Herr Massi, Mastermind des Systems Maze

12. Februar 2013, 17:12
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Andrea Massi ist Lebensgefährte, Manager und Trainer von Tina Maze. Für die Slowenin hat er ein Konzepttraining entwickelt. Nun werden die Früchte geerntet

Schladming - Wie viele Medaillen er seinem Schützling Tina Maze zutraut, wurde Andrea Massi vor der WM gefragt. "Was die Beine, der Kopf und das Wetter eben hergeben", hatte der Italiener geantwortet. Nach drei Bewerben in Schladming hält die 29-jährige Slowenin bei einmal Gold im Super-G und einmal Bronze in der Super-Kombination, in der Abfahrt wurde sie Siebente. Eigentlich nur Siebente. Denn wer nach ihrem Abschwingen in Mazes enttäuschtes Gesicht geblickt hatte, wusste sofort über die Erwartungshaltung Bescheid.

Am Donnerstag geht die Titelverteidigerin im Riesentorlauf auf ihre dritte Medaille los. Alles andere als Gold wäre für Maze eine herbe Enttäuschung. Nach vier Saisonsiegen, zwei zweiten und einem dritten Platz ist das nicht überheblich, sondern nur verständlich.

Dabei ist nicht nur Mazes Dominanz im Riesentorlauf faszinierend, sondern auch ihre Konstanz. Die Allrounderin hält bei sieben Saisonerfolgen, außer in der Abfahrt gewann sie in diesem Winter schon in jeder Disziplin. Im Gesamtweltcup hat sie mit 1694 Punkten mehr als doppelt so viele als ihre erste Verfolgerin, die Deutsche Maria Höfl-Riesch. Das Erreichen der Rekordmarke von Hermann Maier (2000) ist nur noch eine Frage der Zeit. "Ich habe immer gewusst, dass Tina sehr stark sein kann", sagt Coach Massi. "Dass sie so stark wird, hätte ich aber nicht gedacht."

Der durchtrainierte Italiener ist um 16 Jahre älter als Maze, er ist ihr Manager, Betreuer und Lebensgefährte in Personalunion. In Schladming ist er zusätzlich ein Bodyguard, wenn Maze der Rummel zu groß wird.

Das kleinste Team

Massi ist der Mastermind hinter dem Projekt, das sich "Team to aMaze" nennt und inklusive Servicemann, Physiotherapeut und Trainer fünf Personen umfasst. "Wir sind das kleinste Team im Ski-Weltcup und haben nur ein kleines Budget zur Verfügung. Aber unser langfristiger Plan funktioniert hervorragend."

Maze fährt zwar für Slowenien, mit dem Verband hat sie aber nicht viel am Hut. 2008 riskierten Massi und sie die Abspaltung. Dem Verband blieb nichts anderes übrig, als das zu dulden. Seither stieg Maze kontinuierlich zur absoluten Siegläuferin auf. Es handelt sich nicht um das einzige Privatteam im Skizirkus mit Erfolgen: Die Schweizerin Lara Gut, im WM-Super-G hinter Maze Zweite, setzt ebenfalls auf exklusive Betreuung. Und auch Marcel Hirscher oder Marlies Schild trainieren teils mit dem Team, teils mit Privatleuten.

Massi, früher selbst Skifahrer und Mittelstreckenläufer, war in der slowenischen Mannschaft seit 2002 als Fitnesscoach tätig, arbeitete auch dort schon mit Maze zusammen. Das Fehlen eines Leistungsprinzips brachte ihn aber zur Verzweiflung. "Es kann nicht funktionieren, wenn eine Tina Maze das gleiche Trainingsprogramm abspulen muss wie die Nummer 35 im Team. Die haben nicht verstanden, dass Skifahren ein Individualsport ist. Noch heute werden in der slowenischen Mannschaft alle Athleten gleich trainiert, obwohl sie unterschiedlich schnell fahren."

Also führte Massi nach der Loslösung ein langfristiges Konzepttraining ein. "Tina war immer ein großes Talent. Aber ein Training mit Methode hat ihr gefehlt." Der Kernpunkt: eine Symbiose zwischen hartem Konditionstraining, Kraftaufbau und Übungen auf dem Gerät. "Wenn du dich so spezialisierst auf eine Sportart wie Skifahren, musst du die physische Basis legen", sagt Massi. "Dafür arbeiten wir hart im Sommer."

Das letzte Puzzlestück in diesem Fünfjahresplan für Maze ist laut Massi Servicemann Andrea Vianello gewesen. Die nicht immer pflegeleichte Athletin hat seit 2011 die Zusammenarbeit mit gleich drei Serviceleuten beendet, sie besser gesagt gefeuert. Im Sommer drängte sie auf die Verpflichtung von Vianello, der schon die Ski von Alberto Tomba präpariert hatte.

"Top-Serviceleute, die alle Disziplinen abdecken, sind schwer zu finden" , sagt Massi. "Einen wie Vianello hätte ich schon vor ein paar Jahren gebraucht." Coach Livio Magoni sorgt für die passenden Ski-Übungen zum Krafttraining. "Er hat viel Erfahrung in diesem Bereich mitgebracht, die ich nicht gehabt habe."

Wie reich die Ernte bei der WM ausfallen wird, darauf legt sich Massi nicht fest. Das Wetter sollte mitspielen, Kopf und Beine sind jedenfalls bereit. "Tina hat eine genetisch gute Anlage für Sport, ihre Technik ist hervorragend. Sie ist eine Künstlerin, weißt du? Wenn eine Künstlerin auch noch Sport macht, ist sie gefährlich." (David Krutzler, DER STANDARD, 13.2.2013)

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    Die Beziehung zwischen Tina Maze und Andrea Massi ist innig. "Tina ist eine Künstlerin", sagt ihr Coach und Lebensgefährte.

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