Facebook: Graph Search entblößt "Bang with Friends"-User

Georg Pichler
13. Februar 2013, 08:40
  • Eine neue Funktion von Facebooks Graph Search zeigt nicht befreundete User von "Bang with Friends".
    foto: derstandard.at

    Eine neue Funktion von Facebooks Graph Search zeigt nicht befreundete User von "Bang with Friends".

  • Bestätigt: Völlig unbekannte "Bang with Friends"-User tauchen auch bei einem Testsuchlauf des WebStandard auf.
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    screenshot: derstandard.at

    Bestätigt: Völlig unbekannte "Bang with Friends"-User tauchen auch bei einem Testsuchlauf des WebStandard auf.

Suchfunktion im Betatest um nicht befreundete Personen ergänzt - Experte: Neue Suche bringt gravierende Veränderungen

Eine veritables Problem tut sich in Facebooks neuer Suchmaschine "Graph Search" auf. Dank eines neuen Features, das im laufenden Betatest hinzugefügt wurde, können die Nutzer verschiedener Apps angezeigt werden, ohne dass der Suchende diese ebenfalls verwenden muss.

Testlauf zeigt Berlinerinnen, die "Bang with Friends" nutzen

Wie heikel das sein kann, zeigt eine von Gerald Bäck (Mitgründer des Webdienstes archify) durchgeführte Probesuche anhand der App "BangWithFriends". Diese dient eigentlich dazu im Facebook-Freundeskreis – und nur dort – Menschen, die nach gemeinsamen erotischen Abenteuern suchen (siehe WebStandard-Artikel), zu finden. Wer die App auf Facebook nutzt, sieht normalerweise ausschließlich andere Nutzer, wenn die sich in der eigenen Freundeliste finden und gegenseitige Bereitschaft für ein Schäferstündchen da ist.

Nicht so mit der Graph Search. Eine von Bäck, der die App nicht verwendet, durchgeführte Probesuche nach "Frauen, die nicht mit mir befreundet sind, 'BangWithFriends' verwenden und in Berlin leben' zeigte ihm auch eben diese Personen an. Dieses Problem hat er mit einem Screenshot belegt. Laut Bäck kann auch nach Freunden eigener Freunde gesucht werden, die die das Kuppelwerkzeug nutzen.

Freundschaft und App-Nutzung keine Voraussetzung

Prinzipiell ist also für jeden, der Zugang zur Graph Search hat, aktuell einsehbar, wer nach Sexualpartnern unter den eigenen Freunden sucht. Eine Facebook-Freundschaft mit diesen Personen ist nicht Voraussetzung. Die einzige definitive Voraussetzung ist, selbst Mitglied des weltgrößten Social Networks und eben einer der Graph Search Betatester zu sein, wobei letzteres freilich nicht für die "Gefundenen" gilt.

Apps gewähren Einblicke in Tätigkeiten und Interessen

Das Rad lässt sich freilich weiter drehen. Das Problem dürfte wohl nicht nur das Techtelmechtel-Tool, betreffen, sondern grundsätzlich alle Apps. Und diese können mitunter einiges über die Interessen und Aktivitäten ihrer User verraten. Jede App bringt grundsätzlich ihre eigene Privacy Policy mit.

Die neue Funktion der sozialen Suche – Lookk.com-Mitgründer Andreas Klinger bestätigt in einem Kommentar, dass diese vor einiger Zeit tatsächlich noch nicht existierte. Von Mark Zuckerbergs Konzern war bei der Einführung der Graph Search die Sorgfalt im Umgang mit der Privatsphäre betont worden. Die Betonung lag stehts darauf, dass die Suchergebnisse besonders durch Informationen von eigenen Freunden angereichert würden.

Facebook: Privatsphäre-Einstellungen nicht geändert

Was über die Graph Search angezeigt werden kann, soll - wie Facebook mehrfach mitteilte - auch vorher schon auffindbar gewesen sein, da es keine Änderungen der Privatsphäreeinstellungen gab. Die Suchmaschine erspart dabei allerdings einige Umwege. Wer herausfinden wollte, ob jemand (öffentlich) "Bang with Friends" verwendet, musste bislang einzelne Userprofile danach absuchen. Nun werden die Nutzer nach wenigen Klicks übersichtlich aufgelistet. Auf den Seiten der Apps selbst wiederum sind nur Freunde zu sehen, die sie verwendet.

"Bang with Friends" bringt die strengstmögliche Privatsphäreneinstellung mit, unter der Aktivitäten der App nur für den jeweiligen Nutzer zu sehen sind und unter welchen er auch aus sämtlichen Graph Search Resultaten ausgeschlossen sein sollte. Die Einstellung, die sich für jede App im Nutzerkonto nachträglich verändern lässt, heißt "Posts on your behalf" (deutsch: "Diese Anwendung kann..."). Dass dies prinzipiell funktioniert, konnte erfolgreich getestet werden. Allerdings scheinen sich die Ergebnisse der Graph Search teilweise für unterschiedliche Nutzer zu unterscheiden.

