Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Blickt man auf die Amtszeit von Benedikt XVI. zurück, so verbinden viele Gläubige und auch Beobachter dieses Pontifikat mit einem prolongierten Reformstau in der katholischen Kirche, mit fortdauernden Krisen und Konflikten (Vatileaks, Missbrauchsfälle, Annäherung an die Piusbruderschaft) und einem sich fortsetzenden Niedergang des Katholizismus - zumindest in Europa.
Die anderen Seiten dieses Pontifikats wurden im deutschsprachigen Raum wenig gewürdigt. Joseph Ratzinger war der erste Papst, der zum Treffen der Weltreligionen auch eine Agnostikerin, nämlich die Philosophin und Lacan-Schülerin Julia Kristeva, eingeladen hat. Mit diesem Gestus wurde von ihm zum Ausdruck gebracht, dass die Zukunft der Menschheit nur in einer Zusammenarbeit von Religion und Humanismus bestehen kann, aber auch dass viele althergebrachte Abgrenzungen fragwürdig geworden sind. In seiner wohl wichtigsten Enzyklika "Spes salvi" thematisierte er die heute in Politik und Wissenschaft weitgehend verdrängte Frage, welche Hoffnungen und Utopien für den Menschen im beginnenden 21. Jahrhundert möglich und notwendig sind. Dabei setzte er sich mit Autoren wie Adorno auseinander, die in der steril gewordenen Philosophie (und Theologie) wieder zu entdecken wären.
Das vielleicht wichtigste Anliegen des Papstes war aber die Suche nach einer neuen Form des Geistigen in einer nicht nur von ihm als sinnentleert empfundenen Welt. Benedikt XVI. verband diese Suche mit der Perspektive einer "Resakralisierung" der Welt. Gemeint war damit eine Sichtweise des Lebens und des Menschlichen, in der dieses jenseits aller Verfügbarkeit über sich hinausweist oder, um hier ein Wort aus Jacques Derridas Religionsschrift zu zitieren, welche auf ein Leben blickt, das "sakral, heilig, unendlich achtungswürdig einzig im Namen dessen ist, was in ihm mehr wert ist als es selbst und sich nicht auf die Natürlichkeit des Biozoologischen beschränkt".
Ratzinger ist der tiefen Überzeugung, dass die unhintergehbare Verantwortung als Mensch, Staatsbürger und Christ eine respektvolle Antwort auf die Würde und Aura des Lebens beinhaltet und dass bei Verlust oder Vernichtung dieser transzendenten Aura an deren Stelle das "Nichts", das heißt die Sinnlosigkeit tritt, die Benedikt XVI. als Symptom der europäischen Gesellschaft ansieht.
Ebenso war der scheidende Papst sich dessen bewusst, dass die Religionen und die Kirchen dazu neigen, die sakrale Dimension des Lebens unter ihre Kontrolle bringen zu wollen, um damit eigene Machtansprüche abzusichern. Mit anderen Worten: Benedikt XVI. sah durchaus die sich im Lichte des Evangeliums noch einmal verschärfende Problematik der Verbindung von Sakralität und Macht, wie etwa sein missverstandener Appell für eine Entweltlichung der Kirche zeigt.
Damit allerdings eine Trennung dieser beiden Bereiche glaubhaft zum Ausdruck gebracht werden kann, bedürfte die katholische Kirche einer tiefgreifenden Reform, die insbesondere den Verzicht vieler liebgewordener Machtsymbole einschließt. Für eine solche grundlegende Reform fehlte Benedikt XVI. in seiner Amtszeit allerdings die Kraft.
