Bambi mit zwei i

12. Februar 2013, 17:20
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Das Dating-Format mit dem etwas gruseligen Titel sieht vor, dass auch mit kulinarischen Mitteln gebuhlt wird

"Ich bin die Bianca, aber du darfst gern Bambi sagen", stellte sich die Kandidatin ihrem Blind Date Josi vor. "Bambi mit zwei i", wegen der Einzigartigkeit. Bambii also.

Das Dating-Format mit dem etwas gruseligen Titel "Messer, Gabel, Herz" sieht vor, dass auch mit kulinarischen Mitteln gebuhlt wird. Man plauderte also am Montag bei Selbstgekochtem die längste Zeit über Fotoshootings und sexy Kleidung. Kein Klischee wurde ausgelassen, während die Kamera Biancas Dekolleté kaum aus dem Blick ließ, alle Sexismus-Debatten vergessend. Das Dessert wurde in Häschen-Montur serviert.

Dem "Naturburschen" war das dann doch alles eher suspekt. Er wolle im Finale das Mädchen hinter dem "Sexy Bunny" treffen, ließ er Bianca in einem Brief wissen. Allerdings nicht, ohne zuvor die Feststellung gemacht zu haben: "Vor der Kamera ist sie wirklich offen und locker, das hat sie richtig einstudiert, die Routine sieht man."

Dennoch blieb am Ende das erleichternde Gefühl, dass bei "Messer, Gabel, Herz" rauer mit dem Püppchen-Ideal umgegangen wird als etwa bei "Austria's Next Topmodel". Den Namen "Bambii" brachte Josi jedenfalls nicht ohne spürbare Anführungszeichen über die Lippen.

Öffentlich-rechtlicher Balsam auf von Messer und Gabel verwundete Herzen war die "Glamour"-Doku auf ORF 2: Von der Verführungskraft rätselhafter Bilder und vom Zauber der Selbstinszenierung war die Rede. Und davon, dass auch Entfremdung und Warenhaftigkeit zu Glamour gehören.

Ein Kameramann bedauerte, dass man dem echten Glamour heute vergeblich hinterherjage. Angesichts der Beute von "Messer, Gabel, Herz" muss man ihm recht geben. (Roman Gerold, DER STANDARD, 13.2.2013)

  • "Messer, Gabel, Herz" auf Puls 4.
    foto: puls 4

    "Messer, Gabel, Herz" auf Puls 4.

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