Widersprüche im TA-Prozess

13. Februar 2013, 18:45
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In Widersprüche verstrickte sich der Börsenmakler, der den Aktien-Kurs so beflügelte, dass die Führung den Bonus bekam

Wien - Mit der Dauer der Verhandlung mehrten sich im Untreue-Prozess wegen Kursmanipulation bei Telekom Austria (TA) am Mittwoch die Widersprüche. Einer davon: Das Honorar für den - wie die Ex-Vorstandsmitglieder Heinz Sundt, Stefano Colombo und Rudolf Fischer - wegen Untreue angeklagten Broker Johann Wanovits. Die TA schulde ihm noch 10.000 Euro für den Auftrag zum Aktienkauf, der nach Stunden der Befragung doch kein Auftrag der TA-Manager gewesen sein soll.

Die 10.000 Euro würden ihm zustehen, so Wanovits sinngemäß, weil der Kauf von 1,2 Millionen TA-Aktien am 26. Februar 2004 den Börsenkurs so günstig beeinflusst habe, dass die damalige TA-Führung in den Genuss von 8,87 Mio. Euro Bonus kam. Für seine Dienste bezahlt habe die TA nur 990.000 Euro, davon 600.000 in bar, rechnete der Ex-Chef und Miteigentümer des Börsenmaklerhauses Euro Invest Bank (EIB) vor.

Keine Quittungen

Warum er das auf Cent genau weiß, erhellte sich nur bedingt. Denn weder stellte Wanovits Quittungen für das in Papiersackerl übernommene Bargeld aus ("Die haben keine verlangt."), noch tauchten entsprechende Beträge auf Konten auf. Nachgezählt habe er die Fünfhunderter in den Sackerl nicht, die ihm der präsumptive Kronzeuge, Gernot Schieszler, im Auto übergeben habe. Gezählt habe er erst in der Bank, das Geld wanderte in den Tresor.

Wiewohl die einigermaßen unorthodoxen, 2004 und 2005 durchgeführten Bargeldtransaktionen steuerrechtlich verjährt sein dürften: Geheimnisvoll blieb einmal mehr, wie der Banker so viel Bares "versorgte". Einen Teil habe er in "Optionsprogramme" der Bank investiert, mit dem Rest sich selbst "gehedged". Schließlich habe er die Aktienkäufe zugunsten der TA absichern müssen, ein Kursrutsch bei TA-Aktien hätte ihn, respektive die EIB, Millionen kosten können. Die Absicherung "hat zirka 400.000 Euro gekostet", rechnete Wanovits auf Fragen von Gerichtsgutachter Matthias Kopetzky vor.

Unorthodox wie das Grundgeschäft: Der Geschäftspartner, dessen Namen der Broker nicht nannte, habe Barzahlung akzeptiert.

Der Tag nach dem Kurssprung

Dass die Zahlungen der TA in Raten, nur auf Drängen des EIB-Chefs erfolgten und vor allem erst im Juli 2004 begannen, also vier Monate nach dem Aktienkauf, sollte das Risiko nicht schmälern. Es dürfte – da abgesichert – überschaubar gewesen sein. Am Tag nach dem mysteriösen Kurssprung wurde die TA-Aktie in den MSCI-Index aufgenommen, was die Nachfrage nach den Papieren und Wanovits zum Verkauf eines Pakets stimulierte. Allerdings: "Zirka 450.000 Stück" habe er unter dem Einkaufspreis von 11,73 Euro veräußert (binnen vier bis sechs Wochen, um das Risiko zu minimieren), was letztlich einen "kleinen Verlust" gebracht habe. Wanovits' Mitarbeiter hingegen taxierten den Gewinn auf 200.000 bis 300.000 Euro. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 14.2.2013)

  • Die Finanzmarktaufsicht konnte an Johann Wanovits' Kurspflege 2004 nichts Illegales ausmachen. Erst 2010 flog die Manipulation im Zuge des Buwog-Skandals auf.
    foto: standard/cremer

    Die Finanzmarktaufsicht konnte an Johann Wanovits' Kurspflege 2004 nichts Illegales ausmachen. Erst 2010 flog die Manipulation im Zuge des Buwog-Skandals auf.

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