Die Lega Nord spitzt auf die Lombardei

Blog13. Februar 2013, 12:09
23 Postings

Siegt die Lega Nord in der Lombardei, würde sie die drei reichen Industrieregionen des Nordens regieren

Die Lega Nord interessiert der Ausgang der italienischen Parlamentswahl kaum. Sie konzentriert sich voll auf die gleichzeitig stattfindende Wahl des neuen Regionalparlaments in der Lombardei. Siegt ihr Parteichef Roberto Maroni in Mailand, würde die Lega die drei großen Industrieregionen des Nordens regieren, die fast 70 Prozent des italienischen Bruttosozialprodukts stellen.

Die Region hat mehr Einwohner als Österreich und erwirtschaftet ein höheres Sozialprodukt. Und sie ist Schauplatz der Wahlschlacht, die Italiens Zukunft entscheidet. Der Ausgang des Votums in der Lombardei entscheidet über die Zusammensetzung des römischen Senats. Und darüber, ob die Lega Nord nach Venetien und Piemont auch in der Lombardei den Präsidenten stellen wird.

Um ihr ehrgeiziges Ziel zu erreichen, hat die Partei sogar einer Neuauflage des ungeliebten Pakts mit Silvio Berlusconi zugestimmt. Der Cavaliere, der eine Niederlage in seiner Heimatregion um jeden Preis verhindern will, musste dafür einen hohen Preis zahlen: Er musste auf das Amt des Premiers verzichten und Lega-Chef Maroni als Spitzenkandidat bei der Regionalwahl akzeptieren. 

"Mutter aller Schlachten" für die Lega

Für die Lega Nord ist es die "Mutter aller Schlachten". Siegt Maroni, könnte er die Lombardei mit Venetien und Piemont zu einer "Makroregion des Nordens" zusammenschweißen, gegen die jede römische Regierung machtlos wäre. Im Wahlkampf lockt die Lega mit wirtschaftspolitischer Sezession: 75 Prozent des in Italiens reichster Region erwirtschafteten Geldes sollen in der Lombardei bleiben - ein Schritt zum Staatsbankrott. Auch die Linke, die nach fast 20 Jahren wieder im Regionalrat siegen will, musste Kompromisse eingehen. Sie stützt den parteilosen Umberto Ambrosoli, Sohn eines 1979 von den Roten Brigaden ermordeten Rechtsanwalts.

Der 41-Jährige aus dem Mailänder Bürgertum kann in der Finanzmetropole sicher gewinnen, stößt aber in den Lega-Hochburgen zwischen Varese und Bergamo auf Ablehnung. Mario Monti setzt auf den ehemaligen Mailänder Bürgermeister Gabriele Albertini, doch einige seiner Kandidaten stützen Ambrosoli, um eine Lega-Regierung in Mailand um jeden Preis zu verhindern. Ambrosoli und Maroni liefern sich ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen, in dem viel auf dem Spiel steht. (Gerhard Mumelter, derStandard.at, 13.2.2013)

  • Lega-Chef Roberto Maroni kämpft um den Sieg in der Lombardei.
    foto: roberto monaldo, lapresse/ap/dapd

    Lega-Chef Roberto Maroni kämpft um den Sieg in der Lombardei.

  • Die Linke setzt auf Umberto Ambrosoli, Sohn eines 1979 von den Roten Brigaden ermordeten Rechtsanwalts.
    foto: blogdem.it/sondrio/

    Die Linke setzt auf Umberto Ambrosoli, Sohn eines 1979 von den Roten Brigaden ermordeten Rechtsanwalts.

Share if you care.