Der Deckel geht hoch

13. Februar 2013, 10:57
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Die wiedervereinte Jon Spencer Blues Explosion veröffentlichte 2012 das unerbittliche Album "Meat & Bone". Am 18. Februar gastiert die Band in der Wiener Arena

Blues und Punk - die Lunte brennt.

Wien - Der Name ist Programm: Jon Spencer Blues Explosion. Das sagt alles. Tatsächlich lässt die 1991 in New York gegründete Band den Blues detonieren. Während der Blues von weißen Männern meist in gebügelten Blue Jeans als gefühlloses oder übersensibel gehandeltes Narkotikum - Morbus Eric Clapton - dargeboten wird, verzichtet das Trio um Jonathan Spencer auf Ziertand. Keine Soli, kein Bass, stattdessen werden einem aufs Skelett abgemagerten Ross die Sporen bis zum blutigen Schmerz in die Flanken gerammt. Halleluja!

Mit einer Vorbildung bei den Noise-Rockern Pussy Galore! ergibt das eine überzeugende Mischung aus Punk und Blues, mit der sich in den 1990ern eine kleine Weltkarriere ausging. Zumal Spencer ein fescher Lackel war, seine Angetraute Model und sie beide ein richtig süßes Poster-Pärchen des Alternative Rock abgaben. Atem- und kompromisslos ist hingegen Spencers Kunst.

Hier meint es jemand ernst; weshalb Spencer die Band in den Nullerjahren auf Eis legte, weil irgendwie der Druck raus war. Stattdessen widmete er sich Projekten wie der Rockabilly-Band Heavy Trash und einer Vielzahl anderer Kollaborationen. Vor einigen Jahren reanimierte er die Blues Explosion als Live-Band wieder, im Vorjahr ist das Comeback-Album Meat & Bone erschienen, das die Band nun auf einer Welttournee vorstellt. Am Montag gastiert diese Rabiatperle in der Wiener Arena.

Meat & Bone ist eine Wiederkehr in alter Form. Mit unerbittlichem Schlagzeug als Puls des Unterfangens wird beständig am Härtegrad geschraubt.

Gleichzeitig legt Spencer wert auf Funkiness. Wobei der Begriff "funky" in seiner ursprünglichen Bedeutung als "dreckig" geführt wird. Das ergibt ein Gesamtkunstwerk an der Schnittstelle zu Muddy Waters, Elvis und Punk, bei dem regelmäßig der Deckel hochgeht. Wer das live nicht gesehen hat, hat nichts gesehen. (Karl Fluch, DER STANDARD, 13.2.2013)

18.2., Arena, 3., Baumgasse 80, 20.00

  • Jon Spencer (re.) reanimierte seine Band: Zusammen mit Judah Bauer und Russell Simins lässt er den Blues explodieren.
    foto: jsbe.com

    Jon Spencer (re.) reanimierte seine Band: Zusammen mit Judah Bauer und Russell Simins lässt er den Blues explodieren.

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