TU-Absolventen zahlen die meisten Steuern

12. Februar 2013, 19:49
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Studie bescheinigt den TUs hohe Wirtschaftsleistung

"Wir können die Zukunft nicht gewinnen, wenn wir auf Tourismus als Wachstumsbranche setzen." Der Befund des Wirtschaftsforschers Christian Helmenstein vom Economica Institut ist eindeutig. Dass sich Österreich längst vom Tourismus- zum Wissensland gewandelt hat, belegte er mit einem Vergleich der Wirtschaftsleistung: Obwohl es in etwa gleich viele Unternehmen gibt, liegen die Zahl der Mitarbeiter, der Produktionswert und die Wertschöpfung in der Technologiebranche bis zu sieben Mal höher als im Tourismus (siehe Grafik).

Die Studie untersuchte auch, was speziell die Technischen Universitäten für die heimische Wirtschaft leisten. Die Ergebnisse wurden am Montag von den Rektoren der TU Wien und Graz sowie der Montan-Uni Leoben - die sich 2010 im Verein TU Austria zusammenschlossen - vorgestellt. Demnach bezahlt ein TU-Absolvent im ersten Jahr seiner Beschäftigung im Schnitt 20.550 Euro an Steuern und Sozialversicherungsabgaben, das sind um 6600 Euro mehr als ein durchschnittlicher Uni-Absolvent erwirtschaftet.

Start-up-Meister

Überdurchschnittlich gut sind auch die Jobaussichten: Mit 84 Prozent Wahrscheinlichkeit finden TU Wien-Abgänger eine Beschäftigung (in Graz und Leoben sind es 80 Prozent), wobei die meisten davon in der Privatwirtschaft unterkommen. Den TUs sind außerdem 29 Prozent aller in Österreich gegründeten Start-ups und Spin-offs zuzurechnen.

"Auch die marktgetriebene Innovation wird wesentlichen von den TU Austria-Unis mitgetragen", betonte Sabine Seidler, Rektorin der TU Wien. So sind Mitglieder der drei Unis laut Seidler an 26 Projekten des Kompetenzzentrenprogramms Comet und an 21 aktiven Christian-Doppler-Labors beteiligt. In diesen Zentren geht es vorrangig um den Wissenstransfer von den Unis in die Wirtschaft.

Die TUs sind aber auch selbst Wirtschaftsfaktor. Der Studie zufolge generierten sie von 2005 bis 2011 insgesamt 3,1 Milliarden Euro an Wertschöpfung im Inland. Inklusive der indirekten Wertschöpfungseffekte (durch Vorleistungsbetriebe und durch das Einkommen ausgelöste Konsumnachfrage) beläuft sich der Betrag auf knapp 4,1 Mrd. Euro.

Um im globalen Wettbewerb der Wissensgesellschaften bestehen zu können, müssten die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf über drei Prozent steigen (2012 voraussichtlich 2,8 Prozent in Österreich), sagte Wilfried Eichlseder, Rektor der Montan-Uni Leoben und TU-Austria-Präsident: "Das werden wir benötigen, um den Lebensstandard zu halten und auf Veränderungen in der Umwelt reagieren zu können." Gefordert wird in der Studie auch, Ausgaben für F&E in der BIP-Berechnung als Investition einzubeziehen. Die USA setzen diese Neuklassifizierung heuer um.

Aufholbedarf haben die TUs in Sachen Frauenquote: An der TU Graz wurde in diesem Wintersemester zwar erstmals die 30-Prozent-Marke geknackt, wie Rektor Harald Kainz berichtete, ansonsten grundelt sie im Schnitt bei gut 25 Prozent. (kri, DER STANDARD, 13.2.2013)

  • Grafik "Technologie vs. Tourismus"
    grafik: der standard

    Grafik "Technologie vs. Tourismus"

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