Über den Krieg hinweg

12. Februar 2013, 17:35
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Ulrich Becher schrieb u. a. das Stück "Der Bockerer" - Ein Band mit seinen Briefen aus dem Exil - "Ich lebe in der Apokalypse" - wird am Donnerstag in Innsbruck präsentiert

Innsbruck - Ulrich Becher, 1910 in Berlin geboren, wuchs in gutbürgerlichen Verhältnissen auf, sein Vater war der erfolgreiche Rechtsanwalt Richard Becher und seine Mutter die Schweizer Pianistin Elisabeth Ulrich.

1932 veröffentlichte er bei Rowohlt seinen ersten Band Männer machen Fehler. Nach der "Machtergreifung" Hitlers wurde sein Werk - Becher war erst 23 Jahre alt und ein bekennender Antifaschist - umgehend als entartet eingestuft, es landete auf dem Scheiterhaufen. Becher verließ Berlin und führte fortan ein unstetes Leben im damals noch freien Europa, zwischen Wien, Paris, Prag und London.

Nach der Heirat mit Dana Roda, der Tochter des populären österreichisch-ungarischen Schriftstellers Alexander Roda Roda, nahm er die österreichische Staatsbürgerschaft an. Bald wurde Ulrich Becher klar, dass die NS-Herrschaft nicht nur das Ende seiner aufstrebenden literarischen Karriere bedeutete, sondern dass es ums nackte Überleben ging.

Das Paar floh über die Schweiz nach Brasilien und erreichte 1944 schließlich New York. Seit seinem Fortgang aus Berlin schrieb Becher Briefe an seine zurückgebliebenen Eltern. Diese Briefe erzählen von einem Leben im Exil, voll Sprachwitz beleuchten sie einen konfliktreichen Lebensweg, sie erzählen von Leid und Glück, und durch die Briefe sollte vor allem, über das Meer und den Krieg hinweg, ein familiärer Zusammenhalt gewahrt bleiben.

Dieser Exilbriefwechsel ist vergangenes Jahr im Verlag der Theodor-Kramer-Gesellschaft unter dem Titel Ich lebe in der Apokalypse. Briefe aus dem Exil erschienen. Der Band enthält auch einige wenige Briefe aus seiner Jugend, etwa jenen von 1919, in dem das Kind seinem Vater schreibt, er möge doch Kriegsanleihen zeichnen. Erst 1948 kam Ulrich Becher wieder nach Wien - und zwar zur Uraufführung seines Bühnenstückes Der Bockerer, dessen Verfilmung mit Karl Merkatz in der Hauptrolle in Österreich zum Kult wurde.

Morgen lesen Sohn Martin Roda Becher und Enkelin Anja Becher im Literaturhaus am Inn aus dem Briefwechsel. (Dorothea Nikolussi-Salzer, DER STANDARD, 13.2.2013)

14. 2., Literaturhaus am Inn, 20.00

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