Umso bemerkenswerter ist sein letzter Akt als Oberhaupt der katholischen Kirche: Benedikt XVI. hat radikal auf Macht verzichtet, indem er zurückgetreten ist im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Und mehr noch macht er damit deutlich, dass auch hinter dem Papst mit seiner Machtfülle zunächst ein Bischof, ein Christ, ein Mensch steht, in aller Verletzlichkeit und Schwäche, aus welcher die Würde des Lebens erwächst. Der Nachfolger von Benedikt XVI., für dessen Auswahl die Kardinäle jetzt mehr Zeit als sonst haben (was Außenseiter begünstigen könnte), wird daran zu messen sein, ob und wie er den vielleicht wichtigsten prophetischen Gestus von Papst Benedikt in der Kirche wirksam werden lässt. (Kurt Appel, DER STANDARD, 13.2.2013)
Kurt Appel (44) ist Professor für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.
Grazer Grünen-Chefin: Regierungsbeteiligung birgt mehr Chancen als Risiken
Meissner-Blau warnt vor Regierungsbeteiligung in Salzburg
Warum der Streit um Sinn oder Unsinn der Sparpolitik irrelevant ist, solange man die Differenz zwischen Auslands- und Inlandsverschuldung ausblendet
Soll man wirklich "Nietenhosen" statt Jeans sagen? Anmerkungen zur Anglizismenangst
Zur Erinnerung an die Rolle des PEN-Clubs im NS-Regime - und daran, dass dieses dunkle Kapitel in den eigenen Reihen immer noch nicht aufgearbeitet ist
Die Länder Afrikas benötigen Hilfe. Die Grundlagen, auf denen über die passende Unterstützung entschieden wird, sind womöglich fragwürdig. Ein Plädoyer für nachhaltig wirkende Programme
Salzburg vor der Wahl: Wie geht's uns nach vier Jahren rot-schwarzer Regierungspolitik? Checkliste für Stimmbürger, die auch andere Sorgen haben als die Umtriebigkeit ihres ehemaligen Finanzlandesreferenten
Selbsterforschung eines angeblichen Rassismus-Sympathisanten
Eine Erwiderung auf die Vorbehalte des Bundespräsidenten gegen einen Ausbau der direkten Demokratie
Reizwort "Rassismus": Der Fall Ceipek als Prüfstein für den Zustand der heimischen Diskussionskultur
Großkonzerne wie Coca-Cola und Crédit Suisse starten eigene Internetmagazine, die mit journalistischen Inhalten aufwarten - Doch mit den aufwändig gestalteten Informationsdiensten sind auch kommerzielle Interessen verbunden
Die von Armin Wolf losgetretene Debatte um ein per Los ermitteltes Bürgergremium als treibende Reformkraft für den ORF aus Sicht eines ehemaligen Mitglieds der SOS-ORF-"Rentnergang" (©Peter Huemer)*
Warum die Naturschutzkampagnen gegen die Chemie auf dem Acker die Bienen nicht retten werden: Ein Imker sieht Ursachen primär in Versäumnissen der eigenen Zunft
Die offizielle Erinnerungskultur wird immer mehr von Standortfragen für Gedenksteine dominiert. Plädoyer für einen Paradigmenwechsel anlässlich der Errichtung eines temporären Mahnmals für die homosexuellen Opfer des NS-Regimes am 14. Mai in Wien
Die angekündigten Neuerungen im Staatsbürgerschaftstest erweisen sich als schlichte Korrektur alter Fehler - eine Erweiterung des Prüfungsstoffes ohne großartige Neuausrichtung
Wäre es nicht besser, stolzer auf die Mehrsprachgkeit als drei Autos und zwei Eigentumswohnungen zu sein?
Kleiner Einwurf zur Umtriebigkeit der Fremdwort-Jäger
Die jüngste Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Rings macht deutlich, wie absurd viele Straßennamen in Österreich sind. Der kommende Bericht der Stadt Wien zum Thema sollte Anlass für eine völlige Neukonzeption der traditionellen Praxis sein.
Kommt das Leopold-Museum seinen moralischen Verpflichtungen gegenüber den Erben tatsächlich nach?
