Stabmixer, Sprit oder ein Mann zum Ersteigern: Happy Valentine!

13. Februar 2013, 18:39
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Die Ankündigungen für Valentinstag-Geschenke, die uns in der Lifestyle-Redaktion erreichen, erweisen sich oft als unfreiwillig komisch

Es gibt so gut wie nichts, was nicht als Valentinstag-Geschenk angepriesen wird. Bereits ab November werden unsere Postfächer mit Produktwerbungen zum Thema voll gestopft. "Verführerisches zum Valentinstag", "außergewöhnliche Produkte zum Valentinstag", "Last Minute Liebesgrüße zum Valentinstag", "Trend Special Valentinstag", reiht sich im Postfach Betreff an Betreff. Rosen, Parfum und Schokolade werden zunehmend als "langweilig" bezeichnet, der Valentinstag entwickelt sich von Jahr zu Jahr mehr zur willkommenen Gelegenheit, Produkte aller Art anzupreisen.

Kapselkaffee und Standmixer

Doch wir fragen uns: Wer möchte am 14. Februar mit Kapselkaffee beschenkt werden? Mit einem Standmixer zum "Valentinscocktail mixen", mit roten Strumpfhosen, Plastikpantoffeln oder 50 Liter Benzin? Nachdem laut einer Ebay-Umfrage 35 Prozent der Österreicher Romantikmuffel sind, könnten wir uns sogar vorstellen, dass bei diesem Bevölkerungsdrittel Geschenkideen dieser Art willkommen sind - fragt sich nur, auf welcher Seite: der der Schenkenden oder der der Beschenkten.

Bevor man mit Unerwünschtem fremdbeglückt wird und sich zwecks Weiterverkaufs an Ebay wenden muss, gibt ein schwedisches Möbelhaus den Tipp, sich besser selbst zu beschenken. Zum Beispiel mit einem gemütlichen Abend in der Wanne samt Lerdal-Kronleuchter mit Kerze.

Wer will, kann sich dazu den passenden Mann ersteigern, was die über Ebay betriebene Online-Dating Plattform "Shopaman" als "neuen Beitrag zur aktuellen Sexismus-Debatte" und als "pure 'e-manzipation'" zu legitimieren versucht. Diesen kann man dann vielleicht mit dem "Love Divine Liebestonikum" besprühen: "Aphrodisierend. Pur oder zum Frivolisieren von Drinks und Vernaschereien", wirbt eine Apotheke für ihr Eigenprodukt. 

An erster Stelle kommt die Eigenliebe

Wie das Möbelhaus setzt auch die Apotheke auf das Erkennen des eigenen Wertes und das Verwöhnen des eigenen Selbst. Weshalb der Valentinstag in den "Tag der Eigenliebe" umgetauft wurde. "Eigenliebe ist der Beginn einer lebenslangen Romanze mit dem Leben", heißt es in der Presseaussendung. "Dinner for one, Tango Argentino mit mir oder ein Blumenstrauß für mich. Selbstliebe führt zu Liebe!"

Dass der Trend zum Schenken nicht nur in Richtung Mitmenschen oder der eigenen Person gehen muss, zeigt "eine aktuelle, repräsentative Studie" im Auftrag von Tierfutterproduzenten. Bereits 68 Prozent aller Tierbesitzer würden, zumindest gelegentlich, das eigene Haustier zu besonderen Anlässen beschenken, 45 Prozent zuweilen auch die Tiere von Freunden, Bekannten oder der Familie. Deshalb gilt es, auch die Haustiere nicht vom Valentinswahnsinn zu verschonen.

Hauptsache Rot

Rot ist die Farbe der Liebe, und alles, was rot ist, passt somit als Valentinsgeschenk. Dass sich Liebende auf die Farbe Rot eingeschworen haben, begründet ein italienischer Elektrogeräte-Hersteller mit folgenden blumigen Worten: "Kein Wunder, ist doch Rot die Farbe des Blutes, das in den Adern pulsiert, wenn der Herzbube oder die Herzdame den Raum betritt. Dann heißt es: Feuer frei! Das seelische System ist die treibende Kraft." Weshalb die Espressomaschine, der Wasserkocher und der Schlitztoaster - natürlich alles in Rot - beim romantisches Valentinsfrühstück nicht fehlen dürfen.