Eine Erklärung zum Umgang mit der Graph Search liefert Facebook in einem kurzen Artikel nebst Video. Dort heißt es: "Die Privatsphäre wird konsequent auf Facebook eingehalten – nicht nur bei der Suche im Social Graph. Wenn ihr kontrolliert, mit wem ihr eure Informationen teilt, bestimmt ihr, mit wem sie überall auf Facebook geteilt werden – dies umfasst die Neuigkeiten, die Chronik und die Suche im Social Graph."

Graph Search bringt "gravierende Änderungen"

Der Mediensachverständige Georg Jeitler sagt in einer ersten Stellungnahme gegenüber dem WebStandard: "Dass der Social Graph mächtiges Tool ist und enormes Potenzial besitzt, ist schon seit langem klar. Nicht umsonst rittern abertausende Apps um den Zugriff auf die Daten der User. Bis heute sind wir es viel zu wenig gewohnt, auf die eigenen digitalen Spuren zu achten: Wenn man bisher im Netz auf etwas zu achten hatte, so waren es zumindest nur Aussagen. Dies ändert sich spätestens mit der Graph Seach von Facebook gravierend."

Jeitler erklärt, dass die Graph Search im Vergleich zur Einführung der Timeline - der Umbau der Nutzerprofile hatte für monatelange Diskussionen und Proteste gesorgt - eine weniger sichtbare Veränderung sei, aber sich viel umfassender auswirkt. War bei der Timeline klar, dass man durch schlichtes scrollen selbst Jahre alte Statusmeldungen auffinden kann, dürfte die neue Facebook-Suche auch dies beschleunigen.

"Die große Frage ist, welche Settings Facebook zur Verfügung stellen wird, um die Privatsphäre zu schützen", so der Fachmann weiter. Er verweist auf Firmenchef Zuckerberg, der vor wenigen Jahren das Konzept der Privatsphäre selbst als "überholt" bezeichnet hat.

Facebook-User werden sichtbarer

Die Verwendung von immer mehr an (nutzergenerierten) Daten, macht für jeden Einzelnen die Verwaltung der eigenen Privatsphäre schwieriger. Eine Kontrolle der Likes auf Seiten ist möglich und auch zumindest zur Formung eines aktuellen Bildes revidierbar", erläutert Jeitler. "Wenn man allerdings Likes auf Statusmeldungen und Kommentare mit einbezieht, wird es schwierig. Auch, welche Apps wir nutzen, sagt viel über uns aus. All dies wird transparenter, suchbarer."

"Wir müssen wissen, was wir tun", so Jeitler abschließend. "Wir müssen uns im Internet verhalten, wie wir uns auch auf einer Bühne verhalten würden." Aufzupassen gilt es auch darauf, wen man zu den eigenen Facebook-Freunden zählt. Denn zumindest vor deren Suchanfragen bei der Graph Search kann man sich kaum verbergen. Jeitler kann sich vorstellen, dass Facebook die möglicherweise "bewußt in Kauf genommene" Lücke schließen wird, er rechnet jedoch mit weiteren Vorstößen dieser Art.

Kritik von ARGE Daten

Kritik an der Graph Search und Facebook im Allgemeinen kommt von Hans Zeger (ARGE Daten). "Facebook ist die weltgrößte Spam-Maschine und tarnt seine Spam-Aktivitäten mit den sozialen Bedürfnissen der Menschen", so der Datenschützer. "Abhilfe wird es wohl erst geben, wenn es ordentliche technische Standards bei der Darstellung von Social Media-Benutzerprofilen gibt. Dann kann sich jeder Benutzer aussuchen, welchem Betreiber mit welchen Features er vertraut, ohne auf die Kommunikation mit seinen tatsächlichen Freunden verzichten zu müssen."

Seiner Ansicht nach, versucht Facebook in Sachen Kommunikation das Rad zurück zu drehen und vom Zeitalter der universalen Kommunikation, wie es etwa mit der globalen Ausbreitung des SMTP-Standards für E-Mails geschehen ist, in ein geschlossenes System zurück zu kehren. Er begrüßt die Initiative der EU-Kommissarin Viviane Reding, den Datenschutz neu zu ordnen und ein Recht auf Herausgabe elektronischer Daten einzuführen als Schritt zu einem "Social Media-Standard".

Bezüglich des aktuellen Falls haben sich nun die "Bang with Friends"-Betreiber gegenüber dem WebStandard zu Wort gemeldet. Sie wünschen sich erweiterte Möglichkeiten zur Konfiguration der Privatsphäreeinstellungen einer App. Aktuell ist abzuklären, ob die in der Graph Search gefundenen User allesamt die App selbst auf öffentlich geschaltet haben, oder es sich eventuell um einen Bug bei der Suche handelt, der nun möglicherweise behoben wurde.

