ING streicht beim Umbau weitere 2.400 Stellen

13. Februar 2013, 12:36
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Amsterdam - Dem tiefgreifenden Umbau beim niederländischen Bank- und Versicherungskonzern ING fallen weitere 2.400 Stellen zum Opfer. Betroffen ist diesmal das Filialgeschäft in Belgien und den Niederlanden und dort vor allem die Call-Center sowie die IT, wie der Finanzriese mitteilte. "Die Kunden wandern rapide in die digitale Welt ab, und darauf müssen wir reagieren", sagte Finanzchef Patrick Flynn zu Reuters. Anders als die ING-DiBa in Deutschland ist ING auf seinen Heimatmärkten bisher vor allem als Filialbank aktiv.

Der Abbau soll bis Ende 2015 vollzogen sein. ING-Chef Jan Hommen schloss am Mittwoch weitere Stellenstreichungen nicht aus. ING hat in den vergangenen 15 Monaten schon den Abbau von 7.500 Arbeitsplätzen angekündigt, neun Prozent der Belegschaft. Damit will der Finanzkonzern die jährlichen Kosten bis 2015 um eine Milliarde Euro senken.

ING löst sich derzeit vom angestammten Modell eines kombinierten Bank- und Versicherungskonzerns - eine Forderung des Staates für die Finanzhilfen, die das Unternehmen in der Finanzkrise gebraucht hatte. Für die Versicherungstöchter in den USA wird ein Börsengang vorbereitet. Das Geschäft in Asien wird scheibchenweise verkauft, wovon sich ING einen Erlös von bis zu 7 Mrd. Euro erhofft. Unter anderem ist die Tochter in Malaysia schon weg, was den Gewinn im vierten Quartal um mehr als 700 Mio. Euro aufbesserte.

Unter dem Strich lag das Ergebnis bei 1,43 Mrd. Euro, 21 Prozent höher als zuvor. Im Kerngeschäft fiel der Gewinn vor Steuern in der Banksparte aber um 72 Prozent auf 184 Mio. Euro. Er blieb deutlich hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Die Versicherungssparte schaffte dagegen mit einem Plus von 272 Mio. Euro die Gewinnwende.

Im Gesamtjahr 2012 lag der Gewinn im Kerngeschäft mit 2,6 Mrd. Euro um gut fünf Prozent unter dem Vorjahresniveau, unter dem Strich stand mit 3,89 Mrd. Euro aber ein Minus von fast einem Drittel. 626 Mio. Euro habe allein der Abbau von Risiken gekostet, 175 Mio. entfielen auf die Bankenabgabe in den Niederlanden. Hier drohen ING 2014 weitere Lasten: Denn die Regierung will die Kosten der Verstaatlichung des Immobilienfinanzierers SNS Reaal auf die Banken abwälzen; ING veranschlagt dafür 300 bis 350 Mio. Euro. (APA, 13.2.2013)

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