Aborigines sind offiziell "erste Australier"

13. Februar 2013, 18:58
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Die Aborigines wurden von den britischen Siedlern fast ausgelöscht, bis 1992 galt offiziell, dass Australien bis zur Ankunft der Briten "Niemandsland" war. Nun hat das Parlament die Ureinwohner des Kontinents offiziell als "erste Australier" anerkannt

Das Unterhaus des australischen Parlaments hat am Mittwoch einstimmig einen Gesetzesvorschlag angenommen, der Aborigines und die Bewohner der Torres-Meeresstraße als "erste Australier" anerkennt. Damit ist der Weg frei für ein Referendum, mit der die besondere Position der heute rund 470.000 Ureinwohner auch in der Verfassung anerkannt wird.

Im Unterhaus herrschte seltener Konsens zwischen der sozialdemokratischen Regierung von Premierministerin Julia Gillard und der konservativen Opposition unter Tony Abbott. Beide Seiten, unterstützt von den Grünen und einer Handvoll Unabhängiger, stimmten der Vorlage zu. Auch im Oberhaus, dem Senat, wird keine Opposition erwartet. Aboriginal-Vertreter wie Patrick Dodson zeigten sich erfreut über den Schritt. Australien habe "einen Hügel überwunden", meinte er. Der Berg stehe aber noch bevor.

Entscheid fünf Jahre nach Rudds Entschuldigung

Zum historischen Entscheid kam es auf den Tag genau fünf Jahre, nachdem sich Gillards Vorgänger Kevin Rudd im Namen der Nation für vergangenes Unrecht an den Ureinwohnern entschuldigt hatte.

Alle Seiten der Politik müssen sich nun auf einen Text einigen, mit dem der Status der Aborigines als erste Bewohner des Kontinents in der Verfassung verankert werden kann. Das könnte sich als schwieriges Unterfangen erweisen. Vor allem in konservativen Kreisen - auch in Teilen der Opposition - gibt es Widerstand gegen eine vermeintliche " Bevorzugung" von Aborigines gegenüber anderen Volksgruppen.

Auch über 200 Jahre nach der Besiedelung Australiens durch britische Sträflinge und ihre Bewacher im Jahr 1788 gehören Ureinwohner zu den am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen Australiens. Eine hohe Kindersterblichkeit, Drittweltkrankheiten, Arbeitslosigkeit, sexueller Missbrauch von Kindern, Jugendsuizid und Alkoholmissbrauch sind in isolierten Aboriginal-Gemeinden zum Teil endemisch.

Wahlrecht erst ab 1967

Jahrzehntelang litten die Ureinwohner unter institutionalisiertem Rassismus. Erst 1967 erhielten sie das Stimm- und Wahlrecht und wurden damit als gleichwertige Bürger anerkannt. Bis in die 1970er-Jahre wurden Aborigines-Kinder zudem ihren Eltern abgenommen und zur Adoption durch weiße Familien freigegeben. Obwohl der Kontinent mindestens schon vor 40.000 Jahren besiedelt worden war, galt bis 1992 noch das juristische Prinzip, Australien sei vor der Ankunft der Briten ein "Niemandsland" gewesen. (Urs Wälterlin, DER STANDARD, 14.2.2013)

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    2008: Aborigines lauschten der Entschuldigung des australischen Premierministers Kevin Rudd.

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