Virale Gentherapie bei angeborenen Leberdefekten sicherer als vermutet

13. Februar 2013, 12:07
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Laut einer aktuellen Studie ist die Gentherapie angeborener genetischer Leberdeffekte mit Viren als Genvektoren sicherer als Wissenschaftler bislang vermutet haben

Hannover - Angeborene genetische Defekte in der Leber, die schon bei Neugeborenen lebensbedrohliche Stoffwechselerkrankungen wie den Alpha-1-Antitrypsinmangel oder Fehler im Harnstoffzyklus auslösen, waren bislang nicht therapierbar. Allerdings ist es mit Hilfe von Lentiviren theoretisch möglich, funktionierende Kopien der defekten Gene in das Genom von Leberzellen einzuschleusen.

Allerdings birgt ein solcher Eingriff in die Gene deutliche Risiken, wie die ersten Therapieversuche bei Patienten mit angeborenen Immundefekten gezeigt haben. - Durch das zufällige Einschleusen der Gene in das blutbildende System dieser Patienten kam es zu Veränderungen in der Nachbarschaft der neuen Gene, mit der Folge, dass die Patienten Monate oder Jahre nach der Therapie noch an Leukämie erkranken.

Wie hoch das Risiko einer Gentherapie an der Leber ist, hat eine interdisziplinäre Forschergruppe vom Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung und Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) untersucht. Die Ergebnisse der Studie wurden nun in der internationalen Fachzeitschrift "Hepatology“ veröffentlicht.

Beobachtung genetisch veränderter Leberzellen

Eine gesunde Leber ruht in sich und verrichtet ihre Arbeit als zentrales Stoffwechselorgan. "Allerdings kann sich eine kranke oder verletzte Leber sehr schnell regenerieren. Die hohe Zellteilungsrate der Leberzellen in so einem Fall ist bei einer Gentherapie ein mögliches Risiko für Tumorentwicklungen", sagt Michael Ott, Mitarbeiter der Abteilung Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der MHH und Leiter der Translationalen Forschergruppe Zell- und Gentherapie. Dieses Risiko stand im Zentrum der Untersuchungen für die aktuelle Studie.

Die Teams entwickelten ein Lebertransplantationsmodell, mit dem sie genetisch veränderte Leberzellen über mehrere Monate und etwa 70 Zellteilungen beobachtet haben – das sind wesentlich mehr Zellteilungen, als eine Leberzelle in einem ganzen Menschenleben durchläuft. Zwar haben sich die Leberzellen in dem Modellsystem verändert, aber keine Tumore und Metastasen gebildet. "Dieses günstige Sicherheitsprofil macht uns Mut, in Zukunft lentivirale Therapien für Menschen mit angeborenen genetischen Leberdefekten zu entwickeln“, so Michael Ott. (red, derStandard.at, 13.2.2013)

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