Giftig, rostig, explosiv

13. Februar 2013, 17:48
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Bildfindung mit Chemie und Physik: "re: image" präsentiert Arbeiten von Mark Geffriaud, Raphael Hefti, Daniel Lergon und Michael Part

Wien - Das außergewöhnlichste Ausstellungsstück ist eine Socke. Sie ist dunkelgrün mit giftgrünen Flecken und wird sich farblich wohl noch weiter verändern. Denn Michael Part hat sie in Natriumditionid eingetaucht und auch Filmstreifen und Dias mit einer speziellen fotochemischen Lösung behandelt. Die Silberanteile eines Silbergelatinfilms hat er durch das grüne, lichtempfindliche Mineral Malachit ersetzt, das nun für die Färbung von Film und Dias verantwortlich ist.

Während der in einem Leuchtkasten liegende Filmstreifen vermutlich gleichmäßig ausbleicht, werden die Dias unterschiedlich lang an eine Wand projiziert. Der Projektor wird so gleichzeitig zum Belichtungsapparat, der die Farben der sattgrünen Dias vor unseren Augen verwandelt.

Ohne digitale Hilfsmittel kommen auch die anderen Künstler aus. Das Sichtbarmachen der Form wird physikalischen oder chemischen Prozessen überlassen; Zu- oder Unfälle werden einkalkuliert: Parts Socke könnte etwa ein paar ungewollten Spritzern von der chemischen Lösung geschuldet sein. Auch Raphael Heftis Bilder entziehen sich der Kontrolle des Künstlers. Seine Fotogramme entstehen beim Verbrennen von Lycopodium-Sporen auf Fotopapier. Das Ergebnis sind zwar weitgehend abstrakte Gebilde; die vor Farbe nur so sprühenden Bilder tragen aber auch die Geschichte der explosiven Substanz, die man früher für Feuerwerkskörper verwendet hat.

Fast minimalistisch ist dagegen die Basis von Daniel Lergons Bildern: Er hat Leinwände mit Eisenpulver beschichtet, mit Wasser bemalt und dann darauf gewartet, dass die befeuchteten Stellen zu rosten beginnen. Dass Oxidation eine Zunahme von Volumen bedeutet, ist angesichts seiner reliefartigen "Monochrome" nicht zu übersehen.

Dazulernen kann man auch bei Mark Geffriaud: Er schmiert Silbernitrat auf eine Glasplatte und verwandelt diese in einen halbdurchlässigen Spiegel. Die Gleichzeitigkeit von Durchblick und Reflexion irritiert zwar nur bedingt. Aber dafür scheint der Silbernitrat-"Nebel" aus der Entfernung zu schweben und bringt so auch ein bisschen Magie ins Spiel. (Christa Benzer, DER STANDARD, 14.2.2013)

Bis 9. 3., Galerie Andreas Huber
Schleifmühlgasse 6-8, 1040 Wien

www.galerieandreashuber.at

  • Lycopodium hat man früher für Feuerwerkskörper verwendet, heute zaubert es für Raphael Hefti Bilder auf Fotopapier.
    foto: raphael hefti

    Lycopodium hat man früher für Feuerwerkskörper verwendet, heute zaubert es für Raphael Hefti Bilder auf Fotopapier.

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