Hilfsmittel für den Schutz der Privatsphäre

Zum Betatest der Graph Search werden aktuell nur für Nutzer zugelassen, die ihren Account mit der Spracheinstellung US-Englisch betreiben. User, die hohen Wert auf Datenschutz legen, steht eine Reihe von Hilfsmitteln zur Verfügung, um zumindest einen Großteil ihrer Daten vor der neuen Suchmaschine zu verbergen.

Der Artikel wird bei Vorliegen neuer Informationen ergänzt. (Georg Pichler, derStandard.at, 13.02.2013)

Update, 14.02.2013, 10:00 Uhr: Neue Erkenntnisse in den Text eingearbeitet.

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ade

Mir reichts jetzt mit Facebook. Kommunikation mit meinen Freunden und Familie läuft eh schon längst wieder "offline". Account endgültig gelöscht.

nie

der is nie endgültig gelöscht :D

Aus sozialtechnischen Gründen empfinde ich das als extrem bedenklich.
Wer nicht versteht warum: Was soll's.

warum fehlt bei BwF der "Alle markieren"-Button?

Hab mich jetzt extra angemeldet, dass alle meine Freunde sehen, was für ein wilder Hund ich bin.

Nur leider, wird weder auf meiner Profilseite angezeigt, noch find ich Freunde die auch angemeldet sind :(

Der neue GangBang Style. *lol*

Ich bin ja ein Facebook-Analphabet aber so wie ich das verstehe müsste man ja in der App nur kurz alle seine "Freunde" markieren und dann pinnen, dass das nur zu Testzwecken war worauf man sofort erfahren würde, wer einen selbst markiert hat.

Was das an Mobbing-Möglichkeiten unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen bietet möchte ich mir gar nicht vorstellen "Haha die uncoole, häßliche XY möchte mit dem coolen, schönen YZ".

und warum dann überhaupt das Kommentar?

Wenn Sie Facebook eh nicht kennen?

Warum müsste ich für meinen Kommentar Facebook kennen?

Wenn ich einen Denkfehler habe oder eine Wissenslücke, so könnten sie mir das ja mitteilen. So ist ihr Kommentar ebenfalls wenig sinnoll.

das is leider wahr.

Facebook?

Gibts das immer noch?

Verdammt! Erstmals hätte es eine nützliche Funktion von Facebook gegeben, und dann das!

Ich dachte BwF heißt Bang with Forum.

Wieso gibt´s hier so eine App nicht? Schließlich werden hier ganz spezielle Freind- und Feundschaften gepflegt.
;-)
Schaugn mer mal obs durchgeht, Zensor.^^

wär sicher eine spannende Geschichte. Kein Geschlecht bekannt, keine Optik, kein Alter....

Am schluss kommen Sie drauf, dass sie mit 75 Jährigen bangen würden.

User wie "Peter W1" wären sicher hoch im Kurs ;)

"Bäck, der die App nicht verwendet"

Was? Ich doch nicht!

Dieser Hinweis hat technische Natur. Würde er die App verwenden, könnte man daraus konstruieren, dass nur user der App diese Information erlangen können (also Kommunikation in der App). Da dies aber nicht der Fall ist, wurde bewiesen, dass man die Benutzer einer App finden kann auch wenn man die App selber nicht benutzt.

haha - da wird den bangern bange

hat doch niemand was zu verbergen oder? jaja hehe
naja wers braucht ...

Das erste mal höre ich von einer halbwegs vernünftigen Anwendung für Facebook und schon machen sie eine Schwachstelle daraus

die lernens einfach nicht...

Hat nicht lange gedauert

.. bis sich wieder einmal bestätigt hat: mach nichts in der Öffentlichkeit, das nicht jeder wissen darf.

neue "freie" gesellschaft entsteht:

in 1-2 generationen wird man mit freunden schnackseln gehen so wie man heutzutage miteinander essen geht ...

naja da wir grade wiedermal in einer sehr prüden Generation leben wirds vielleicht dazu kommen, vielleicht werden wir aber wie die amis und laufen beim kleinsten Anblick von Nippeln schon zur Polizei ;)

Ich schätze eher wir werden diesen Sommer
als Sommer der Liebe eintragen müssen...

Ich Persönlich halt mich aus so was natürlich wie immer raus.

hat wer zugang zur beta version von graph search? ;)

Grade ausprobiert, keiner meiner Freunde verwendet es. Nicht mal Maenner... ich hab aber fade Freunde... ;)

und wieder ein guter grund mehr...

warum ich auf fb nur als name und karikatur als profilbild existiere, mit genau zwei privaten informationen drinnen, und warum ich *alle* einladungenz u irgendwelchen apps ignoriere und selber auch keine verwende.

es liegt immer noch an uns selber, wie sehr wir uns auf fb entblößen und damit angreifbar machen.

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