Wir sehen Sterne

6. Oktober 2003, 15:53
posten

Alles Leben ist ein Wettbewerb. Hat das Fernsehen ein Format erst einmal mit Erfolg lanciert, dann erwacht die Konkurrenz und sucht mit allen Mitteln, Quoten abzugraben ...

... Das ist bei Quizshows so und bei Talentwettbewerben nicht anders. Und in Zeiten, in denen junge Menschen gerne mit Inbrunst andere kopieren, floriert das Geschäft mit Letzteren scheinbar so prächtig wie noch nie.

Wenn alle das Gleiche tun und wollen, dann müssen wenigstens die Rahmenbedingungen Unterschiede suggerieren. Und so sucht das ZDF - derzeit noch weit gehend abseits der Kameras - Die "Deutsche Stimme 2003" und den "neuen deutschen Schlagerstar". Auch RTL befindet sich noch in der Phase der Vorselektion künftiger deutscher Superstars. Die Konkurrenz auf Sat1 lässt dafür unter anderem gerade Minderjährige zum "Star Search" antreten. Kleine Jungs mit Igelhaar erweisen sich dabei - noch rasch, bevor die Stimme bricht - als Publikumsrenner.

Das Phänomen, das Teenies aller Länder an den Rand der stimmlichen Belastungsgrenze und zu Tausenden zu Castings treibt, hat allerdings auch Schattenseiten: Britische Popstar-AspirantInnen, die bereits an der Vorjury scheitern, lassen sich mitunter nicht so leicht von ihren (hörbaren) Unzulänglichkeiten überzeugen.

Ein Grund für infolge einer Ablehnung angedrohte Prügel: Wenn er noch einen weiteren Anastacia-Song hören müsse, dann raste er aus, hatte der Juror zuvor vollmundig verkündet. Das ist zwar unprofessionell, aber irgendwie doch auch verständlich. (irr/DER STANDARD; Printausgabe, 15.7.2003)

Share if you care.