Ebenfalls in Rot kommt das Beauty Case eines Reisgepäckerstellers daher. "Das klassische Beauty Case bietet alle Vorteile, die Frau für ihre Kosmetikutensilien braucht", heißt es, und weiter: "Ganze 17 Liter Volumen bieten viel Platz für Puder, Make-Up und Co. Ein TSA-Zahlenschloss sorgt für die nötige Sicherheit." So kann das 17 Liter Kosmetik-Gepäck auf der Romantik-Reise nur noch im Ganzen verloren gehen.

Audiosysteme und Münzen

"Love is in the air – mit diesem Motto lässt sich das Herz des Schwarms im Nu erobern". So werden die Mini-Lautsprecher angekündigt, die laut PR-Agentur den Klangteppich für ein spontanes Picknick im Park oder ein romantisches Candlelight Dinner zu Zweit liefern. Damit nicht genug, sollen sie "mit dem passenden Sound für Schmetterlinge im Bauch" sorgen.

Ein anderer HiFi-Technik-Hersteller setzt auf Soundsysteme, Docking-Stations und einen "TV mit unkonventionellen Aufstellmöglichkeiten" zum Valentinstag. Diese teilweise hochpreisigen Audio-Systeme könnten durchaus das Konto Schenkwilliger sprengen.

Weshalb nicht gleich Geld schenken? Damit der schnöde Mammon als symbolisches Liebesgeschenk daherkommt, setzt der Münzhandel auf das Herz als "Symbol der ewigen Verbundenheit zweier liebender Menschen", auf "zweiteilige Schätze, die nur zusammen perfekt sind" oder schlicht und einfach auf das Motiv "Romeo und Julia".

Die Verpackung zählt

Natürlich findet sich für jedes Produkt eine valentinstaugliche Argumentation. Ja, zugegeben, die Plastikschuhe mögen "eine etwas außergewöhnliche Geschenksidee für den Valentinstag sein", heißt es gleich in der Einleitung einer Aussendung, "aber die neuen Modelle könnten sich als Liebe auf den ersten Blick erweisen!"

Weshalb eine rote Outdoor-Jacke gerade jetzt gekauft werden soll? Weil sie ein "perfekter Begleiter für romantische Spaziergänge im Freien" ist. Dazu gibts die passende Skihose.

Als "scharfes Geschenk zum Valentinstag", wird ein Rasierklingen-Abo für Männer angekündigt. Die Argumentation: "damit am Valentinstag alles glatt läuft". Beinahe nicht mehr zu übertreffen, ist eine Sprit-Aktion: Ganze "100 LiebesLiter" werden da unter allen Verliebten verlost, die vor einer Zapfsäule ein romantisches Foto machen.

"Mein Herz bumpert!"

Wer sich nun gänzlich von Geschenken abwendet und auf konventionelle Wünsche mittels Glückwunschkarte zurück greift, dem sei ein Online-Kartenversand empfohlen, der auf gänzlich neue Strategien setzt: "Neben jeder Menge klassischer Blumen- und romantischer Herzmotive stehen mit '1.000 Küsse', 'Ich bin so unverschämt verliebt in DICH!' und 'Mein Herz bumpert!' auch sehr kreative Karten-Cover zur Auswahl." Kommt sicher gut an. (Eva Tinsobin, derStandard.at, 13.2.2013)

  • Der 14. Februar wurde zum Tag der romantischen Geschenke ausgerufen. Die Auswahl nimmt mitunter eigenartige Dimensionen an.
    foto: apa/dpa/kay nietfeld

    Der 14. Februar wurde zum Tag der romantischen Geschenke ausgerufen. Die Auswahl nimmt mitunter eigenartige Dimensionen an.

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