Das grüne Streben nach einer Frauenquote bei Straßennamen am Beispiel Berlin: Aus einem wütenden Kommentar des Historikers Götz Aly in der "Berliner Zeitung"
Was darf man, was geht gerade noch und wo fängt Pfui an? Vom "Neger" bis zum "Po-Grapschen", vom "bedenklichen" Kinderbuch bis zum "bösen" Kochrezept: Wie sinnvoll ist es, alles zu verbieten, was sich eigentlich von selbst verbietet?
Nach dem "Paukenschlag" dreier Staaten zur Preisgabe von Geheimdaten aus Steueroasen just am Vortag des G-7-Treffens: Das Online-Portal Carta erzählt die Geschichte etwas anders - vor allem mit Blick auf die Frage, warum nicht schon 2010 getrommelt wurde
Zu Thomas Petersens "statistischen Taschenspielertricks": Die Frauenquote ist verfassungskonform und nicht männerfeindlich
Partizipative Reformansätze rund ums Demokratiepaket wie jener von Armin Wolf werden zur behaupteten Abkehr vom Parlamentarismus. Eine Replik.
"...und sich nicht auf die Natürlichkeit des Biozoologischen beschränkt".
Was für ein beschränkter Fundamentalismus. Erstens ist das "Biozoologische" komplex genug um per se Respekt zu verdienen, zweitens gibts da drüber einen kulturellen Überbau, der auch per se Respekt verdient, und drittens ist das, was uns die Kirchen als "über den Menschen hinausweisend" verkaufen, nichts anderes als frühere (magisch-mythische) Bewusstseinsinhalte und Kulturstufen. Die zu erleben bedarfs nicht zwingend einer Religion, da genügt eine Bergbesteigung oder beispielsweise Reisen, die uns fernstehende Kulturen "von innen" erfahren lassen.
die betonung des sacralen in der welt kann schon helfen. ehrfurcht vor dem leben, der schöpfung und dem geschaffenen bewirkt eine andere als die derzeit übliche haltung: zum mitmenschen (respektvoll und wertschätzend vor konkurrierend und neidisch), zur natur, zur technik (nicht alles machbare auch machen, von nukleartechnik bis medizin)
das wäre der prophetische beitrag den der papst hätte leisten können, wenn er seinen absolutsheitsanspruch nach außen und die unbarmherzigkeit seiner kurie auch überwunden hätte.
so sinds halt doch leere (und belehrende) worte geblieben ...
das Dumme bzw. ernsthaft verstörende ist nur, dass uns die Natur keinen Respekt vor dem Leben vorlebt. Von der Schöpfung her kann keine Geistigkeit und kein besonderer Wert, dem ein (unser) Leben zukommen würde, abgelesen werden. In der Natur zählt das Individuum gar nichts, nur Energie-Gleichgewichte etc.
"bei Verlust oder Vernichtung dieser transzendenten Aura an deren Stelle das "Nichts", das heißt die Sinnlosigkeit tritt", vielleicht muß er das sogar meinen
aber wen juckts?
was soll das konkret bewirken?
die menschheit oder auch nur die kirche voranbringen, irgendwelche probleme lösen wird, ja kann derartige cerebralmasturbation im elfenbeinturm nicht
Vielen Dank für die differenzierte Betrachtung des Pontifikats und der Handlungsweise des Papstes durch Kurt Appel. Ich hoffe (noch immer und trotzdem), dass die Kirchenleitung die Zeichen der Zeit erkennt und die "Schrift an der Wand" liest, um entsprechend zukunftsorientiert zu handeln.
Vielleicht,
ja vielleicht erleben wir ja auch noch einen respektvollen, ernsthaften und lebendig vertieften Dialog mit dem, was in Österreich als "Atheistische Religionsgesellschaft" langsam Gestalt gewinnt. :)
Das wird dann ein wahrhaft dialogischer Gestus sein (müssen).
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.