Lia Pale: Jazzen auf Schuberts Schultern

13. Februar 2013, 10:46
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Die Oberösterreicherin stellt im Porgy & Bess ihr Debütalbum "gone too far" vor

Im Porgy & Bess wurde die CD aufgenommen, und ebendort wird sie nun am Donnerstag präsentiert: Lia Pales Debüt gone too far (bei Universal erschienen). Die Oberösterreicherin verfügt über eine charmante Stimme mit tragfähigem Flair. Sie erinnert ein bisschen an Sängerin Beate S. Lech von Beady Belle, aber ohne damit persönliche Farbigkeit einzubüßen.

Interessant: Es handelt sich hierbei um eine jazzige Bearbeitung von Teilen der Winterreise Franz Schuberts (nach Texten von Wilhelm Müller), wobei mit dem Hörer ein bisschen gespielt wird: Auf der CD-Hülle ist zu lesen, die Musik würde von "berT" stammen und sei von "shoE" arrangiert worden, während die Texte von einem gewissen "Will milleR" kommen sollen.

Mit dabei sind jedenfalls Größen der heimischen Jazzszene, also Hans Strasser (Bass), Ingrid Oberkanins (Percussion) und Harry Sokal (Saxofon und Flöte). Und: Die Band trägt die zugänglichen Arrangements in Regionen des kammermusikalisch geprägten Mainstreams.

So riskant das Unterfangen an sich ist, ein Klassikoriginal ins Jazzformat zu bringen, so sehr ist es hier gelungen, der Banalitäts- und Verharmlosungsfalle zu entgehen. Schubert wird elegant in jazziges Songformat gebracht, und das Ganze ist weit genug vom Original entfernt, um auf eigenen Füßen stehen zu können. Ein Song wie Wasserflut - bei Schubert von poetischer Düsternis - wird bei Pale zu einer walzerleicht dahinswingenden Nummer, die Sokal mit gediegener Spontanarbeit versorgt. Ganz klar: Hier wurde intelligent, sorgfältig gearbeitet, und Franz Schubert klingt, als hätte er Jazzstandards geschrieben. (tos, DER STANDARD, 13.2.2013)

14.2., Porgy & Bess, 20.30

  • Sängerin Lia Pale präsentiert im Porgy ihre CD "gone too far". Foto: Universal

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