Smart Meter ziehen in die Haushalte ein

13. Februar 2013, 15:06
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Schon 150.000 Geräte in Österreich sind "intelligent", Datenschutzbedenken werden auf Behördenseite zerstreut

Wien - Österreichs Stromzähler sollen bis 2019 zu 95 Prozent "intelligent" werden. Bisher sind von den rund 5,5 Millionen Stromzählern hierzulande rund 150.000 digital. Nach EU-Vorgaben müssen bis 2020 mindestens 80 Prozent aller Haushalte mit einem Smart Meter ausgestattet sein.

Getestet werden sie mittlerweile in Vorarlberg, Salzburg, Kärnten und Oberösterreich. Die E-Control beginnt laut einer Aussendung in den kommenden Wochen mit einer Überprüfung der laufenden Pilotprojekte. "Die Regulierungsbehörde hat eine Verpflichtung zum Monitoring. Wir werden alle Projekte daher auf Herz und Nieren prüfen", kündigte Vorstand Martin Graf an.

In Wien startet die Wien Energie ein Pilotprojekt. Im Frühjahr sollen rund 3.000 Haushalte in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland einen Smart Meter zum Testen erhalten. Interessierte können sich am Freitag ab 13 Uhr online anmelden. Sie sollen an Internetbefragungen teilnehmen, sich regelmäßig im Netz über ihre Erfahrungen austauschen. Außerdem müssen sie einverstanden sein, dass der Stromzähler alle 15 Minuten ihre Verbrauchsdaten ausliest. Dieses Einverständnis muss der Stromanbieter später auch im Regelbetrieb einholen.

Kritiker sehen Gefahr

Genau das ruft auch Kritiker auf den Plan. Vergangenen Sommer hat etwa die EU-Datenschutzbehörde EDSB gewarnt, dass die computerisierte Erhebung der Daten im Extremfall Rückschlüsse auf das Fernsehverhalten zulasse, da der Stromverbrauch von der Helligkeit des Bildschirms abhänge. Derartiges wäre nur möglich, wenn die Verbrauchsdaten laufend übermittelt werden, wofür die Betreiber wiederum die explizite Zustimmung der Kunden bräuchten. In Österreich ist vorgesehen, dass die Daten im Viertelstundenintervall gemessen und einmal am Tag dem Netzbetreiber übermittelt werden. Andere Bedenken von Datenschützern beziehen sich auf die Gefahr von Hackerangriffen. Konsumentenschützer, in Österreich allen voran die Arbeiterkammer (AK), sehen zudem unnötige Mehrkosten auf die Verbraucher zukommen.

Derlei Sorge teilt die E-Control nicht. "Jeder Konsument kann sich darauf verlassen, dass die durch Smart Meter erhobenen Kundendaten den strengen österreichischen Datenschutzbestimmungen unterliegen", versicherte Graf. Sein Kollege Boltz sieht einen weiteren Vorteil: Die neuen Zähler müssen nicht mehr vor Ort ausgelesen werden. "Derzeit erhält der Strom- und Gaskunde lediglich einmal jährlich eine Energieabrechnung. Das ist so als wenn man als Handykunde nur einmal jährlich seine Handyrechnung bekommt."

Die bisherigen Erfahrungen sind laut E-Control positiv. Bei der Linz AG ersparten sich die Haushalte, die mit digitalen Zählern ausgestattet sind, jährlich im Schnitt 4,3 Prozent an Stromkosten. Bei einem durchschnittlichen Haushalt liege das Einsparungspotenzial bei "bis zu" 30 Euro im Jahr, rechnete E-Control-Co-Chef Walter Boltz vor. Verweigern können Kunden die intelligenten Zähler nicht. (APA/red, derStandard.at, 13.2.2013)

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    Ante portas: Die intelligenten Zähler halten Einzug.

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