Telekom-Prozess: 600.000 Euro Lohn für "keinen Auftrag"

13. Februar 2013, 16:50
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Broker Wanovits verstrickte sich in Widersprüche - In Summe 990.000 Euro von der Telekom für hilfreichen Aktienkauf, 400.000 in bar an "Vertragspartner" weitergereicht

Am dritten Verhandlungstag des Telekom-Prozesses über eine Kursmanipulation im Jahr 2004 hat sich heute der mitangeklagte Broker Johann Wanovits in wesentlichen Punkten in Widersprüche verstrickt. So habe es keinen Auftrag der Telekom Austria für einen Aktienkauf gegeben, trotzdem habe er von der Telekom fast eine Million Euro Prämie gezahlt bekommen. "Das war kein Auftrag, sondern sozusagen eine unverbindliche Zusage", meinte er dazu. Er habe keine Rechnung für 600.000 Euro Bargeld gestellt, "weil das die Telekom nicht wollte".

Widersprüche

Gegenüber Ermittlungsbehörden hatte Wanovits ausgesagt, dass die Prämie bereits vor dem Kurssprung mit Telekom-Managern besprochen wurde, heute nannte er den Tag nach der Kursmanipulation. Nicht ganz stimmig waren auch die Aussagen, woher er vom Bonusprogramm der Telekom überhaupt wusste. In älteren Aussagen verwies Wanovits auf die "massive mediale Berichterstattung", obwohl er heute einräumte, sehr wenige Medien zu konsumieren und nicht einmal die Börseninfos von Bloomberg und Reuters am Schirm laufen habe.

Aufhorchen ließ Wanovits, der sich heute nicht schuldig bekannte, damit, dass er die 600.000 Euro der Telekom, die er in bar im Papiersackerl erhalten hatte, teilweise an einen "Vertragspartner" weitergeleitet habe, bei dem er sich gegen das Kursrisiko der Telekom-Aktie abgesichert hätte. Dafür haber er 400.000 Euro übergeben - ebenfalls in bar. Wer dieser Vertragspartner war, wollte er mit Verweis auf ein mögliches Steuerverfahren nicht beantworten.

"Studie war sehr gut bezahlt"

Ein strafrechtliches Vergehen kann Wanovits weder bei der Kursmanipulation noch bei der Entgegennahme der 600.000 Euro erkennen. Ebenfalls keine Verfehlung sieht er bei einer Windkraft-Studie, für die er vom damaligen Telekom-Lobbyisten Peter Hochegger 175.000 Euro bekommen hat - immerhin habe er sich einige Wochen damit beschäftigt, räumte er ein: "Die Studie war sehr gut bezahlt".

Von der insgesamt einen Million Euro, die der hilfreiche und lange verschwiegene Broker von der Telekom hätte erhalten sollen, würden noch 10.000 Euro fehlen, so Wanovits - eine "moralische" Schuld der Telekom. Dabei dachte er, dass es mit den involvierten Telekom-Managern ein "Gentleman Agreement" gab. Doch da hatte sich Wanovits nicht zum ersten Mal getäuscht. Bereits 2008, als ihm von der einen Million Euro noch 400.000 Euro fehlten, hatte er bei dem damaligen Festnetzvorstand Rudolf Fischer die Summe urgiert, woraufhin ihn dieser mit "schau ma mal" vertröstet habe.

Das Geld kam dann später von der Agentur Hochegger, wobei Wanovits einerseits behauptete, dem sei ein realer Wert in Form von Studien gegenüber gestanden, andererseits wiederum meinte, das wäre noch das Dankeschön der Telekom für seine Rettung des Kurses vor einem feindlichen Angriff gewesen.

Vorwurf an Finanzmarktaufsicht

An diesen feindlichen Akt glaubt Wanovits bis heute, warum jemand dieses gesetzt haben sollte, blieb aber offen. In diesem Zusammenhang warf der Angeklagte ein schlechtes Licht auf die Finanzmarktaufsicht (FMA), der damals sehr auffällige Kursbewegungen seitens der Deutschen Bank entgangen sein sollen. Ein FMA-Strafbescheid gegen ihn, Wanovits, sei später vom Verwaltungsgerichtshof aufgehoben worden. Wanovits räumte allerdings auf Nachfrage ein, dass der Gerichtshof damals nichts von den 600.000 Euro Honorar im Papiersackerl wusste.

Nach wie vor unklar ist, von wem die Idee zur "Kurspflege" kam. Hier belasten sich Wanovits und der Telekom-Prokurist Josef Trimmel gegenseitig. Der Prozess wird nächsten Montag mit den Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Als erster Zeuge wird Gernot Schieszler befragt, der als Kronzeuge auftritt. (APA, 13.3.2013)

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