Damit Autos nicht von der Brücke stürzen

12. Februar 2013, 20:00
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Das niederösterreichische Unternehmen Delta Bloc hat eine neue Technik für Betonschutzwände entwickelt

Es sind nicht einfach nur gewöhnliche Betonblöcke, die die Fahrbahnen auf Autobahnen begrenzen oder die Autos bei Unfällen auf Brücken vor dem Hinabstürzen bewahren. Auch in diesen Betonschutzwände, wie der Fachbegriff lautet, steckt Entwicklungsarbeit. In ihnen sind Stahlteile in unterschiedlicher Form eingegossen, die bestimmten Kriterien entsprechen müssen und die für Stabilität sorgen.

Bevor sie auf die Straße kommen, müssen die Betonschutzwände Pkws, Lkws und Bussen in genormten Crashtests standhalten. In der höchsten Rückhalteklasse darf etwa ein 38-Tonnen-Lkw, der in einem Winkel von 20 Grad und mit 65 Stundenkilometer auf die Betonschutzwand prallt, sie nicht durchbrechen, erklärt Thomas Edl vom Unternehmen Delta Bloc.

Eine Neuentwicklung des in Sollenau in Niederösterreich angesiedelten Entwicklers von Betonschutzwänden ist für den Staatspreis Innovation 2013 des Wirtschaftsministeriums nominiert. "Wir wollten ein Verankerungssystem entwickeln, das noch höhere Anprallkräfte aufnehmen kann", erklärt Edl. Drei Jahre dauerte die Entwicklung des "Absorption Link" genannten Produkts. Die Entwicklungskosten betrugen laut Edl das Dreifache herkömmlicher Betonschutzwände.

Die Technik besteht im Wesentlichen aus einer Stahlhülse, die fest in die Betonschutzwand eingegossen wird. Prallt ein Fahrzeug dagegen, kippt sie, und eine Metallplatte, mit der sie im Tragwerk verankert ist, wird "wie durch einen Trichter" durch die Stahlhülse gezogen. Je enger die Hülse, desto größer wird der Widerstand, der sich aufbaut. "Die Anprallenergie wird so in Verformungsenergie umgewandelt", erklärt Edl. Die Aufprallwucht reduziert sich im Vergleich zu bisherigen Systemen um ein Drittel.

Gerade bei Brücken, bei denen der höchste Technologiestandard gefragt ist, kommt die neue Technik zum Einsatz. Da sich durch die Aufnahme der Anprallenergie das System fast nicht verschiebt, gibt es kaum Platzbedarf hinter den Schutzwänden. "Aus diesem Grund können Brücken um ein bis zwei Meter schmäler gebaut werden." Auch für Österreich sei relevant, dass mit der neuen Technik alte Brücken mit schwachen Tragwerken nachgerüstet und damit sicherer gemacht werden können.

Das Unternehmen Delta Bloc, das im Jahr 2000 als Tochter der privaten Kirchdorfer Gruppe gegründet wurde, exportiert seine Fahrzeug-Rückhaltesysteme weltweit in mehr als 30 Länder. Der Absorption Link verankert mittlerweile Betonschutzwände auf Brücken in Belgien, Spanien und Deutschland. Auf der Wiener Südosttangente werden mit der Technik Fundamente von Lichtmasten im Bereich der Hanssonkurve mit dem Untergrund verbunden. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 13.2.2013)


DER STANDARD stellt im Rahmen einer neuen Serie Unternehmen vor, die für den Staatspreis Innovation 2013 nominiert sind. Dieser Artikel ist der 1. Teil.

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    Mit der neuen Technik für Betonschutzwände können Brücken um ein bis zwei Meter schmäler gebaut werden.

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