Es ist Zeit für eine schwarze Päpstin

Leserkommentar15. Februar 2013, 17:38
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Mit mehr Offenheit könnte die katholische Kirche ihre Klientel besser bedienen

Ungefähr im Jahr 33 war Simon Petrus der erste Bischof von Rom. Ob er jemals tatsächlich in Rom war, ist nicht überliefert. Nun schreiben wir mittlerweile das Jahr 2013. Und seit Tagen beherrschen Spekulationen rund um die Nachfolge des Papstes die Medien. In jedem Fernsehkanal von al-Jazeera bis BBC. Der Boulevard fragt heute mutig, ob die Zeit reif sei für den ersten schwarzen Papst.

Die afrikanischen Länder sind gegenwärtig die einzigen Wachstumsmärkte für die katholische Kirche. Es läge also nahe, dass der Papst diese Anhängerschaft zukünftig sichtbar repräsentiert. In Zeiten der gezielten Diversifizierung globaler Märkte scheint das für Organisationen jedenfalls eine nicht uninteressante Überlegung zu sein. Es geht nämlich um die Sicherung und den Ausbau von Marktanteilen. Um die gezielte Bindung von Klientel an die Institutionen. Womöglich sogar um die durchaus brisante Frage einer globalen Inklusion. In Europa und den USA brechen der katholischen Kirche riesige Schichten an Anhängern weg. Die Gründe dafür sind bekanntlich mannigfaltig.

Männliche Macht

Im 21. Jahrhundert sind die Schaltstellen dieses Planeten nach wie vor fest in männlicher Hand. Doch können wir nicht mehr nur von einer Herrschaft der Väter sprechen, vom Patriarchat an sich. Denn so einfach ist es nicht. Hegemoniale Herrschaft zeigt sich heute subtiler. Oder ganz offensichtlich. In der Politik, der Industrie, dem Militär und eben den Kirchen. Kurz: überall da, wo sich Macht konzentriert, wo relevante Entscheidungen getroffen werden und in der Regel viel Geld im Spiel ist.

Die kirchlichen Würdenträger unterscheiden sich hier optisch deutlich von ihren überwiegend männlichen Kollegen aus den anderen Branchen. Angetan mit Hermelin, rotem Brokat und stets in farblich passenden Prada-Schuhen geben sie nicht unbedingt ein Bild von Männlichkeit ab, das heutzutage notwendig scheint, um Machterhalt zu sichern. Müssen sie aber auch gar nicht. Denn eines ist sicher: Frauen haben in diesen Jobs nach wie vor nichts verloren.

Exklusion von Frauen

Die einzige Frau in diesem tausendjährigen Reigen - die Päpstin Johanna - ist historisch nicht belegt und gilt als Legende. Und so scheint es auch nur allzu logisch, dass in diesen Tagen der Spekulationen über die Nachfolge des Papstes kein einziges Wort über die Exklusion von Frauen fällt, die offenbar - abgesehen von der Rolle der Pfarrersköchin oder als "Zukunftsgarant" (besser: "Generationengarant") - keine einflussreiche Rolle spielen sollen. Ist das aber selbstverständlich?

Wahrscheinlich wird es zukünftig keinen schwarzen Papst oder eine Päpstin geben. Die Rufe, dass überall auf der Welt dringend Überlegungen zu einer Geschlechterbalance angestellt werden müssten, verhallen in diesem sehr konkreten Zusammenhang ein weiteres Mal völlig. Sie kommen uns ja noch nicht einmal zu Ohren. Ein höchst interessanter Befund über die Beschaffenheit der Schaltstellen der Macht in dieser Weltordnung insgesamt. Akzeptanz beruht auf Freiwilligkeit und wird aus ganz unterschiedlichen Gründen hervorgerufen. Durch Verstehen, durch Ignoranz oder durch Resignation. Ich plädiere daher für die Bestellung einer Päpstin. Jetzt. Und: Warum sollte sie nicht schwarz sein? (Norbert Pauser, Leserkommentar, derStandard.at, 13.2.2013)

Norbert Pauser ist Bildungswissenschaftler und als Autor, Berater und Trainer im Bereich Diversity & Inclusion tätig.

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