkommen notwendig, Eigentümerpflichten

  • Mieten oder kaufen? Es ist nicht einfach, eine "richtige" Entscheidung zu treffen.
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