Kreml bleibt bei Abrüstung kühl

12. Februar 2013, 17:20
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Moskau fürchtet Verlust strategischen Gleichgewichts

Sensationen seien nicht zu erwarten, wiegelte das US-Außenministerium schon im Vorfeld ab. Von dem viertägigen Moskau-Besuch der US-Staatssekretärin für Rüstungskontrolle und internationale Sicherheit, Rose Gottemoeller, der am Dienstag begann, verspricht sich selbst Washington offenbar nicht viel. Der Kreml hat seine ablehnende Haltung in der Frage klar zu erkennen gegeben.

Schon auf der Sicherheitskonferenz in München hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow US-Vizepräsident Joe Biden mit dessen Vorschlag, das nukleare Arsenal der beiden Staaten auf jeweils rund 1000 Sprengköpfe zu reduzieren, abprallen lassen. Für den Kreml bietet die Initiative deutlich weniger Vorteile als für das Weiße Haus.

So könnte zwar auch Russlands Haushalt Kosten sparen – laut heimischen Medien geht es um rund sechs Milliarden Euro –, doch zugleich verprellt die russische Führung das Militär und die Rüstungsindustrie, denen erst vor wenigen Monaten die Entwicklung einer neuen Langstreckenrakete zugesagt worden war.

Fehlende Präzisionswaffen

Zudem sieht sich Moskau auch strategisch im Nachteil. Bisher konnte Russland mit seinen Atomwaffen den Nachteil, den es gegenüber den USA bei den sogenannten "smart weapons", also präzisionsgelenkten Waffen, hatte, ausgleichen. "Genau aus dem Grund, aus dem es für die Amerikaner, die bei den präzisionsgelenkten Waffen gewinnen, günstig ist, das Atomwaffenarsenal zu verringern, ist es für uns ungünstig", sagt der kremlnahe Kommentator Alexander Priwalow. Russland könne nicht auf Atomwaffen verzichten, ohne seine Sicherheit zu gefährden, verdeutlichte er den russischen Standpunkt.

Eine Einigung in der Frage ist  allenfalls möglich, wenn die USA den russischen Sicherheitsinteressen an anderer Stelle entgegenkommen. In erster Linie betrifft dies den geplanten Raketenschild der USA in Osteuropa, der seit Jahren in Moskau Aversionen hervorruft.

Sollten die USA auf die Raketenabwehr verzichten, könne sich Russland eine weitere atomare Abrüstungsrunde vorstellen, heißt es in diplomatischen und militärischen Kreisen in Moskau. (André Ballin aus Moskau /DER STANDARD, 13.2.2013)

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