Pferdefleisch: Zwei britische Betriebe geschlossen

13. Februar 2013, 05:30
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EU-Minister treffen sich zur Beratung - Diskussion über Herkunftskennzeichnung

London/Brüssel/Wien - Die britische Lebensmittelaufsicht FSA hat am Dienstag nach einer Razzia zwei Fleischverarbeitungsbetriebe in England und in Wales geschlossen. Der Betreiber eines Schlachthofs in der Grafschaft Yorkshire steht unter dem Verdacht, geschlachtete Pferde an eine Anlage in der Grafschaft Pembrokeshire in Wales weiterge geben zu haben. Dort wurde das Fleisch vermutlich zu Burger-Fleischlaberln und Kebabs verarbeitet.

Zuvor war Pferdefleisch in tiefgekühlter "Rindfleisch-Lasagne" und in Hamburgern in Großbritannien, Irland und Frankreich entdeckt worden. Ob die britischen Betriebe schuld an dem Fleisch in manchen der falsch deklarierten Produkte waren, war zunächst unklar. Anfangs waren Schlachthöfe in Rumänien in Verdacht geraten. In Österreich sind laut Gesundheitsministerium bisher keine solchen Produkte aufgetaucht, es werde derzeit aber verstärkt kontrolliert.

Ministertreffen in Brüssel

Die britische Pferdefleisch-Lasagne beschäftigt auch den EU-Ministerrat. Am Mittwoch treffen sich die zuständigen Politiker in Brüssel, um sich über den Stand der Ermittlungen auszutauschen. Der Fall hat die Debatte  um die Herkunftskennzeichnung  von Lebensmitteln neu angeregt. Österreichs Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) forderte am Dienstag eine EU-weite Datenbank, in der "der Weg vom Rohstoff bis zum Produkt" verzeichnet werden soll. Derzeit müssen Produzenten zwar Buch darüber führen, woher sie einen Rohstoff beziehen und an wen sie ihre Produkte weiterverkaufen - zentral gesammelt werden diese Informationen aber nicht. Mit einer Datenbank wäre die Entstehungsgeschichte eines Produkts schneller nachvollziehbar, heißt es aus dem Gesundheitsministerium.

Zusätzlich wünscht sich Stöger eine Ausschilderungspflicht, woher Fleisch in Fertigprodukten stammt - was Vertreter des Handels und der Industrie für unrealistisch halten, weil etwa in einer Wurst oft Tiere aus zahlreichen Ländern verwurstet werden.

Neue Verordnung ab 2014

Derzeit muss in der EU nur bei frischem Rindfleisch ausgewiesen werden, woher es stammt. Ab 2014, wenn die neue Verbraucherinformationsverordnung der EU in Kraft tritt, gilt dies auch für Frisch- und Tiefkühlfleisch von Geflügel, Schweinen, Schafen und Ziegen. Für verarbeitetes Fleisch läuft derzeit eine Studie, ob eine solche Ausschilderung überhaupt machbar ist.

Bisher wird auf einem verarbeiteten Produkt nur dessen Herkunft angeführt, also jener Ort, an dem der Großteil der Wertschöpfung passiert. "Das ergibt unserer Meinung nach etwa bei Wurst Sinn, weil sie sich durch die Handwerkskunst des Fleischers definiert und nicht dadurch, woher das Schwein dafür kommt", sagt Anka Lorenz von der Sparte Fleisch der österreichischen Wirtschaftskammer. (tob, DER STANDARD, 13.2.2013)

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    Pferdefleisch, als solches ausgeschildert, in einer Fleischerei in Deutschland. Als Rindfleisch getarnt, erregt es derzeit die EU.

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