Drogenpolitik: Ein Horrortrip

Kommentar13. Februar 2013, 19:12
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Innenministerin Mikl-Leitner ist auf Stimmenfang

Die Innenministerin ist auf einem gefährlichen Wahlkampf-Trip, denn anders als mit erhofftem Stimmenfang in Niederösterreich lässt es sich kaum erklären, was Johanna Mikl-Leitner und ihre Spitzenbeamten derzeit von sich geben: Für alle Opiatabhängigen, die in Behandlung sind, würden sie am liebsten die Substitutionstherapie abschaffen - und zwar weil zu viel Schindluder mit den Ersatzmedikamenten getrieben wird und nur fünf Prozent jemals den kompletten Drogenausstieg schaffen.

Gut, begeben wir uns gedanklich auf folgenden Horrortrip: Allein in Wien würden 7000 dieser Süchtigen, viele davon wieder gut am Arbeitsplatz und in ihren Familien integriert, innerhalb weniger Stunden auf kalten Entzug geschickt - und wer so etwas nur einmal gesehen hat, begreift, dass diese Abhängigkeit eine Krankheit und kein Verbrechen ist. Der Körper schreit wie wild nach Stoff, die Psyche gerät außer Rand und Band - die Folgen sind für alle Beteiligten unabsehbar. Die Betroffenen selbst leiden wie die Tiere, und die meisten von ihnen werden alles tun, um endlich wieder an ihre erlösenden Substanzen zu kommen.

Will die Ministerin wirklich, dass diese Patienten, anstatt in einer Praxis zu schlucken, wieder am Karlsplatz drücken? Will sie, dass die Menschen erneut abdriften - und gleichzeitig ein Steigen der Beschaffungskriminalität in Kauf nehmen? Unvorstellbar. Denn dann wäre Mikl-Leitner nicht nur inkompetent, sondern auch grausam. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 14.2.2013)

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