Schwechater Multiversum wird zu Problemprojekt

13. Februar 2013, 19:33
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Nach Berichten über explodierende Kosten des Multiversums Schwechat fand eine Generalversammlung zu Finanzierungsfragen statt

Schwechat/Wien - Der Rechnungshof prüft. Es liegen Anzeigen vor. Und am Mittwoch lief über fünf Stunden lang eine Generalversammlung der Multiversum Schwechat Betriebs GmbH, in der es unter anderem um unerfreuliche Ergebnisse einer externen Wirtschaftsprüfung gegangen sein soll. Insiderinformationen zufolge stand eine Insolvenz der Gesellschaft im Raum. Die Baukosten für die Mehrzweckhalle sollen 52 Millionen Euro betragen - ursprünglich waren 37 Millionen Euro avisiert. Der mit absoluter Mehrheit regierende Bürgermeister Hannes Fazekas (SP) hat diese Zahlen dementiert: "Das ist eine Ente", sagte er dem STANDARD.

Das Multiversum soll eigentlich "topgebucht" sein, wie in einer Aussendung der Betriebs GmbH vor wenigen Tagen zu lesen war. Heute, Donnerstag, zelebriert zum Beispiel die niederösterreichische Volkspartei dort ihren Wahlkampfauftakt. Auch die Bilanz im Jänner über die ersten zwei Jahre nach Eröffnung des Veranstaltungszentrums, in dem Bälle, Sportereignisse und Konzerte statt finden, fiel positiv aus. Die Buchungslage mag zufriedenstellend sein, die schlechten Nachrichten rissen in den vergangenen Monaten aber nicht ab.

Das Multiversum gehört zu 49 Prozent der Stadtgemeinde, 33 Prozent hält die Werner Schlager Academy (WSA), 18 Prozent die Sportvereinigung Schwechat (SVS). Im Vorfeld der Generalversammlung am Mittwoch war berichtet worden, die Stadt wolle die anderen Anteile übernehmen. WSA-Geschäftsführer Martin Sörös signalisierte Gesprächsbereitschaft, " so die Rahmenbedingungen stimmen". Nach der Sitzung, die Sörös als " positiv" subsumierte, sagte er, das Szenario, dass die Gemeinde Anteile übernimmt, sei noch nicht vom Tisch. Man verhandle weiter - und habe sich "auf einige Punkte geeinigt". Ähnlich klang auch das Resümee von Bürgermeister Fazekas. "Sehr positive Gespräche" seien begonnen worden. Die Option, dass die Gemeinde alleiniger Eigentümer des Multiversums wird, sei "noch nicht vom Tisch".

Budgetsitzung verlassen

Für einen solchen Schritt bräuchte es im Gemeinderat eine Zweidrittelmehrheit. Ob diese zustande käme, ist fraglich. Die Oppositionsparteien hatten im Dezember geschlossen die Gemeinderatssitzung zum Budget verlassen - Grünen-Gemeinderat Peter Pinka hatte gewarnt, dass die Stadt mit höheren Ausgaben (über 4,1 Millionen Euro) rechnen müsse. Das Budget der Stadt Schwechat sieht für das Jahr 2013 für das Multiversum aber nur Ausgaben über 2,4 Millionen Euro vor.

Außerdem ist nicht klar, ob in der Vergangenheit gefällte Beschlüsse gültig sind, da einem früheren Multiversums-Geschäftsführer, der auch Vize-Stadtamtsdirektor war, Malversationen vorgeworfen werden. Er soll im Alleingang Darlehen über rund 900.000 Euro vergeben haben.

Der Kurier hatte im Dezember berichtet, gegen Bürgermeister Fazekas, der auch Nationalratsabgeordneter ist, gebe es ebenso eine Anzeige. Der Grüne Dieter Brosz hat, um über etwaige Ermittlungen Details zu erfahren, eine parlamentarische Anfrage an Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) gestellt. Im Falle etwaiger Erhebungen gegen einen Nationalratsabgeordneten (der ja Immunität genießt) muss ein Vorhabensbericht ans Justizministerium ergehen. Im Ministerium hieß es am Mittwoch, eben dieser Bericht sei kürzlich wieder an die Staatsanwaltschaft übermittelt worden, über den Inhalt wurde nichts verraten. Auch seitens der Behörde nicht, die dem Standard den Erhalt bestätigte. Fazekas sagt, er sei "leider" noch nicht dazu befragt worden. Er habe von der Kreditvergabe des Geschäftsführers damals jedenfalls nichts gewusst. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 14.2.2013)

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