Vision vom schicken, sauberen Praterstern

18. Februar 2005, 14:38
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Eine Großbaustelle im und unter dem Nordbahnhof - Der Praterstern wird künftig durch zwei Hochleistungs-Linien erschlossen: U1 und U2

Wien - Der Kebabduft ist betörend. Bei nüchternem Magen und zu früher Morgenstund' erst recht. Die ersten ordern ihr Frühstück bei einem der Standl am Nordbahnhof. "Salamipizza", ruft ein Herr im Anzug über die Theke, "I geh derweil zum Billa", sagt sein Kollege, verschwindet im Supermarkt und kehrt mit dem Klassiker in der Hand zurück - Semmerl mit Extra und Gurkerl. Neben ihnen, im dunklen Durchgang, in dem der 21-er die Fahrgäste in Richtung Ausstellungsstraße aufnimmt, hocken drei Übernachtige beim Bier.

Treffpunkt der Penner und Sandler

Der Praterstern ist Treffpunkt der Pendler, der Sandler, der Vorbeihastenden und tagsüber dort Verweilenden. Hunger kriegt jeder von ihnen irgendwann und so dürfte das Geschäft bei Billa & Co gut laufen. Was aber ist, wenn die ÖBB ihre Bahnhofsoffensive ab 2004 dort weiterführen und einmal der Bahnhof Wien-Nord sauber dasteht? "Bestehende Betriebe werden abgesiedelt," stellt Sprecher Gary Pippan klar. Das wird nicht leicht, denn viele der Standl-und Geschäftsinhaber sind seit langem am Nordbahnhof vertreten. "Deren Verträge sind gut und alt", weiß Pippan, daher prüfen die ÖBB-Juristen derzeit, wie man sie auflösen kann. Frei werdende Geschäfte werden schon nicht mehr neu vergeben. Für Billa wird ein "Betriebsführungskonzept" erarbeitet, damit auch während des Bahnhofsumbaus im "Billig-Laden" eingekauft werden kann.

Dach über eine der wichtigsten Verkehrsroute Wiens

Während die Juristen tüfteln, gehen Planer in andere Details: Wo in dem von Architekt Albert Wimmer entworfenem Bahnhofsgebäude Rolltreppen in die Tiefe zu den Geleisen führen werden, Auf-und Abgänge und die Geschäfte eingebaut werden. Ab 2007, wenn die U2 dann den Praterstern kreuzt, soll der neue Bahnhof das Dach über eine der wichtigsten Verkehrsroute Wiens bilden.

Wie das alles zu bewerkstelligen ist, hat man bei der ÖBB schon Erfahrungen: Die Bahnhöfe Graz und Innsbruck sind bereits saniert, in Linz suchen Reisende derzeit in der Großbaustelle ihr Abfahrtsgleis. Schwierig ist in Wien, dass U2 und Bahnhofsgebäude gleichzeitig errichtet werden, parallel der Verkehr am Praterstern weiter fließen muss, erklärt Sprecher Pippan.

Verkehr am Stern

Es wird sich am Praterstern also verkehrsmäßig einiges ändern: Denn er wird künftig durch zwei Hochleistungs-Linien erschlossen: U1 und U2. Die Linie 21 ist ab dann obsolet. Der O-Wagen und der 5-er werden weiter unter der Statue des Admiral Tegetthoff vorbeizuckeln. Der dortige Umstiegsbereich wird nach Plänen von Architekt Boris Podrecca gestaltet. Diese Entscheidung gilt als fix, auch wenn die offizielle Bestätigung noch nicht erfolgt ist.

Was dagegen die Autofahrer am Praterstern anlangt, kann Architekt Peter Klopf weitgehend beruhigen. Es werde nur überlegt, ob in einigen Bereichen Spuren zusammengelegt werden können, die Engstelle Praterstraße beim Wirtshaus "Hansi" soll entschärft werden. Denken will man auch an die Radfahrer, die sollen ebenfalls bessere und sichere Wege im Praterrondeau bekommen. (Andrea Waldbrunner(DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2003)

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