Das Navi ist immer schuld

13. Februar 2013, 16:50
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Warum sich an der Orientierung die Geister scheiden und ein Außenfeind Streitigkeiten abfedert

Wenn sie nicht wahr war, dann ist sie gut erfunden: die Geschichte jener 67-jährigen Belgierin, die 1.325 Kilometer nach Zagreb statt nach Brüssel fuhr und sich dabei auf ihr GPS verließ. Die Erfindung des Navi ist segensreich, kann aber auch zur Verblödung führen, wie sich gezeigt hat.

Es ist ja nicht die Technik, sagen die einen, bloß lasche Handhabe: Wer ein falsches Ziel eingibt, wird fehlgeleitet. Unsinn, sagen die anderen, die das "Bitte sofort wenden" auf der Autobahn satt haben. Der Blechtrottel, übrigens meist mit einer Frauenstimme ausgestattet, könne eben nicht intelligent agieren. Was natürlich sofort zum Thema Orientierung und Frauen weiterführt. Können Frauen Karten lesen? Nein, behauptet mein Ex. Ja, behaupte ich.

Während er wutentbrannt den digitalen Routenplaner samt Smartphone in den Fußraum des Autos schleudert, blättert sie noch immer gelassen in dem Straßenatlas aus dem Jahr 2005. Beides nicht zielführend. Wer kennt sie nicht, die ermüdenden Diskussionen um die richtige Abzweigung, die riskanten Wendemanöver, die gegenseitigen Schuldzuweisungen, die ermüdenden Streitereien, die sich daraus ergeben. Das alles kann man sich auf der nächsten Ferienreise in unbekannte Gefilde ersparen, wenn ein Dritter schuld ist: das Navi. Eben. (Tanja Paar, derStandard.at, 13.2.2013)

  • Er Smartphone, sie Atlas - das bedeutet Streit.
    foto: ham/derstandard.at

    Er Smartphone, sie Atlas - das bedeutet Streit.

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