Ich habe gedopt!

Blog14. Februar 2013, 12:03
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Ich habe die Prüfung bestanden und bin enttäuscht und erleichtert

Ja, ich habe gedopt. Mit Traubenzucker und Nasentropfen. Ich gebe es zu. Ich habe bei der schriftlichen Prüfung zu diesen drastischen Maßnahmen gegriffen, weil ich gesundheitlich noch etwas angeschlagen war. Und beim Lernen erst! Da habe ich erstmals zu einem taurinhaltigen Erfrischungsgetränk gegriffen. Würde ich selber niemals kaufen, ist aber schon die längste Zeit im Kühlschrank herum gegammelt. War aus meiner Schultüte.

Ja, völlig richtig gelesen: S C H U L T Ü T E. Hab ich von meinen Freundinnen zum Wiederstudieneinstieg geschenkt bekommen. Mit vielen spannenden Sachen darin, die Frau als Studentin so braucht. Das gute, alte Studentenfutter war auch dabei. Ist aber in Zeiten, in denen es längst zum guten Ton gehört, mindestens eine Nussallergie zu haben, wenn man schon keine Laktoseintoleranz vorweisen kann, ein bisschen gefährlich im Handling. Hab das kürzlich jemand angeboten und nichts als ein Nasenrümpfen geerntet. Die Jugend jedenfalls nimmt an der Uni vor allem Energy Drinks zu sich.

Habe ich also auch versucht. Schmeckt scheußlich. Irgendwie war ich danach recht aufgewühlt, das mag aber auch die Aufregung gewesen sein, ob ich mit meinem Pensum durchkomme. Ich bin übrigens durchgekommen, auch bei der Prüfung. Man wird ja jetzt sogar schriftlich per E-Mail darüber informiert, sehr praktisch: "Eine neue Note wurde eingetragen." Passwort eingeben und sie ist schon nur mehr einen Klick entfernt. Ich bin sehr aufgeregt. Dann enttäuscht und gleichzeitig erleichtert.

Ich habe die Prüfung bestanden, aber mit der schlechtesten Note, die ich je bekommen habe. War ja immer ein Streber, schon in der Schule Vorzugsschülerin. Und dann das. Am meisten erschreckt mich, dass ich mich in meiner Einschätzung getäuscht habe. Die Prüfung erschien mir umfangreich, aber fair. Nichts völlig Unerwartetes war abgefragt worden. Ich habe mein Abschneiden besser eingeschätzt. Denkste! (hier sei jetzt Platz für Häme eingeräumt, für all jene, denen das Vergnügen bereitet: auf die Plätze, fertig, jetzt!)

Die Informatik ist schließlich auch nur eine Sprache, dachte ich vor der Prüfung. Immerhin die siebente, die ich lerne, das wird schon klappen. Wahrscheinlich war ich doch aufgeregter, als ich dachte und habe einiges durcheinandergebracht. Hauptsache durch! Ich möchte eine Fehlerevaluierung vornehmen, weiß aber nicht, ob und wie man in die Unterlagen Einsicht nehmen darf. Ich werde das herausfinden. Vielleicht könnte ich daraus lernen, wie ich besser lernen könnte. Vielleicht habe ich aber auch gar keine Lust, weiter in meinen Wunden zu wühlen und mir das schlechte Ergebnis noch einmal vor Augen zu führen. Mal sehen.

Aber vorerst liegt ja erst das Resultat einer Lehrveranstaltung vor und ich habe schließlich einige gemacht, versuche ich mich zu trösten. Ganz schön schwierig ist das als Erwachsene: ständig muss man sich selber trösten, motivieren, schelten. Das war bei meinem ersten Studium anders. Da waren noch mehr Druck und Erwartungshaltung da vom Elternhaus, aber auch sehr viel Verständnis und Unterstützung, auch finanzielle. Jetzt bin ich selber Mutter und fühle mich sehr privilegiert, mich noch einmal an der Uni versuchen zu dürfen. Ich weiß, wie viel Glück ich habe, und ich genieße es. Sogar den Vierer. (Tanja Paar, derStandard.at, 14.2.2013)

Tanja Paar, geb. 1970, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Graz, Wien und Lausanne. Nach journalistischen Aufenthalten bei "Falter", "Trend" und "Profil" ist sie seit zehn Jahren Redakteurin des STANDARD. Nun macht sie ein Jahr lang Bildungskarenz und kehrt an die Uni zurück. Sie studiert Informatik an der Universität Wien.

  • Eine Schultüte? Zu Semester-Beginn wurde ich von meinen Freundinnen beschenkt.

    Eine Schultüte? Zu Semester-Beginn wurde ich von meinen Freundinnen beschenkt.

  • Tanja Paar ist nach 20 Jahren an die Uni zurückgekehrt.
    foto: privat

    Tanja Paar ist nach 20 Jahren an die Uni zurückgekehrt.

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