Wiener Watchgroup zieht eine erste Bilanz

13. Februar 2013, 12:48
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Im ersten Jahr beanstandeten die Wienerinnen 47 sexistische Werbungen - Insgesamt gab es 108 Beschwerden, 57 davon wurden bearbeitet

Wien - Ein kleines lächelndes Mädchen, das mit einer rosa Bügelstation spielt, daneben tobende Buben, die mit einem Kinder-Werkzeugset hantieren: Für die Wiener Watchgroup für sexistische Werbung ein klarer Fall von Bedienung "überkommener Rollenklischees" und damit ein Verstoß gegen die Werberichtlinien: Im Jahr 2012 wurde in 47 von 57 bearbeiteten Fällen auf Sexismus entschieden. 108 Einreichungen verzeichnete die Watchgroup insgesamt, etwa die Hälfte scheiterte jedoch an formalen Kriterien, hieß es aus dem Büro der zuständigen Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ). Unter den aktuellen Fällen findet sich auch ein Volksbefragungsplakat, das die Stadt inzwischen zurückgezogen hat.

Hauptsächlich gelten die Beschwerden wenig bekleideten Frauen, die für Alkohol, Unterwäsche, aber auch Daunenjacken werben. Aber auch sexistische Slogans und überholte Rollenbilder stehen im Fokus der Watchgroup. Es geht aber nicht nur um Sexismus gegenüber Frauen: Auch die Werbung einer Sprachschule, die zwei Männer als "gewaltbereit darstellt" und so "Vorurteile gegenüber Männern" bedient, wurde beanstandet.

Technische Weiterentwicklung des Formulars

Fälle können von BürgerInnen oder den Fachleuten des Teams eingebracht werden. Diese werden dann in Zusammenarbeit mit den Werbewatchgroups in den Bundesländern anhand eines Kriterienkatalogs bewertet. Die Veröffentlichung der Ergebnisse erfolgt über die zugehörige Homepage. Verstöße werden an den Werberat weitergeleitet, dieser schloss sich den Urteilen zum Teil an. "Das liegt einerseits an den strengeren Kriterien der Watchgroup, aber auch daran, dass sie etwa NGOs berücksichtigt, während der Werberat nur Profitunternehmen bewertet", so eine Frauenberger-Sprecherin. Auch die betroffenen Unternehmen werden benachrichtigt, allerdings halte sich die Zahl der Antworten in Grenzen, so die Sprecherin. Am ehesten würden kleine, regionale Unternehmen reagieren.

Von den im vergangenen Jahr eingelangten Beschwerden konnten 51 aus verschiedenen Gründen nicht bewertet werden. Entweder handelte es sich nicht um ein Werbesujet, sondern etwa um ein Foto bei einem redaktionellen Artikel, oder die Werbung richtete sich nicht an eine Zielgruppe in Österreich. Zahlreiche Einreichungen konnten aufgrund lückenhafter Daten wie etwa einem fehlenden Foto nicht bewertet werden. Ein nächster Schritt werde daher eine technische Weiterentwicklung des Formulars sein, damit das Einsenden leichter wird.

Sujet der Stadt Wien

Unter den aktuellen Fällen findet sich auch ein Werbesujet der Stadt Wien: Eine Frau mit Lockenwicklern und Fön wirbt für die Wiener Volksbefragung zum Thema Nutzung alternativer Energien. Tritt ein solcher Fall auf, erklärt sich die Werbewatchgroup für befangen und leitet den Fall an die Grazer oder Salzburger Kolleginnen weiter. Die Stadt Wien hat diesen Teil der Kampagne inzwischen zurückgezogen. Generell strebe man ein österreichweites Verbot sexistischer Werbung an. Da Produktwerbung oft auch von internationalen Konzernen und Ketten ausgehe, sei aber langfristig nur ein EU-weites Verbot mit Sanktionen - ähnlich dem bereits bestehenden zu irreführender gesundheitsbezogener Werbung für Lebensmittel - sinnvoll.

Für ein "klares Verbot von sexistischer Werbung" spricht sich auch die grüne Frauensprecherin Martina Wurzer aus. Mit der Wiener Watchgroup werde jedenfalls ein klares Zeichen gegen die Herabwürdigung von Frauen gesetzt. Sie sei ein wichtiger Schritt zur Sensibilisierung, was auch die hohe Anzahl an Beschwerden zeige. (APA, 13.2.2013)

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