Die Erde funkt von Innsbruck aus

12. Februar 2013, 19:44
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Tiroler Forscher steuern Simulation einer bemannten Marsmission in der Sahara

Mit dem sogenannten "Landing day" hat das Österreichische Weltraumforum (ÖWF) am Montag seine "Marokko Mars Simulation 2013" (Mars2013) in der nördlichen Sahara gestartet. Kurz vor 11.00 Uhr erfolgte das "Go" für das bis zum 28. Februar dauernde und vom "Mission Support Center" des Weltraumforums in Innsbruck aus gesteuerte Forschungsprojekt. "Es ist das erste Mal, dass eine Mars-Simulation drei Wochen lang und von A bis Z mit einer Zeitverzögerung durchgeführt wird", erklärte ÖWF- Flugdirektor Alexander Soucek. Es sei zudem das erste Mal, dass man eine Simulation mit einer derart hohen Genauigkeit in der Wüste durchführe.

Mit einer Zeitverzögerung von zehn Minuten sendete der mit einem 45 Kilogramm schweren Raumanzug ausgestattete analoge Astronaut das erste Signal auf die "Erde" namens Innsbruck und steckte anschließend die Flagge des Weltraumforums in den Wüstenboden. Bei einer möglichen Marsmission würde die Zeitverzögerung nach jeder Meldung bzw. jedem Befehl zehn bis 35 Minuten dauern. Das Gebiet in Marokko habe man ausgewählt, weil es der Marslandschaft ähnlich sehe. Zweck der Übung ist es, Geräte und Arbeitsabläufe für künftige bemannte Marsmissionen zu testen und dazu beizutragen, dass sie wissenschaftlich brauchbare Daten liefern.

Raumanzüge im Test

Das ÖWF will in der Sahara unter anderem herausfinden, wie sehr seine zwei Raumanzugsprototypen die Beweglichkeit und Fingerfertigkeit von Astronauten einschränken und wie man damit auf unsicherem Terrain und mit kleinen technischen Geräten zurechtkommt.

Zudem sollen geologische Untersuchungen durchgeführt werden. Verschiedene Erkundungsgefährte und Rover sollen ebenso unter möglichst Mars-ähnlichen Bedingungen zum Einsatz kommen. Mittels eines auf einem der Rover installierten Lasers werde die Zusammensetzung des Gesteins untersucht. Ein Konvoi aus Ärzten, Wissenschaftern, Technikern und Testern war bereits Ende Jänner mit sechs Tonnen Ausrüstung in die nördliche Sahara gereist, wo das "Camp Weyprecht" aufgeschlagen wurde. Mitarbeiter aus insgesamt 20 Nationen nehmen an dem Projekt teil, in Innsbruck sind bis Ende Februar rund 30 Personen stationiert, in Marokko befindet sich derzeit eine zehnköpfige Crew.

Für das ÖWF, das auch schon in den Dachsteinhöhlen für Marserkundungen getestet hat, sei die Simulation in der Sahara die größte Mission bisher, in ganz Europa und Afrika habe es noch nichts Vergleichbares gegeben, erklärte Soucek. Der Wissenschafter ist überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis es die erste bemannte Marsmission geben werde. Von der technologischen Seite aus betrachtet, könne man "morgen loslegen".

Die medizinischen und technologischen Aspekte eines solchen Unternehmens müssten jedoch noch genauer ausgelotet werden. Zudem fehle es derzeit am politischen Willen, räumte der ÖWF-Experte ein. (APA/red, DER STANDARD, 13.2.2013)

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