Telekom-Prozess: Trimmel belastet Ex-Vorstände

12. Februar 2013, 16:28
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Angeklagter: Auftrag an Wanovits kam von ihnen - Gegenleistung u.a. 500.000 Euro in bar - Ex-General Sundt durch Trimmel entlastet

Am zweiten Tag des Telekom-Prozesses rund um die Kursaffäre hat der mitangeklagte Ex-Prokurist der Telekom Austria, Josef Trimmel, die angeklagten Ex-Vorstände Rudolf Fischer und Stefano Colombo belastet. Demnach gaben diese den Auftrag an den mitangeklagten Euro Invest-Banker Johann Wanovits, den Kurs der Telekom-Aktie zu heben und damit ein Mitarbeiteroptionsprogramm auszulösen. Mittelsmänner zwischen den Vorständen und Wanovits waren Telekom-Bereichsleiter Gernot Schieszler und er selber, schilderte Trimmel.

Für den ebenfalls mitangeklagten Ex-Generaldirektor Heinz Sundt, dem die Anklage so wie Fischer und Colombo Untreue gegenüber der Telekom mit einem Schaden von über 10 Mio. Euro vorwirft, waren Trimmels heutige Aussagen entlastend. Schieszler ist in dem Verfahren nicht angeklagt, er strebt eine Kronzeugenregelung an und wird nächsten Montag als erster Zeuge befragt.

Zufälliger Kontakt

Trimmel erklärte heute, der Kontakt zwischen ihm und Wanovits sei über einen Bekannten im Jahr 2000 eher zufällig entstanden. Im Vorfeld der entscheidenden Tage für das Mitarbeiteroptionenprogramm im Februar 2004 habe er sich mit Wanovits und Schieszler getroffen, im Gasthaus "Hansy" am Wiener Praterstern. Bei einer zweiten Begegnung in Wanovits Büro habe ihnen dieser gezeigt, dass jemand den Kurs der Telekom-Aktie "drücke" und er helfen könne. Erst am letzten Tag, am 26. Februar 2004, sei dann der Auftrag an Wanovits zustandegekommen, er solle dagegenhalten und den Kurs mittels Kauforder anheben, damit die Telekom-Mitarbeiter Prämien bekommen.

Schieszler habe sich zuvor bei den Vorständen Fischer und Colombo rückversichert. Gegen Börseschluss habe Schieszler ihm, Trimmel, aufgetragen, Wanovits mit der Kursanhebung zu beauftragen. Schieszler habe ihn angerufen und gesagt, die beiden Vorstände wollten das. "Sundt war kein Thema", meinte Trimmel.

Gegenleistung in Höher von einer Million Euro

Für den hilfreichen Banker Wanovits sei eine Gegenleistung in Höhe von rund einer Mio. Euro plus Spesen vereinbart gewesen. Diese hätte über "legale Gegengeschäfte" abgewickelt werden sollen. Das war aber wegen der medialen Aufregung nach dem Kurssprung der Telekom-Aktie in letzter Minute nicht mehr möglich. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) habe die Sache damals untersucht, daher wollten die Telekom-Verantwortlichen jeden Kontakt zu dem Banker Wanovits vermeiden, der seinen Auftraggeber Telekom damals nicht nannte.

Die Bezahlung für Wanovits Dienste lief dann teilweise über Bargeld: Rund 500.000 Euro wurden an Wanovits in bar übergeben, das Geld wurde zuvor beim Lobbyisten Peter Hochegger cash übernommen, schilderte Trimmel. Hochegger stellte der Telekom eine Studie in Rechnung, die aber von der Telekom selbst erstellt worden war, so die Anklage. Das derart gewaschene Geld floss dann an Wanovits.

Wanovits habe die Geldboten, Trimmel und Schieszler, aufgefordert, sich auch etwas zu nehmen. Etwa 10.000 bis 15.000 Euro seien das wohl gewesen, er habe aber weder den großen Betrag nachgezählt, noch die eigene Entnahme. Auch wenn er nicht wisse wie viel Geld er sich genommen habe, sei er doch bereit es der Telekom zurückzuzahlen, versicherte Trimmel dem Telekom-Privatbeteiligtenvertreter. Auch seinen eigenen Vorteil aus dem Mitarbeiterprogramm, 112.000 Euro, habe er der Telekom "wegen des medialen Drucks" schon zurückgezahlt.

Schüssel-Aussagen widersprochen

Ex-Generaldirektor Heinz Sundt gab heute bei seiner Zeugeneinvernahme einen Einblick in die Privatisierung der Telekom Austria unter dem damaligen Eigentümervertreter Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Aufgrund des negativen Börseumfeldes habe der Vorstand überhaupt keine Freude mit dem Börsegang der Telekom gehabt, aber Grasser wollte diesen um im Staatshaushalt ein Nulldefizit erreichen zu können, so Sundt.

Auch widersprach er den damaligen Aussagen der Regierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, wonach der Einstieg der Schweizer Swisscom im Jahr 2004 an den Schweizern gescheitert wäre. Vielmehr habe in Österreich der politische Wille dazu gefehlt. Nach dem geplatzten Deal verlor die Telekom alleine an einem Tag einen Börsewert von 1,4 Mrd. Euro.

Sein Verhältnis zu Grasser bezeichnete Sundt als sehr angespannt, daran konnte auch der Einsatz des Lobbyisten Hochegger nichts ändern, den Sundt aus seiner Zeit bei der Telekom-Tochter Mobilkom kannte und der sehr gute Kontakte zum Finanzminister hatte. Der Name von Grasser fiel Sundt heute am zweiten Verhandlungstag erst nach langem Nachdenken ein. "Wir hatten ein chronisch gestörtes Verhältnis."

Sundt bekannte sich nicht schuldig

In der Sache selbst - der angeklagten Kursmanipulation, bei der Sundt als Drittbeschuldigter geführt wird - bekannte sich Sundt nicht schuldig. Den Bonus von 390.000 Euro brutto habe er - im Gegensatz etwa zum ebenfalls angeklagten Trimmel - nicht zurückgezahlt. "Eine Rückzahlung wäre ein Schuldeingeständnis und davon distanziere ich mich meterweit", so Sundt.

Sundt bestätigte die Verteidigungslinie der anderen Angeklagten, wonach man von einer Kursmanipulation nach unten ausgegangen sei - verdächtigt habe man die US-Investmentbank Merrill Lynch, was sich aber später als falsch herausstellte.

Der Prozess wird morgen Mittwoch mit der Einvernahme des Angeklagten Wanovits fortgesetzt, Prozessbeginn ist um 10 Uhr. (APA, 12.2.2013)

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