Wahl des neuen Papstes beginnt am 15. März

Tausende bei erstem Auftritt Benedikts XVI. nach Rücktrittsankündigung - Medien: Schönborn in "Pole Position"

Vatikanstadt/Wien - Papst Benedikt XVI. hat sich in seiner ersten Generalaudienz nach seiner Rücktrittsankündigung bei den Katholiken weltweit für ihre Unterstützung bedankt. "Ich danke euch für die Liebe und die Gebete, die mich in den vergangenen schwierigen Tagen begleitet haben", sagte der 85-Jährige am Mittwoch vor tausenden Gläubigen im Vatikan. Am Nachmittag (17.00 Uhr) will der Pontifex im Petersdom in Rom die Aschermittwoch-Liturgie zum Beginn der Fastenzeit feiern.

Der Heilige Vater versicherte, dass er seinen Rücktritt "in voller Freiheit" und für das Wohl der Kirche erklärt habe. Er sei nicht mehr in der Lage, sein Amt mit der Kraft auszuüben, die es erfordere, sagte Benedikt. Er bat die rund 3.550 Gläubigen, darunter auch Österreicher, für ihn, die Kirche und für den künftigen Papst zu beten. Es handelte sich um den ersten öffentlichen Auftritt des Papstes nach seiner überraschenden Rücktrittsankündigung am Montag.

In seiner Rede hob Benedikt die Notwendigkeit beständiger Einkehr und Erneuerung des Glaubens hervor. Christen stünden heute im persönlichen und öffentlichen Leben vor zahlreichen Herausforderungen. Der Papst nannte als solche unter anderem die Bewahrung der christlichen Ehe und den Schutz des menschlichen Lebens, sowie Tendenzen einer säkularisierten Welt, den Glauben aufzuweichen.

Konklave ab 15. März

Der Nachfolger von Papst Benedikt soll aller Voraussicht nach ab 15. März gewählt werden. 15 bis 20 Tage nach Beginn der Sedisvakanz, also nach dem Rücktritt von Josef Ratzinger am 28. Februar, kann das Konklave stattfinden, sagte der vatikanische Pressesprecher, Pater Federico Lombardi, am Mittwoch.

Erstmals seit seiner Rücktrittsankündigung hat Papst Benedikt XVI. wieder eine Botschaft über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet. "In der Fastenzeit, die wir nun beginnen, erneuern wir unseren Vorsatz zur Umkehr und wollen Gott mehr Raum geben", hieß es in der Nachricht am Aschermittwoch

Medien: Schönborn in "Pole Position"

Unterdessen gehen die Spekulationen um die Papst-Nachfolge unvermindert weiter. Österreichs Kardinal Christoph Schönborn werden dabei von internationalen Medien weiterhin gute Chancen eingeräumt. So sieht die Mailänder Tageszeitung "Il Giornale" den Wiener Erzbischof in "Pole Position". Er würde die "Kontinuität mit Benedikts Ansichten garantieren", so das Blatt am Mittwoch. Die Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" kommentierte: "Ein starker Name in Europa ist Schönborn, ein ehemaliger Schüler von Josef Ratzinger, der den Papst in diesen Jahren oft getroffen hat."

Für das französische Nachrichtenportal "Rue89" zählt der 68-Jährige zu den "fünf coolsten" potenziellen Nachfolger für das Amt des Papstes. "Geboren um zu reformieren", attestierte die Website dem Kardinal.

Heimische Bischöfe wollten sich auf APA-Anfrage nicht auf einen Wunschkandidaten festlegen. Einzig der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz nannte Schönborn als Kandidaten des "erweiterten Kreises der möglichen Nachfolger". Denkbar sei auch ein Kandidat von einem anderen Kontinent. Der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng erhoffte sich einen "Mann des Gebets", der keine Angst" hat, "auch unpopuläre Dinge auszusprechen, wenn es die Zeit erfordert". Der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz erklärte in einer Stellungnahme für die APA, dass die größte Herausforderung für den zukünftigen Papst darin bestehe, "die Kirche zu einem großen inneren Selbstbewusstsein dahingehend zu führen, dass die Botschaft des Evangeliums ein Lebensprogramm für die ganze Welt ist". Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari wollte sich an Spekulationen über einen Wunschkandidaten nicht beteiligen.

Guatemalas Präsident Otto Fernando Perez Molina sprach sich indes für die Wahl eines Lateinamerikaners zum 266. Papstes aus. Perez Molina wird Benedikt voraussichtlich am kommenden Samstag treffen. (APA, 13.2.2013)

Share if you care