Reno sucht in Österreich neu Tritt

13. Februar 2013, 19:24
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Bei der Wahl seiner Standorte sieht der Schuhkonzern Fehler. Einige der Filialen seien nicht zukunftsfähig und in ungeeigneten Lagen

Wien - Matthias Händle spart nicht mit Selbstkritik. Reno habe in Österreich bei der Wahl der Standorte "keine glückliche Hand" bewiesen, sagt der Chef von Reno, Europas zweitgrößtem Schuhkonzern. Einige der rund 60 Filialen seien nicht zukunftsfähig und in ungeeigneten Lagen. Zurückziehen aus Österreich werde man sich nicht, dafür sei der Markt zu wichtig. "Es ist aber ein Umbau notwendig."

Reno werde einzelne Standorte aufgeben und durch bessere ersetzen. Die Rückkehr in die Gewinnzone in Österreich hält Händle ab 2014 für realistisch, sagt er im Gespräch mit dem Standard. In der Bilanz 2011 weist die Kette ein Minus von 1,32 Millionen Euro aus.

Mit Stiefelkönig versprach sich die deutsche Handelsgruppe einst ein städtisches Vertriebskonzept. Dass man 2011 beim Verkauf letztlich nicht zum Zug kam, darüber sei er heute nicht unglücklich, ergänzt Händle. Zum " strategischen Preis", zu dem Mitbewerber Stiefelkönig von der Bawag erwarben, hätte es sich nicht gerechnet. "Die Übernahme wäre zu unseren Konditionen interessant gewesen."

750 Filialen in Europa

Reno zählt in Europa gut 750 Filialen und versorgt Handelsriesen wie Metro, Tesco und Carrefour mit Schuhen. Über exakte Zahlen hält sich die HammReno-Gruppe, die Familie Hamm und dem früheren Metro-Finanzchef Siegfried Kaske gehört, bedeckt. Der zuletzt veröffentlichte Umsatz lag bei 650 Millionen Euro - bei gut 40 Millionen Paar verkauften Schuhen.

Die vergangenen zwei Jahre seien keine einfachen gewesen, sagt Händle. In Ländern wie Ungarn, Tschechien, der Slowakei sehe er die Talsohle aber erreicht. In Österreich und Deutschland sei die Stimmung im Handel schlechter als die tatsächliche Lage. Er sei für heuer jedenfalls guten Mutes.

Konkurrenz machen der Branche nicht nur Web-Anbieter wie Zalando, der deutschen Medienberichten zufolge bereits mehr als 250 Millionen Euro mit Schuhen umsetzt. Auch Modehändler wie Zara und Primark steigen zunehmend ins Schuhgeschäft ein, "und sie machen keinen schlechten Job, der Markt verschiebt sich."

Reno stellt Ende Februar in Kiel ein vom Österreicher Thomas Ridder entwickeltes neues Ladenkonzept vor. In Österreich wurde es im Shopping Ressort Gerasdorf getestet - die dortige Filiale schwächelt. In Seiersberg laufe es erfolgreich, heißt es bei Reno. Ridder ist als Geschäftsführer "auf eigenen Wunsch hin vorübergehend beurlaubt". Händle freue sich, wie er sagt, über dessen Rückkehr. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 14.2.2013)

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