Telekom-Prozess - Wanovits glaubt an Gentlemen und nicht an Schufte

13. Februar 2013, 12:15
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Eine Million Euro als Gegenleistung für Risiko vereinbar

Der Broker Johann Wanovits hat am dritten Verhandlungstag im Telekom-Prozess rund um eine Kursmanipulation im Jahr 2004 seine "Kurspflege" verteidigt. Er bekannte sich nicht schuldig, vielmehr habe er einen "unzulässigen" Angriff auf den Aktienkurs der Telekom Austria durch einen Kauf von 1,2 Millionen Aktien abgewehrt.

Eine schriftliche Vereinbarung über den Aktienkauf gab es mit der Telekom nicht, obwohl dies bei derartigen Geschäften an sich üblich war. Dass es zu keiner Verschriftlichung kam, begründete Wanovits in der Befragung durch Richter Michael Tolstiuk damit, dass er an ein "Gentlemen's-Agreement" geglaubt habe. Hätte die Telekom die Zusagen zu einer finanziellen Risikoabsicherung nicht eingehalten, wäre das "schuftig" gewesen.

Obmannschaft bei einem burgenländischen Musikverein

Der Kontakt mit der Telekom habe auf Betreiben des Prokuristen Josef Trimmel stattgefunden, den Wanovits im Zuge seiner Obmannschaft bei einem burgenländischen Musikverein kennengelernt hatte. In Folge habe es dann am Faschingsdienstag im Februar 2004 ein Treffen mit Trimmel und dem Kronzeugen Gernot Schieszler - damals Telekom-Controllingchef - gegeben.

Die Telekom-Mitarbeiter hätten ihn gefragt, ob er sich vorstellen könne Aktien zu kaufen. Wanovits: "Ich habe gesagt, ich muss mir das ansehen." Er habe dann am Aschermittwoch klar gesehen, dass der Aktienkurs der Telekom in der Schlussauktion nach unten gedrückt werde.

Am Aschermittwoch im "Gasthaus Hansy" am Praterstern habe er dann Schieszler und Trimmel getroffen. Dabei sei vereinbart worden, dass Wanovits eine Million Euro erhalten solle, weil er durch den Aktienkauf ein Risiko eingehe. Laut Wanovits war er damals überzeugt, dass er sein Ziel erreichen werde, denn nur in diesem Fall sollte er eine Million erhalten - "über Geschäfte mit marktüblichen Konditionen", betonte Wanovits.

Dass das Aktienoptionsprogramm der Telekom bei einer Investmentbank abgesichert war und diese Option vom Vorstand schon gezogen worden war, wusste Wanovits laut heutiger Aussage im Wiener Straflandesgericht damals nicht.

Risiko

Wanovits erklärte, dass er die Aktien auf "eigenes Buch und eigenes Risiko" gekauft habe. Sein Kursrisiko habe rund eine Million Euro betragen. Mit der Telekom, also mit Schieszler, habe es ein "Gentlemen-Agreement" gegeben, dass man mit ihm in Geschäftskontakte treten werde. Bei der Platzierung von Anleihen oder bei Aktienrückkäufen könne man viel verdienen, schilderte er.

Die Order zum Kauf der Telekom-Aktien habe er eine halbe Stunde vor Börseschluss erhalten. Trimmel habe ihm gesagt, dass "der Vorstand" der Telekom interessiert sei, die Geschäfte zu machen, und habe ihm das Okay gegeben.

Nach dem Kurssprung, der zu einem 8,8 Mio. Euro schweren Bonusprogramm für knapp 100 Telekom-Manager führte, kam es zu einer intensiven kritischen Medienberichterstattung und einer Untersuchung der Finanzmarktaufsicht (FMA), wodurch die Telekom auf Distanz zu ihm gegangen sei. Gegengeschäfte seien nicht möglich gewesen. "Ich wurde vertröstet", meinte Wanovits. (APA, 13.02. 2013)

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