"Wienerwaldmord": Angeklagter will selbst ein Opfer sein

13. Februar 2013, 18:07
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Beschuldigter soll Opfer mit Vorschlaghammer auf den Kopf geschlagen haben

Wien - Wegen des Mordes an Milenko M. und Störung der Totenruhe musste sich am Mittwoch der 62-jährige Jozef E. vor dem Wiener Landesgericht verantworten. Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte seinen Freund am 30. März 2012 in seinem Kellerabteil getötet haben. Mit einem Vorschlaghammer soll er ihm dreimal auf den Kopf geschlagen haben, was zum sofortigen Tod führte.

Die Leiche soll E. zerteilt haben, um sie "leichter transportieren" zu können und besser im Kofferraum seines Autos unterzubringen, vermutet die Staatsanwaltschaft; im Anschluss habe er die Leiche im Wienerwald versteckt. Nach der Tat soll E. mit dem Auto des Opfers nach Serbien zu seiner Familie gefahren sein. Der Pkw wurde erst drei Monate nach der Tat mit ausgewechselten Nummerntafeln gefunden. Die Anklage wurde mit Blutspuren, die in Keller und Auto des Angeklagten sowie an einer Plastikplane, in der die Überreste des Opfers gefunden wurden, untermauert.

Neue Version der Verteidigung

Die Verteidigung ließ sich dadurch jedoch wenig beeindrucken und konterte mit einer überraschenden neuen Version: Der Angeklagte sei selbst Opfer. Er sei von zwei unbekannten Schwarzafrikanern, die auch für den Mord an M. verantwortlich sein sollen, geschlagen und mit einer Pistole bedroht worden. Zum Tatzeitpunkt sei er in seiner Wohnung gefesselt gewesen. Der Polizei wirft die Verteidigung vor, "wesentliche Ermittlungsergebnisse" ausgelassen zu haben und keine "unmittelbare Beweise" gegen den Angeklagten zu haben.

Die Leiche von M. wurde im April 2012 von einem Spaziergänger entdeckt - die Beine sind noch verschollen. Zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe zeichnete sich eine Vertagung ab. (ook, DER STANDARD, 14.2.2013)

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