Richtige Entlohnung: Kammerstaat Österreich

Kommentar12. Februar 2013, 20:07
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Was ist noch Gewerbe? Was ist schon Industrie?

Wer nicht professionelles Mitglied des Kammerstaats Österreich ist, wird den aktuellen Streit zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern über die Verwendung des richtigen Bäcker-Kollektivvertrags nur schwer verstehen. Im Prinzip geht es darum: Was ist noch Gewerbe? Was ist schon Industrie? Das zu klären fällt selbst Kammer-Profis nicht leicht. Wann liegt "serienmäßige Produktion" vor? Was ist eine "größere Zahl an ständig beschäftigten Arbeitnehmern"?

Die eigentliche Frage, warum es im kleinen Österreich überhaupt zwei Kollektivverträge für Bäcker geben muss, stellt offenbar niemand. Auf produktionstechnische Besonderheiten könnte man genauso gut innerhalb eines KV Rücksicht nehmen. Im Kammerstaat ist so etwas aber natürlich nicht zu machen. Es würde ja Jobs kosten, Funktionärsjobs. Kritisch hinterfragt werden darf auch die Rolle der Gewerkschaft. Wenn der Gewerbe-KV so schlimm ist: Warum wurde ihm dann Jahr für Jahr zugestimmt?

Spannend ist aber, dass nun eine prinzipielle Diskussion entbrannt ist. Es ist in der Tat nicht einzusehen, dass der Einzelne nicht überprüfen lassen kann, ob das Unternehmen den richtigen Kollektivvertrag anwendet. Ob die angekündigten Klagen umgesetzt werden, bleibt aber abzuwarten. Wahrscheinlicher sind sozialpartnerschaftliche Deals alter Schule. Zu eigenständige Mitarbeiter sind schließlich nicht im Interesse der Gewerkschaft. (Günther Oswald, DER STANDARD, 13.2.2013)

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