Italienische Medien räumen Schönborn gute Chancen ein

Spekulationen über Papst-Nachfolge - Weiter Lob und Anerkennung für Entscheidung von Benedikt XVI.

Vatikanstadt - Nach der Ankündigung des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. zum Monatsende wird weltweit über einen geeigneten Nachfolger diskutiert. Italienische Medien räumen dem Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, gute Chancen ein, Nachfolger Josef Ratzingers und damit der 266. Papst zu werden. Unterdessen reißt die Welle der internationalen Respektsbekundungen für den überraschenden Entschluss nicht ab.

Bei all den blühenden Spekulationen über den möglichen Nachfolger ist noch kein Favorit erkennbar. Ein italienischer Papst wird ebenso für möglich gehalten wie - als Zeichen der Öffnung - ein Kirchenoberhaupt aus Afrika, Lateinamerika oder Asien. Reformkräfte fürchten aber, dass der scheidende Papst mit der Ernennung zahlreicher Kardinäle bereits eine Vorentscheidung zur Fortsetzung seines konservativen Kurses getroffen hat.

In italienischen Medien wurde Schönborn als aussichtsreicher Kandidat für die Papst-Nachfolge gehandelt. "Unter den Ausländern gibt es einen Kardinal, den viele für Benedikts Nachfolge als perfekt erachten: Es handelt sich um den Österreicher Schönborn, einen ehemaligen Schüler Ratzingers", schrieb die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Dienstag. Ähnlich äußerte sich die Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" ("Unter den Europäern ist der starke Name jener des Wiener Erzbischofs Schönborn") sowie die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" ("Im Zeichen der Kontinuität mit dem Papst steht die Kandidatur von Kardinal Schönborn, einem äußerst gebildeten Schüler Ratzingers ...").

Namedropping

Als geeignete Nachfolger werden unter anderem der Mailänder Erzbischof Angelo Scola und die beiden Afrikaner Peter Turkson aus Ghana und Francis Arinze aus Nigeria genannt. Auch Kardinal Marc Ouellet aus Quebec und dem New Yorker Erzbischof Timothy Dolan werden Chancen eingeräumt. Aus Lateinamerika werden der Erzbischof von Sao Paulo, Kardinal Otto Scherer, und Kurienkardinal Leonardo Sandri aus Argentinien genannt. Aus Asien gilt der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle als "papabile", also als möglicher Papst.

Auch in Israel wurde die Ankündigung mit Bewegung und großer Anerkennung aufgenommen. Der Oberrabbiner der sephardischen Juden, Shlomo Amar, würdigte vor allem das Eintreten Benedikts gegen Antisemitismus und gegen das Leugnen des Holocaust, wie die Zeitung "Jerusalem Post" berichtete. Ebenso reagierte die polnische Kirche und Politik mit Verständnis.

Benedikt XVI. wird sein Pontifikat am 28. Februar (20 Uhr) aufgeben - das hat es in der Neuzeit noch nie gegeben. Innerhalb von zwei bis drei Wochen danach soll das Konklave beginnen, das seinen Nachfolger wählt. Bis Ostern soll der neue Papst feststehen. Voraussichtlich 117 Kardinäle aus aller Welt sind beim Konklave wahlberechtigt - Schönborn ist dabei der einzige Österreicher. Es gilt als sicher, dass auch das neue Oberhaupt der Katholiken aus dem Kreis dieser Kardinäle kommt, theoretisch kann aber jeder männliche Katholik gewählt werden.

Benedikt selbst nimmt auch nach seiner Rücktrittsankündigung weiter Termine wahr. Dazu gehörten Treffen mit Bischöfen und ausländischen Staatsgästen, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi am Dienstag mit. An diesem Mittwoch stehe die Generalaudienz auf dem Programm. Zudem sei eine große Feier mit dem Papst zum Aschermittwoch geplant, dem Beginn der Fastenzeit. Das werde voraussichtlich seine letzte große öffentliche Zeremonie sein. Benedikt wird nach seinem Rücktritt zunächst in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom wohnen und sich später in ein Kloster im Vatikan zurückziehen.

Mit der Rücktrittsentscheidung werde sich das Amt des Papstes verändern, sagte der Kenner der katholischen Kirche und Publizist Hubert Feichtelbauer im Ö1-"Morgenjournal". Der Papst werde als Mensch wahrgenommen und sei "kein überirdisches Wesen". Dringend notwendig sei, dass der Papst eng mit seinem Beraterstab zusammenarbeite und Aufgaben aufgeteilt werden. (APA, 12.2.2013)

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