Rapid, Schöttel, Schulte, Hirscher

13. Februar 2013, 18:05
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Rapid-Trainer Schöttel hat gleich das Derby zu erledigen. In Hütteldorf ist Ruhe eingekehrt. Es kann aber jederzeit laut werden

Wien - Peter Schöttel muss am Donnerstag in Schladming erscheinen. Damit ihm nicht fad ist, ereilt die neun anderen Trainer dasselbe Schicksal. Der österreichische Fußball schmückt (stört) die Ski-WM, die Bundesliga wollte das so, um als Pausenfüller auf sich aufmerksam zu machen. Vielleicht wurde sie dazu gezwungen (vom ORF?), das würde nicht unbedingt von Selbstbewusstsein zeugen, ist aber auch wurscht. Jedenfalls beginnt am Wochenende die Frühjahrssaison.

Schöttel wird unter Umständen Medaillentipps abgeben und Marcel Hirscher favorisieren müssen. Ganz sicher wird er folgende Frage beantworten: Wer wird Fußballmeister? Realistisch, wie er nun einmal ist, wird er eher nicht Rapid sagen. Die Austria hat zehn Punkte Vorsprung, Red Bull Salzburg drei. Bereits am Mittwoch nannte Schöttel dem Standard die Zielsetzung: "Von einem Europacupplatz ist auszugehen, ein Titel wäre schön und wichtig, wobei der Cup realistischer als die Meisterschaft ist."

Die Lage in Hütteldorf scheint sich beruhigt zu haben. Das liegt auch am neuen Sportdirektor Helmut Schulte. "Er hat sich richtig gut eingebracht, nimmt sich Zeit für jeden, spricht die Dinge klar an, hört zu, ist kein Blender", sagt Schöttel. Man sei auf einer Linie, schätze die Lage, das Niveau, die Möglichkeiten gleich ein. "Es war wichtig, dass es nun einen Blick von außen gibt." Schulte ist von Geburt an Deutscher, Schöttel fast von Geburt an mit nur kurzen Unterbrechungen Rapidler. "Man kann von ihm lernen."

Den Vertrag mit Schöttel samt Stab hat Schulte vorzeitig bis 2015 verlängert. Das hat sich abgezeichnet, wobei der Zeitpunkt ein bisserl überraschend kam. Rapid werden in den ersten drei Runden die Brocken Austria, Salzburg und Sturm vorgesetzt. Schöttel wäre "mit null Punkten kein schlechterer Trainer als mit neun. Es geht um das Gesamte, ums Vertrauen, um die Kontinuität." Er werde nie ein "fordernder Trainer" sein. "Weil es den Verein auch nach mir noch geben soll."

Die Vorbereitung ist, von ein paar Blessuren und grippalen Infekten abgesehen, unfallfrei verlaufen. In acht Testspielen hat man nur ein Gegentor kassiert, die Gegner waren schwach, mittelmäßig und gut. " Defensiv sind wir geordnet, im vorderen Drittel muss das Risiko erhöht werden."

Der Kader wurde um drei Spieler reduziert, 23 reichen für einen Konkurrenzkampf vollauf. Rückkehrer Branko Boskovic und Marcel Sabitzer sollten die Abgänger (u. a. Drazan, Ildiz) kompensieren. Der 32-jährige Boskovic "ist keine aufgewärmte Geschichte, er ist eine bereichernde Geschichte". Kapitän Steffen Hofmann zog die Vorbereitung verletzungsfrei und ohne Schutzbrille durch, laut Schöttel könnte er wieder zur bestimmenden Figur werden. "Zumindest hoffe ich es stark."

Keine Scham

Intern wurde das klare Scheitern in der Gruppenphase der Europa League nicht mehr ausufernd diskutiert. "Es gibt keinen Grund, sich genieren zu müssen. Immerhin waren wir Österreichs einziger Vertreter." Die Doppelbelastung ist Geschichte. Schöttel kündigt nicht unbedingt einen " Erlebnisfußball", aber einen "attraktiven Fußball" an. "Der sollte reichen, um für Normalität auf den Rängen zu sorgen."

Am Sonntag steigt im ausverkauften Hanappi-Stadion das 304. Wiener Derby. Die ersten beiden in dieser Saison waren aus Rapids Sicht ein Jammer, 0:3 und 0:2. "Sie waren kein Irrtum, das wäre ungerecht der Austria gegenüber. Wir waren schlecht. Aber diesmal sollten wir auf Augenhöhe sein, weil der Winter den Lauf der Austria gestoppt hat." Ein guter Start sei immer wichtig, "vielleicht ist er diesmal noch wichtiger" .

Da der Trainer nach Schladming beordnet wurde ("Ich möchte die Entscheidung nicht öffentlich kritisieren, denke mir meinen Teil"), ist der Donnerstag frei. Man hat die Einheiten verlegt beziehungsweise gebündelt. Schöttel wird im Kreis der Kollegen ungefähr sagen: "Die Austria ist Titelfavorit." Und der Hirscher. (Christian Hackl, DER STANDARD, 14.2.2013)

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    Der 45-jährige Peter Schöttel stellt keine Forderungen.

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