Franz Thell: Pionier der Wiener Schwulenszene verstorben

  • Franz Thell, Gründer des Motto, in der Mitte, flankiert vom heutigen Motto-Chef Bernd Schlacher (li.) und Eventmanager Andreas Lackner.
    foto: conny.at

    Franz Thell, Gründer des Motto, in der Mitte, flankiert vom heutigen Motto-Chef Bernd Schlacher (li.) und Eventmanager Andreas Lackner.

Gründer des "Motto" starb im Alter von 61 Jahren

Wien - Bevor das Wort "Szenewirt" überhaupt kreiert wurde, schaffte Franz Thell im trüben Wien der 1970er-Jahre mit der Gründung des Lokals "Motto" einen urbanen Treffpunkt. "Er hat uns das Leben gerettet, sonst wären wir gestorben vor Fadesse", erzählt Marianne Kohn, Chefin der Loosbar und damals Kellnerin im Motto.

Der junge Helmut Lang hieß noch "Bubu", war nicht nur hinter der Bar tätig und organisierte hier seine ersten Modenschauen, er war vor allem Thells Lebensgefährte. Er habe eine unglaubliche Offenheit hineingebracht, sagt Bernd Schlacher, der Thell das Motto 1991 abkaufte. "Er war eine Vorreiterfigur - was heute ganz normal ist, dass alle durchgemischt zusammen feiern, gab es in Wien nur im Motto."

Perfektionist mit großem Herz

Ein Visionär für ein liberales, glückliches Leben sei Thell gewesen, erzählt Michael Palatin, der zur großen Clique im Motto gehörte. "Er hat einer ganzen Generation junger schwuler Männer Selbstbewusstsein gegeben und ihnen geholfen, ihren Platz im Leben zu finden."

So gut Thell es vermochte, den Wienern Toleranz und Lebensfreude einzuimpfen, so schwer fiel ihm der Umgang mit Geld. So musste er später auch sein Café im Hundertwasserhaus abtreten. Thells Großzügigkeit Freunden gegenüber war legendär, und die Kellner bekamen schon einmal eine Rolex von ihm geschenkt.

Andreas Lackner, ebenfalls im Motto sozialisiert, beschreibt ihn als Perfektionisten mit großem Herz, "der sich irgendwann selbst im Weg stand". Thell verstarb im Alter von 61 Jahren und wird am Freitag in seiner Heimat im Burgenland beigesetzt. (juh, DER STANDARD, 14.2.2013)

Share if you care

Manuell moderiertes Forum In diesem Forum werden sämtliche Postings manuell geprüft. Wir ersuchen daher um Geduld bei der Freischaltung.

21 Postings
Trübes Wien der 70er Jahre

Immerhin gabs Lokale wie das Voom-Voom, Camera, Exil, und noch einige mehr.
Und diese waren europaweit einzigartig!

Franz

Keep the memories, keep the stories all the traces of the past, only they will last.
War nie im Motto, hatte aber das Glück Franz die letzten Jahre begleiten zu dürfen...viel zu kurz, aber die Erinnerung an ihn wird mich mein Leben lang begleiten.
Franz Du fehlst mir.

es gelingt nur wenigen menschen, eine "institution" zu schaffen, die jahrzehnte überdauert.
und noch dazu eine, die ich mag ;o)

danke dafür!

RIP Franzi!

wir werden dich nicht vergessen

Alle, alle waren sie da, im Motto

Danke Herr Thell!

ja, eine sehr traurige todesnachricht war das. franz thell wird in meiner erinnerung der motto-franzi der siebziger jahre bleiben, freundlich und mit dunklen wuckerln. in der rüdigergasse hat er einen guten ort geschaffen, ein großes herz hat er gehabt. friede seinem andenken.

na geh... ein wirklich lieber war der franzi

"...war eine Vorreiterfigur"

Danke dir lieber Thell Franzi.
R.I.P.

Danke lieber Franz Thell!

Lieber Franzi! Ich umarme Dich Du schöne edle Seele und wünsche Dir eine gute weitereise im Universum! Danke, dass ich dir begegnen durfte und bei Dir, in Deinem "MOTTO" soviel lernen durfte! Bis bald! R.i.p.

Und man muss anerkennend sagen

dass er das kreuz.net überlebt hat.

Franzi Thell. Dein Ableben

macht mich sehr traurig.
Ich kenne sonst niemanden, der wie du über Jahrzehnte hinweg so viel Gutes für seine Umgebung, für Wien, für die Schwulen UND Heteros machte wie du dies tatest.

Deine fürsorgliche Liebe für Menschen, dein Hang zur Ästhetik, deine Grosszügigkeit sowie deine visionären Pioniertaten werden immer einen grossen Platz in meiner Erinnerung einnehmen.

Die Erinnerung an das wunderschöne und täglich erneuerte Blumengesteck im Motto und später die unvergleichliche Atmosphäre die du im Kunsthaus Café mit deinem Blumenmeer schufst, sind nur ein Bruchteil jenes Reichtums, mit dem du mich und andere beschenkt hast.

Da mir der Wortschatz für eine angemessene Wertschätzung fehlt, daher hier nur ein schlichtes:
Ich danke dir!

ich muss mal wieder ins motto. aber nicht am fluss.

danke dafür!

Schad um ihn.

Ganz egal in wie vielen Wirtshäusern ich war oder noch sein werde - das Motto mit ihm in den frühen 80ern wird wohl immer als Vergleich herhalten müssen.

sozialromantik
heute ist es ein hart wirtschaftlich agierendes unternehmen
mit eigenem catering-dienst

1.) Rest in peace! Ich habe zwar meine Excesse woanders gefeiert, aber die paar Aufenthalte im Motto waren immer herz- und seelenerwärmend.

2.) Was heißt hier "im trüben Wien der 1970-er Jahre???
Die Aufbruchstimmung, die Experimentierfreudigkeit, die Offenheit, der Mut... Davon kann die heutige Wiener Jugend ja nicht einmal träumen!!!

ad 2.) Manche Beteiligten haben das anders empfunden:http://www.youtube.com/watch?v=eFJ3w_MuzAc

"juh" war wahrscheinlich nie im exil und hat auch sonst keine ahnung, wie es in den 70ern war

Demut über das Geschenk der Begegnung mit dieser wundervollen Seele und der geteilten Zeit, die beste Wundsalbe in diesem Moment . Danke dir Franzi, ich werde dich vermissen !!!

In Demut über das Geschenk der Begegnung mit diese wunderbaren Seele und der geteilten Zeit, reich an einzigartigen Momenten ist die beste Wundsalbe. Danke Franzi - ich werde dich vermissen !!!!

Ach Herr Thell! Mit Tränen in den Augen sage ich DANKE!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.