Wien soll schlauer werden

12. Februar 2013, 18:35
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Das ZIT, die Technologieagentur der Stadt Wien, kürte die Preisträger des Wettbewerbs "Smart Vienna"

Schön, lebendig, dreckig, laut - es gibt viele Eigenschaften, die eine Stadt haben kann. Von einer "intelligenten Stadt" dagegen hört man aber kaum. Dabei ist die "Smart City" eine Vision, die derzeit viele Stadtplaner im Blick auf die Zukunft vor Augen haben. Hinter dem Begriff verbirgt sich das Konzept, in der Stadt verstärkt moderne Technologien einzubinden, um das urbane Leben insgesamt zu verbessern.

"Es gibt aber nicht die eine 'Smart City' und somit keine verbindliche Definition. Dieses Konzept muss immer lokal betrachtet und auf die Gegebenheiten vor Ort angewendet werden", erklärt Dominic Weiss von Tina Vienna, dem Kompetenzzentrum für Know-how der Stadt Wien. Wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte des städtischen Lebens sollen durch technische Lösungen in Einklang gebracht werden. Dazu wird auch versucht, die Bürger durch technologische Innovationen langfristig besser zu vernetzen und in die Umwandlungsprozesse innerhalb der Stadt einzubinden.

Konkretes Ziel sei es, die Vorgaben des Europa-2020-Programms zu erfüllen und den europäischen Energiefahrplan bis 2050 einzuhalten. Die Hauptstadt scheint aber bereits verhältnismäßig "smart" zu sein: Im aktuellen europäischen Ranking der Smart Citys belegt man derzeit den vierten Platz.

Verschiedene Abteilungen der Stadtverwaltung versuchen diese Entwicklung voranzutreiben, indem sie verstärkt mit Forschern und Unternehmen im Bereich moderner Technologien zusammenarbeiten, um innovative Lösungen für noch bestehende Probleme im Stadtleben zu finden. Das ZIT - die Technologieagentur der Stadt Wien - vergibt heuer Fördergelder von zwei Millionen Euro an Unternehmen, die mit wissenschaftlichen Institutionen zusammenarbeiten. Auch das diesjährige Wiener Forschungsfest im September wird sich dem Thema "Smart City" widmen. Ebenso suchte das ZIT mit dem Wettbewerb "Smart Vienna 2012" Ideen für die Stadt von morgen. Wiener Unternehmen wurden dazu aufgerufen, Konzepte einzureichen, die Beiträge zu einer Smart City werden könnten. Aus insgesamt 109 Einreichungen wurden 17 Forschungsprojekte ausgewählt, von denen die drei am besten beurteilten Vorhaben mit Förderungen von jeweils 30.000 Euro prämiert wurden.

Den ersten Preis erhielt das Unternehmen my-PV für sein Konzept von "Mems", einem Energiespeicherungssystem für bestehende Fotovoltaikanlagen: Es dient der Speicherung von produzierter, aber nicht gleich verbrauchter Energie, die sonst zurück ins Stromnetz oder ganz verloren gehen würde. Laut Gerhard Rimpler von my-PV, liegt das Potenzial dieses Projekts darin, die Eigenenergieerzeugung und den -verbrauch effizienter zu gestalten. Auch auf dem zweiten Platz macht man sich Gedanken wie das städtische Leben energiesparender sein kann: "eVienne" heißt das fahrradähnliche elektronische Leichtfahrzeug, das den Stadtverkehr um eine umweltfreundliche Alternative zum Auto erweitern soll.

Die Kooperation mit der Stadt ist für die Planer ein zentraler Faktor: "Die Idee zu diesem Gerät existierte schon länger. Aber die Ausschreibung hat uns veranlasst, das Projekt mit Nachdruck voranzutreiben," sagt Barbara Hofleitner von Spirit Design, dem bei diesem Projekt federführenden Unternehmen. Zusammen mit der Eta Umweltmanagement GmbH, der Ecodesign company und dem Austrian Institute of Technology hat man dieses Fahrzeug konzipiert. Das "eVienne" soll in der Stadt nach dem Sharing-Prinzip genutzt werden, bevor es im Verkauf angeboten wird. Hofleitner: "Um die Menschen zu einer Verhaltensänderung zu bringen, muss man sie stufenweise heranführen." (Johannes Lau, DER STANDARD, 13.2.2013)

  • Wie man energiesparend durch die City flitzt: Das "eVienne" von Spirit Design landete auf dem zweiten Platz.
    foto: spirit design (vorabstudie)

    Wie man energiesparend durch die City flitzt: Das "eVienne" von Spirit Design landete auf dem zweiten Platz.

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